Aktuell: Paralympics 2016 in Rio | Sport A-Z | Fußball-News | Eintracht Frankfurt | Blog-G
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Sport
Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker

15. Januar 2012

Doping: Abwarten und herunterspielen

 Von Grit Hartmann
Im Fokus der Ermittler: Eisschnellläufer, aber zudem auch Radsportler und Leichtathleten.  Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Der Erfurter Dopingskandal bringt nicht nur Athleten, Ärzte und Funktionäre in Bedrängnis - sondern auch die Nationale Antidoping-Agentur.

Drucken per Mail

Die Affäre sorgt im deutschen Spitzensport derzeit für helle Aufregung: Es geht um den Verdacht auf Blutdoping bei Topathleten aus mehreren Sportarten, ausgehend vom Zentrum des Fördersystems, von einem Olympiastützpunkt (OSP). Auslöser ist ein laufendes Ermittlungsverfahren der Erfurter Staatsanwaltschaft gegen einen Mediziner. Der Doktor war Vertragsarzt am OSP Thüringen. Er galt als Koryphäe; nicht nur Sportler aus Erfurt pilgerten zu ihm. Und er soll jahrelang ihr Blut manipuliert haben.

Doch die Nationale Antidoping-Agentur (Nada) hält sich bedeckt. Nur wenig gibt sie preis zur Frage, wie sie sportrechtlich umgeht mit der Strafsache gegen den Arzt: Die Nada sei „frühzeitig über das grundsätzliche Vorgehen der Staatsanwaltschaft informiert“ gewesen und habe zudem „eigene Ermittlungen angestellt“. Ein Disziplinar-, sprich: Dopingverfahren laufe bereits.

Dritter und letzter Satz der offiziellen Antwort an anfragende Medien: „In anderen Fällen prüfen wir dies.“


Berichte aus allen Sportarten und Fußball-Liveticker -
auch unterwegs auf dem Laufenden mit „FR News“.
Unsere beliebte App für iPhone und Android-Smartphones.

UV-Bestrahlung des Blutes

Dass die Nada sonderlich energisch prüft, darf bezweifelt werden. Die Agentur ist nämlich nicht bloß „über das grundsätzliche Vorgehen“ der Thüringer Ermittler informiert. Hannes Grünseisen, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt, sagt: „Die Nada hat bei uns vollumfänglich Akteneinsicht in das Verfahren gegen den Mediziner genommen.“ Und in den Akten findet sich nach Informationen dieser Zeitung mindestens ein zweiter glasklarer Dopingverstoß. Er ist so unmissverständlich, dass sich die Frage aufdrängt: Was genau prüft die Nada eigentlich und wie lange braucht sie noch dafür?

Das Verfahren gegen den Arzt war noch von der Doping-Schwerpunktstaatsanwaltschaft München I eingeleitet und schon Ende 2010 nach Erfurt abgegeben worden. Sie stieß bei den Ermittlungen gegen unbekannt im Fall Claudia Pechstein auf die Umtriebe des Mediziners. Die Münchner stellten bekanntlich ihr Verfahren im vorigen Sommer ein. Da ermittelten die Erfurter Kollegen längst mit Hochdruck gegen den Arzt, der für den Olympiastützpunkt Eisschnellläufer, Radsportler und Leichtathleten betreute.

Im April 2011 marschierten sie mit einem Durchsuchungsbefehl in der Praxis des Arztes und im Olympiastützpunkt am Steigerwald ein.

Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz, lautet der Vorwurf. Der Doktor soll eine Methode praktiziert haben, die nach dem Kodex der Welt-Antidoping-Agentur als Doping gilt: UV-Bestrahlung des Blutes. Dafür wird Blut entnommen, bestrahlt und wieder injiziert. Angeblich verbessert dies den Sauerstofftransport.

Entlarvendes Telefonat

Nach Informationen dieser Zeitung wurden in der Arztpraxis verräterische Computerdateien beschlagnahmt. Sie dokumentieren zum Beispiel, dass ein Topathlet schon im Jahr 2005 den Blut-Service in Anspruch nahm. Auch ein aufgezeichnetes Telefonat, schon von den Münchnern zu den Akten gegeben, entlarvt angeblich diesen Sportler: In dem empfiehlt er die Spezialität des Erfurter Doktors einem anderen Athleten. Der äußert Bedenken, fragt, ob das nicht Doping sei. Antwort des Tippgebers: UV-Bestrahlung sei doch nicht nachweisbar. Eindeutiger kann ein Höchstleister kaum formulieren, dass er dopt und sich dessen bewusst ist.

1 von 2
Nächste Seite »

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker.

Kommentar

Mieses Geschäft

Von  |
Hat unvorsichtig geplaudert: Englands Nationaltrainer Sam Allardyce.

Der Fall Allardyce zeigt, wie korrumpierbar selbst gut verdienende Manager der Premier League oder beim Verband sind, die Millionen von Pfund im Jahr scheffeln. Und er ist kein Einzelfall. Ein Kommentar. Mehr...

Fußball-Nachrichten

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

Anzeige

Aus den Sportarten
Für Sportler in Not

Die Hilfsaktion der FR-Sportredaktion unterstützt arme, kranke und behinderte Sportler, die unverschuldet in Not geraten sind.