Aktuell: Paralympics 2016 in Rio | Sport A-Z | Fußball-News | Eintracht Frankfurt | Blog-G
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Sport
Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker

17. Juli 2012

Doping: Persilscheine aus Bonn

 Von Grit Hartmann
Auch ein Blutbestrahler: Tourradler Rémy de Gregorio.  Foto: getty images

Bayern legt einen neuen Entwurf für ein Antidoping-Gesetz vor. Es bestehen Zweifel an den Ermittlungen der Nationalen-Doping-Agentur "Nada", die im Eiltempo das Olympiateam untersuchte.

Drucken per Mail

Eine bessere Werbung als das Agieren der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) könnten sich Bayerns Justizministerin Beate Merk und Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, kaum wünschen für ihren Auftritt an diesem Mittwoch. In München stellen die CSU-Politikerin und der Sportfunktionär einen, wie es heißt, „aktualisierten“ Entwurf für ein Gesetz zur Bekämpfung des Dopings im Sport vor. „Die Abarbeitung der Erfurter Blutbestrahlungen bietet sicher Anlass für Hinweise, warum wir neue Wege einschlagen müssen“, sagt Prokop.

Der ursprüngliche Gesetzentwurf von 2009 enthält den Straftatbestand Sportbetrug. Staatsanwälte könnten dann auch gegen Athleten ermitteln – politische Mehrheiten verhinderte bisher der Sport. Gebetsmühlenartig intoniert DOSB-Präsident Thomas Bach die Formel von der „bewährten“ Arbeitsteilung: Der Staat ermittelt, der Sport bestraft die Doper.

Staat ermittelt, Sport bestraft


Berichte aus allen Sportarten und Fußball-Liveticker -
auch unterwegs auf dem Laufenden mit „FR News“.
Unsere beliebte App für iPhone und Android-Smartphones.

Eingedenk der Freisprüche für den Mediziner Andreas Franke und eine erste Athletin – objektiv Doping, aber ohne Schuld – klingt das bedenklich nach Selbsttherapie. Da kann Merk nur stören: „Die Staatsanwälte“, resümierte sie, „sind machtlos.“ In München werkelt seit drei Jahren eine auf Doping spezialisierte Ermittlertruppe, im Spitzensport mit eher mäßigem Erfolg.

Und die Ermittler aus dem Sport? Wie die Nada gerade im Eiltempo für ein unbeflecktes deutsches Olympiateam sorgte, ist aufschlussreich. Clemens Prokop, im Hauptberuf Jurist, glaubt sogar: „Die Nada könnte gegen den Nada-Code verstoßen haben.“ Nach nicht einmal vier Wochen legte sie nämlich ihre Ermittlungen gegen eine Radsportlerin zu den Akten, die in London Medaillen sammeln soll. Ihr Blut wurde laut Frankes Patientenkartei 2010 bestrahlt; die Nada erteilte trotzdem einen Persilschein für London. Zu ermitteln begann sie erst später, nachdem David Howman, der Generaldirektor der Welt-Antidopingagentur, das angemahnt hatte. Die rasche Bereinigung der Sache erklärt die Nada so: „Der Athletin konnte nicht nachgewiesen werden, dass sie die Blutbehandlung überhaupt in Anspruch genommen hat.“ Im Klartext: Sie behauptete das Gegenteil, die Nada hielt das für glaubhafter als die Ermittlungen der Staatsanwälte. Und weiter: „Erkenntnisse aus den staatsanwaltlichen Akten sind in einem Schiedsverfahren gegen eine andere Person aufgrund der nationalen Gesetzeslage nicht ohne weiteres nutzbar.“ Auf Nachfrage argumentiert die Nada mit dem Allerheiligsten: Gegen die Verwertbarkeit stünden „die verfassungsrechtlich geschützten Grundrechte“.

Träfe das zu, müsste der DOSB jetzt gewaltig ins Schwitzen kommen. Wie soll dann die Arbeitsteilung zwischen Staat und Sport überhaupt funktionieren? Nicht einmal Prokop glaubt das: „Die Position der Nada ist juristisch nicht haltbar.“ Sei das Blut der Athletin laut Krankenunterlagen und Abrechnungen manipuliert worden, „begründet dies einen erheblichen Tatverdacht, der nach dem Nada-Code zur Klageerhebung verpflichten würde“.

In Frankreich strafbar

Der Vorgang zeigt mehr als das gesetzgeberische Dilemma, in dem die deutsche Dopingbekämpfung seit langem kreiselt. Für Prokop ist die Bonner Stiftung über die Schmerzgrenze gegangen: „Faktisch ist das ein Rückschritt um Jahrzehnte.“ Gewissermaßen in die Steinzeit, als ein Verstoß nur dann verfolgt wurde, wenn eine positive Probe oder ein Geständnis vorlag.

Nicht ausgeschlossen ist, dass bei der Vorstellung des neuen Gesetzentwurfs aus Bayern auf einen Fall in Frankreich verwiesen wird, wo seit langem ein Antidoping-Gesetz für wahrnehmbaren Verfolgungsdruck sorgt: auf die Verhaftung von Cofidis-Profi Rémy di Gregorio bei der Tour. Um sich aus der Haft freizukaufen, mussten di Gregorio und sein Arzt fünfstellige Kautionssummen hinterlegen. Der aktuelle Vorwurf: verbotene Blutbestrahlungen.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker.

Kommentar Bayern München

Guardiolas Erbe

Von Jakob Böllhoff |
Glücklich sieht anders aus: Carlo Ancelotti in Madrid.

Der Deutsche Meister hat wieder bei Atlético verloren, und es drängt sich die Frage auf: Was genau machen die Bayern da eigentlich? Ein Kommentar  Mehr...

Fußball-Nachrichten

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

Anzeige

Aus den Sportarten
Für Sportler in Not

Die Hilfsaktion der FR-Sportredaktion unterstützt arme, kranke und behinderte Sportler, die unverschuldet in Not geraten sind.