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27. November 2012

Eintracht Frankfurt - Mainz 05: Wenn Meier Husten hätte

 Von Jan Christian Müller
Alex Meier (rechts) 2006 im Duell gegen den Mainzer Pekovic. Foto: dapd

Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel ist schon seit vielen Jahren ein ausgewiesener Fan des Frankfurters und sucht nach Wegen, ihn zu stoppen.

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Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel ist schon seit vielen Jahren ein ausgewiesener Fan des Frankfurters und sucht nach Wegen, ihn zu stoppen.

Mainz –  

Thomas Tuchel erinnert sich noch gut an den 4. Dezember 2010. Da traf der Trainer von Mainz 05 vor dem Spiel bei der Frankfurter Eintracht den Frankfurter Mittelfeldspieler Alexander Meier im Kabinengang und erfuhr, dass dieser nicht zur Startaufstellung der Eintracht gehören würde. Tuchel ließ den Profi wissen, dass er sehr glücklich darüber sei, ihn nicht im Spiel erleben zu müssen, weil er eine Eintracht ohne Meier als schlechtere Mannschaft wähnte als eine Eintracht mit Meier. Der wurde seinerzeit dann aber zur Pause für Halil Altintop eingewechselt, und die Eintracht machte aus dem 1:1-Halbzeitstand noch ein 2:1.

Mainz bleibt (in) Mainz

Die lediglich 3000 Mainzer Fans müssen damit rechnen, dass sie aus Sicherheitsgründen nach Spielschluss noch bis zu 45 Minuten in ihrem Block verharren müssen. Eine S-Bahn werde eigens auf sie warten, teilte Pressesprecher Tobias Sparwasser mit.
Dass das Gästekontingent nicht annähernd ausgereizt wurde, bedauert Trainer Thomas Tuchel: „Wir spüren jede Hundertschaft, die uns unterstützt.“ Manager Christian Heidel erklärt die
Zurückhaltung aufgrund der späten Anstoßzeit und möglichen Sicherheitsbedenken mit der zumeist familiären Struktur der Mainzer Fans.
Präsident Harald Strutz lobt die Frankfurter Fanszene: „Da ist mächtig Power und Herz für den Verein dahinter. Das ist schon bewundernswert.“

Tuchel "Fan von Meier"

Tuchel erzählte am Montag bei der Pressekonferenz von Mainz 05, dass er schon sehr lange ein „Fan von Alex Meier“ ist. Damals, in einer längst vergangenen Zeit, als Tuchel noch Jugendtrainer beim FC Augsburg war und in Mainz Männer wie Milorad Pekovic, Christoph Babatz und Fabian Gerber unter Jürgen Klopp im Mittelfeld spielten, gehörte Alex Meier bereits zum Establishment der Eintracht. Weil der Schlaks mit zunehmendem Alter immer besser geworden ist, werden die Mainzer ihm besondere Aufmerksamkeit schenken: „Er wird in unserem Video vorkommen“, berichtet Tuchel, denn: „Alex Meier hat wahrscheinlich eine der besten rechten Innenseiten der Liga“, Alex Meiers Kopfballstärke würde zudem von der Eintracht nur allzu gern genutzt, Alex Meier besitze auch die Fähigkeit, „sich zu orientieren und zu erkennen, wo sich freie Räume befinden, wenn der Ball noch zu ihm unterwegs ist“.

„Absolut konkurrenzfähig“

Am liebsten hätte der zweifache Familienvater Tuchel den guten Alex Meier dieser Tage mal zu sich nach Hause ins schöne Wiesbaden eingeladen. Denn daheim geht es der Frau und den beiden Töchtern gerade nicht so furchtbar gut, sie sind alle erkältet, und dann hätte Alex Meier sich bestimmt einen schönen Husten eingehandelt und wäre somit am Dienstagabend nicht im Vollbesitz seiner Kräfte gewesen. War natürlich nur ein Witz von Tuchel.
Das Füllhorn an Lob, das der Mainzer Trainer jedenfalls da über den Frankfurter Offensivmann ausschüttet, soll bitteschön aber nicht falsch interpretiert werden. „Wir fühlen uns absolut konkurrenzfähig mit der Eintracht, wir werden uns auch in keinster Weise von der Lautstärke im Stadion beeinflussen lassen.“ Das klingt kämpferischer, als Tuchel dabei im fensterlosen Presseraum in seiner grauen Strickjacke über dem grauen T-Shirt unter dem Kunstlicht aussah. Das 1:2 gegen Meister Dortmund vom Samstag hat Spuren hinterlassen, Perfektionist Tuchel hadert noch immer mit einzelnen Spielsituationen, die Mattigkeit ist unübersehbar, Montagmorgen begrenzte der Chefcoach das Training am Ball auf eine halbe Stunde, Sonntag mussten nur die Reservespieler auf den Platz, von Derbystimmung konnte bei Mainz 05 einen Tag vor dem Spiel keine Rede sein. „Aber die wird vor dem Spiel schon kommen“, müht sich Tuchel um einen kämpferischen Unterton.

Um bei der Anfahrt nicht unnötig in einen Stau auf den viel befahrenen Autobahnen zwischen Mainz und Frankfurt zu geraten, werden die Mainzer nach dem Anwärmen um elf Uhr morgens am heimischen Trainingsgelände in Frankfurt ein Tageshotel beziehen. Die derzeitige Stimmungslage der Rhein-Hessen ist dabei geprägt von Verärgerung darüber, dass sie bei vier der sechs Saisonniederlagen keineswegs die schlechtere Mannschaft gestellt hätten. Tuchel sagt tapfer, seine Spieler verspürten deshalb eher ein Gefühl der Wut denn eines der Verzweiflung. Man wird sehen.

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