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08. Dezember 2014

DOSB: Harmonisches Mittelmaß im DOSB

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Der dreifache Chef: Alfons Hörmann reformiert den DOSB, kämpft um den Breitensport und um Olympische Spiele.  Foto: dpa

Bundesinnenminister Thomas de Maizière ist in Dresden der Einzige, der der deutschen Sportführung auch mal widerspricht.

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Ob es an der vorweihnachtlichen Stimmung lag, die von der beeindruckenden, nahen barocken Altstadt herüber ans Elbufer wehte oder an der Vorahnung, dass außerhalb des futuristischen Dresdner Congresszentrums der Baum dennoch in Brand geraten könnte, lässt sich so leicht nicht beantworten. Jedenfalls kuschelten die 456 Spitzenfunktionäre am Nikolaustag im großen Saal so schön zusammen, dass die Harmoniesucht bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an Parteitage von Alt-Kommunisten erinnerte. Dabei steckt in dem einen oder anderen der 22 von den Repräsentanten so freundlich abgesegneten Tagesordnungspunkte durchaus Brisanz. Da ist zuallererst die Olympiabewerbung 2024, die per Akklamation und ohne jegliche Diskussion abgesegnet wurde. Am 21. März nächsten Jahres entscheidet in der Frankfurter Paulskirche eine außerordentliche DOSB-Mitgliederversammlung, ob Hamburg oder Berlin ins Rennen um Olympische Spiele und die Paralympics geht. Das Präsidium gibt fünf Tage zuvor eine Empfehlung ab. Schlechte Karten wird derjenige Kandidat haben, der es nicht schafft, eine deutliche Mehrheit seiner Bürger zu Olymp-JA zu bekommen.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann, der vor einem Jahr den zum IOC-Präsidenten gewählten Thomas Bach abgelöst hatte, durfte sich ohne Aussprache über hundertprozentige Zustimmung zu seiner Wiederwahl für die nächsten vier Jahre freuen. Fast schon aufmüpfig jene sechs Delegierten, die mittels Enthaltung dem neuen DOSB-Vizepräsidenten Leistungssport, Ole Bischof, die Gefolgschaft ein klein bisschen verweigerten.

Reform des Leistungssports, umkrempeln der hauptamtlichen Führung des DOSB, Antidoping-Gesetz, Finanzbericht, einschließlich der Erklärungen zur bis kurz vor der Mitgliederversammlung noch umstrittenen Mittelvergabe der Stiftung Deutscher Sport – alles in größter Harmonie per Handzeichen abgenickt.


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"Breite ist nicht alles"

Nach Ansicht von Hörmann und seinem vom Generaldirektor zum Vorstandsvorsitzenden der hauptamtlichen DOSB-Führung beförderten Lenkers, Michael Vesper, ist das keineswegs Ausdruck mangelnder Diskussions- und Streitkultur, vielmehr Ergebnis „professioneller Vorbereitung“. In den Tagen zuvor seien in vielen Sitzungen und Diskussionsrunden die Weichen gestellt worden.

Einzig der aus Berlin angereiste Bundesinnenminister schwang in seiner beeindruckend klaren Rede ein wenig die Rute des Knecht Ruprecht. Thomas de Maizière hat den deutschen Spitzensport vor einem Absturz ins Mittelmaß gewarnt. Der CDU-Politiker sieht den Leistungssport bereits am „Scheideweg“, der nach seiner Ansicht schon in diese Richtung zeigt. „Das Mittelmaß wird verdeckt durch einige großartige Spitzensportler, die das ein bisschen kaschieren.“ De Maizière forderte den DOSB auf, mit einer mutigen Reform der Spitzensportförderung gegenzusteuern: „Deutschland gehört in die Weltspitze.“

Der Aufforderung will sich Hörmann keineswegs verschließen, wohlwissend, dass des Ministers Satz, „Breite ist nicht alles. Breite heißt nicht, dass alle gleich behandelt werden“, die eine oder andere Sportart noch schmerzhaft treffen könnte. Immerhin hat der Haushaltsausschuss des Bundestages als „Ansporn“ und „Ermutigung“ 15 Millionen Euro auf die rund 150 Millionen Euro hohe Sportförderung des Bundes draufgepackt.

Überdosis Sport

Ein Kommentar von Jürgen Ahäuser

Sport-Deutschland kann Olympische Spiele“, hat der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes in Dresden gerufen, und die Spitzenfunktionäre haben ihm in Dresden mit ihrer sprachlosen, einstimmigen Zustimmung erst einmal Recht gegeben. Dass das Land mit der stärksten Wirtschaftskraft Europas die Ausrichtung des größten Sportfestes der Welt stemmen kann, daran haben nur Berufs-Pessimisten Zweifel. Dass 52 Jahre nach den bis zum Terroranschlag ausgesprochen heiteren Spielen in München Deutschland wieder einmal dran wäre und ein vernünftig konzipiertes Olympia sowohl ökonomisch als auch emotional ein Gewinn für das Land sein kann, ist weitgehend Konsens zwischen Flensburg und Berchtesgaden.
Doch jenseits der wohl auch durch die beste Bewerbung kaum zu überzeugenden Anhänger der Bewegung NO-lympia, hat sich der deutsche Sport selbst einen gravierenden Stolperstein auf dem Weg zu den Spielen 2024 gelegt. Im Sommer in neuneinhalb Jahren sollen nämlich nicht nur Athletinnen und Athleten aus aller Welt um Gold, Silber und Bronze kämpfen, es soll auch Fußball auf allerhöchstem Niveau gespielt werden. Der Deutsche Fußball-Bund bewirbt sich um die Ausrichtung der Europameisterschaft 2024.
Im Juni/Juli in knapp zehn Jahren also EM-Gekicke landauf, landab und möglicherweise eine Woche nach dem Finale (in Berlin?) Einmarsch der Nationen ebenfalls in Berlin (oder Hamburg). Nun muss man das Szenario mit den genannten Sportstätten gar nicht so wörtlich nehmen, um bei so viel Leibesübungen in heimischen Arenen und auf dem heimischen Bildschirm zu der Erkenntnis zu kommen, dass das eine Überdosis Sport für dieses unser Land und seine Bürger sein wird.
Es ist bemerkenswert, mit welcher Leichtigkeit die beiden sportlichen Großprojekte (noch) allenthalben angeschoben werden und die Frage „Wer soll das bezahlen?“ bislang umdribbelt wird. Selbst auf relativ schmal getrimmte Sommerspiele werden Milliardensummen verschlingen, und um die eine oder andere Renovierungsmaßnahme unserer Fußballtempel werden wir auch nicht umhinkommen.
Immerhin tröstlich, dass sich eine deutsche EM und ein deutsches Olympia wahrscheinlich keinen Wichtigtuer-Wettlauf liefern werden. Der Fußball hält sich ohnehin für das Allergrößte, und die meisten IOC-Mitglieder, so hat DOSB-Präsident Hörmann gesagt, wüssten gar nicht, dass es kontinentale Fußballmeisterschaften gibt. Und falls es bei Olympia 2024 nicht klappt, gibt es ja die Option, es 2028 wieder zu versuchen.

Nicht mit sich reden lassen will de Maizière bei dem von seinem Ministerium und dem Justizminister eingebrachten Entwurf zu einem Antidoping-Gesetz. „Der Entwurf ist gut, hart, klar und kurz“, sagte er. Kritikern aus der DOSB-Führung, die wie Vesper fürchten, dass die Sportgerichtsbarkeit ihrer unmittelbaren Sanktionen beraubt wird, wenn auch ordentliche Gerichte über Dopinggebrauch und Besitz von Dopingmitteln urteilen, schrieb der Minister ins Stammbuch: „Es gibt seit zwei, drei Jahren keine neuen Argumente. Irgendwann muss man auch mal entscheiden.“ Mitte 2015 soll das Thema vom Tisch sein, auch wenn DOSB-Boss Hörmann nur davon sprach, dass der Sport das Gesetz in der Grundtendenz unterstütze.

Die Bundesregierung, so der Innenminister, unterstütze die Bewerbung um Olympische Spiele „mit voller Kraft“. De Maizière rief ganz Deutschland auf, die Bewerbung zu unterstützen. Rückenwind erhoffen sich sowohl das DOSB-Präsidium als auch die Regierung von den IOC-Reformen, die dem Gigantismus bei Olympia Einhalt gebieten sollen und damit für mehr Rückhalt in der Bevölkerung sorgen könnten.

DOSB-Chef Hörmann wandte sich in seiner Rede gegen eine Fokussierung der Spitzensportförderung allein auf „medaillenträchtige Sportverbände“. Der deutsche Sport müsse breit aufgestellt bleiben. Kein Verband werde fallen gelassen.

Mit philosophischem Pathos untermauerte Hörmann am Ende noch mal sein Credo, dass Sport-Deutschland die Spiele nicht nur haben will, sondern auch kann: „Wenn einer allein träumt, dann ist es nur ein Traum. Wenn viele träumen, ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit“, zitierte der Allgäuer den österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser. Dem muss nur noch zugestimmt werden.

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