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23. März 2012

Doping: "Das war flegelhaft"

Fassungslos:Prof. Fritz Sörgel.  Foto: dpa/karmann

Prof. Fritz Sörgel blickt im Interview auf einen denkwürdigen Auftritt im Sportausschuss des Bundestages und das ungebührliche Benehmen mancher Politiker zurück . "Die haben zum Teil nicht mal zugehört und während meiner Ausführungen geredet."

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Der Pharmakologe Prof. Fritz Sörgel war am Mittwoch vor den Sportausschuss des Bundestages als Sachverständiger geladen. Er hat zum Fall des Erfurter Mediziners Andreas Franke Stellung genommen, der Athleten Blut entnahm und mit UV-Licht bestrahlte. Das Verhalten einzelner Abgeordneter ließ Sörgel fassungslos zurück.

Herr Sörgel, was war so verstörend?

Die Art, wie wir Gutachter von einzelnen Abgeordneten diffamiert und als parteiisch hingestellt worden sind. Das betraf ja auch Herrn Engelbrecht (Georg Engelbrecht, Anwalt und Sportrechtsexperte, d. Red.), nur weil er dargestellt hat, wie ähnliche Fälle am internationalen Sportgerichtshof Cas entschieden wurden. Man hat sich gefragt, warum wir überhaupt dort waren.

Wer hat Sie denn eingeladen?

Die Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag von der SPD. Die Abgeordneten von CDU/CSU und FDP konnten es auch schlecht gewesen sein.

Warum?

Diese Gruppe von Abgeordneten scheint nicht das geringste Interesse am Antidoping-Kampf zu haben. Es war ganz eindeutig, dass sie den Fall Erfurt vom Tisch haben will, ohne dass es zu Sanktionen kommt. Aber für das Verfahren ist ja Gott sei Dank nicht der Sportausschuss zuständig, sondern das Sportschiedsgericht.

Der CDU-Abgeordnete Klaus Riegert soll Sie als Apotheker tituliert haben.

Der Schlimmste war in der Tat dieser Herr Riegert. Er scheint bewusst nach Dingen gesucht zu haben, mit denen er mich beleidigen kann. Jetzt weiß ich, warum die Sitzungen des Sportausschusses unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

War das Benehmen ungebührlich?

Sie können ruhig flegelhaft sagen. Unfassbar, dass sich einzelne Ausschussmitglieder so unsachlich und unflätig benehmen. Da waren junge Bundestagspraktikanten im Saal. Die werden sich ein schönes Bild gemacht haben.

Fand keine Diskussion statt?

Von der Seite Riegert und Gienger (Eberhard Gienger/CDU) kam kein Argument. Die haben zum Teil nicht mal zugehört und während meiner Ausführungen geredet.

Was haben Sie ausgeführt?

Die Fakten, die sich nicht beiseite wischen lassen, auch wenn das einige gern täten. Das stärkste Argument ist für mich, dass die UV-Bestrahlung auf dem Formular notiert werden müsste, das die Athleten bei einer Dopingkontrolle ausfüllen. Da schreiben die ja auch sonst alles drauf, bis hin zur kleinsten Kalzium- oder Magnesium-Tablette.

Das haben sie nicht getan?

Erstaunlich, nicht wahr? Da öffnet jemand meine Blutbahn, entnimmt Blut, bestrahlt es und infundiert es zurück – und ich halte das für nicht so wichtig. Für eine solche medizinische Methode müssen sie übrigens eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Auf diesem Punkt ist Herr Gienger herumgeritten.

Was hat er gesagt?

Er hat so getan, als sei die Methode des Blutinfundierens mit der Behandlung einer Zerrung zu vergleichen, bei der man ein Gel auf die lädierte Stelle reibt. Das Infundieren von Eigenblut geht allerdings weit über eine solche medizinische Grundversorgung hinaus.

Weil es leistungssteigernd ist?

Es geht nicht darum, ob ein Verfahren leistungssteigernd ist, sondern ob es gegen den Wada-Code verstößt (Verbotsliste der Welt-Antidoping-Agentur, d. Red.). Und das tut es.

Das Gespräch führte Christian Schwager.

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