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04. Januar 2013

Dirk Nowitzki: „Weitere vier Jahre spielen“

Dirk Nowitzki blickt optimistisch in die Zukunft. Foto: imago sportfotodienst

Basketball-Superstar Dirk Nowitzki im Gespräch: Über sein Comeback in einer schweren Phase für die Dallas Mavericks, sein Knie und die Chancen seiner Mannschaft.

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Er klingt verschnupft. Dirk Nowitzki atmet schwer durch die Nase, dann hustet er in ein schwarzes Handtuch, das ihm über der Schulter hängt. Es ist kurz vor 23 Uhr Ortszeit in Downtown Miami und der Star der Dallas Mavericks steht in der Umkleidekabine der Arena, in der sein Team am Abend gegen die Miami Heat verloren hat. In Overtime, der Nachspielzeit. Es war ein Spiel, das ein Unentschieden verdient gehabt hätte, doch das gibt es nicht im amerikanischen Sport. Und so gewann am Ende der amtierende Meister der NBA mit 119:109. Doch die Männer aus Dallas spielten wie lange nicht mehr – hübsch angriffslustig und mannschaftlich geschlossen. Ist das das Verdienst von Dirk Nowitzki, der kürzlich ins Team zurückkehrte nach verletzungsbedingter Abstinenz? Ein lautes Schniefen, dann ist er bereit zum Interview. Seine Erkältung spielt keine Rolle – wichtig ist, wie es den Mavericks jetzt geht.

Herr Nowitzki, 2013 begann für die Mavericks mit einem Sieg und einer Niederlage: Sie gewannen in Washington, nun verloren Sie hier in Miami. Sind Sie heute trotzdem zufrieden, weil Sie fast 30 Minuten spielen konnten und 19 Punkte machten?
Ja, ich glaube, für mich war es das bisher beste Spiel, das ich von den Beinen, von der Kondition her hatte. Es zeigt sich, dass sich die harte Arbeit der vergangenen zwei, drei Wochen gelohnt hat. Ich gehe nach Spielen noch rennen, absolviere Konditionseinheiten; ich habe nach dem Training noch Sachen gemacht, um wieder ein bisschen explosiver zu werden und das hat sich jetzt ausgezahlt. Ich glaube, dass ich bald von Anfang an dabei sein kann …

… dass Sie also nicht mehr von der Bank ins Spiel kommen. Ihr Knie fühlt sich gut an?
Das Knie ist super. Ich glaube, im Nachhinein war es die richtige Entscheidung, es operieren zu lassen. Das Timing war nur leider blöd, weil es anders kam, als wir uns das vorgestellt hatten: Die Schwellung war noch so lange drin, dass ich die ersten zwei, drei Wochen danach total verloren habe. Aber ich hoffe jetzt, dass ich noch drei, vier Jahre spielen kann und mir das Knie über den Rest meiner Karriere keine Probleme mehr macht.

Die Mavericks sahen heute anders aus als zuletzt. Ihr Coach Rick Carlisle sagte vor dem Spiel, dass es gut sei, „Dirk wieder dabei zu haben, er steigert unseren Geist“. Was ist es, das Sie dem Team geben?
Erfahrung. Wichtige Körbe, normalerweise am Schluss.

Wie heute, als Sie drei Sekunden vor Spielende ausglichen: Die Heat führte 103:101, ehe Sie für die Mavericks trafen und es in die Verlängerung ging.
Ja, zum Beispiel. Ich gebe dem Team Sicherheit, und ich hoffe, dass ich in einer Woche wieder richtig anfangen kann und wir dann auch enge Spiele für uns entscheiden können. Wir waren oft dran, haben nun aber schon sechsmal in Overtime verloren. Das tut weh.

Glauben Sie, dass Sie die Saison noch drehen können – in Richtung Playoffs? Die Mavericks haben derzeit 13:20 Siege und liegen auf Rang zwölf der Western Conference. In die Playoffs kommen die ersten Acht.
Es wird schwer. Sehr schwer. Die sechs Spiele am Stück, die wir zuletzt verloren haben, haben uns schon ganz schön hinten rein geworfen. Vom achten Playoffplatz sind wir weit entfernt, aber aufgeben gibt es nicht in dieser Liga. Wir greifen jetzt im neuen Jahr neu an und schauen, was wir aus der Mannschaft noch herausholen können. Potenzial ist da. Unsere Neuen spielen immer besser, Collison hat sich eingelebt, Kaman auch, Mayo ist gut …

… O.J. Mayo, heute Ihr bester Werfer mit 30 Punkten.
Ich glaube schon, dass wir noch mal einen Run machen können, aber ob wir das tatsächlich schaffen, werden wir sehen. Aber wir müssen die wichtigen Spiele gewinnen, die Liga ist so nah zusammen, du darfst einfach in den entscheidenden Phasen keine groben Fehler machen – aber das haben wir bisher immer gemacht. Doch wenn wir mehr zusammenspielen, mehr Erfahrung miteinander haben, dann wird sich das ändern.

Was nehmen Sie aus Ihrer langen Pause mit?
Das war eine schwere Zeit, frustrierend teilweise, weil das Knie nicht so reagiert hat, wie ich mir das anfangs erhofft habe. Wie gesagt, anfangs sind Wochen verloren gegangen, und da war ich nicht gut drauf – der Spirit war ein bisschen unten. Aber es hat mir gezeigt, dass man ruhig bleiben muss, dass man nichts überstützen darf und es harte Arbeit braucht, um weiter zukommen.

Hatten Sie Zeit, die Liga anders zu verfolgen als sonst, Spiele der Gegner zu gucken, die in dieser Saison überraschen – wie die Los Angeles Clippers oder die Memphis Grizzlies, die in der Western Conference ganz weit vorn liegen?
Der Westen ist der Hammer! Ganz schwer. Da sind ja vier, fünf Mannschaften schon so was von gesetzt, dass wir die eh nicht mehr einholen können. Die Clippers spielen einen super Ball, Denver auch. San Antonio ist oben drin – und ich schätze, die Lakers …

… eigentlich die Nummer Eins in Los Angeles, die derzeit aber nur knapp vor Ihnen liegen …
… die werden in der zweiten Hälfte der Saison auch noch mal kommen. Es wird ein Kampf bis zum Schluss. Aber wir müssen jetzt im neuen Jahr Spiele gewinnen – und dann muss jeder von uns über das All-Star-Game im Februar ein bisschen Abstand bekommen. Damit wir uns verbessern, den richtigen Wurf finden – da führt kein Weg dran vorbei. Aber ich bin optimistisch, dass das klappt. Wir sind vielleicht nicht so talentiert wie die anderen Teams, aber ich mag, was wir machen: Wir arbeiten an uns und bewegen uns voran.

Das Gespräch führte Ulrike von Bülow.

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