Der Mainzer Vereinspräsident Harald Strutz ist bestens mit dem Frankfurter Kollegen Heribert Bruchhagen befreundet. Man sieht sich mindestens einmal im Monat im Ligavorstand, und hin und wieder gehen die Ehepaare Strutz und Bruchhagen sogar miteinander essen. Ein offizielles Treffen vor dem Derby zum besseren Kennenlernen war deshalb gar nicht nötig.
Die Kernaussage von Strutz vor dem Anpfiff, „es kommt darauf an, wer dieses Spiel annimmt“, sollte sich bewahrheiten. Wobei es aus Mainzer Sicht vor allem darauf ankommen sollte, wie gut das in einer Raute angeordnete defensive Mittelfeld die Frankfurter Schaltzentrale dicht bekommen würde. Julian Baumgartlinger, mit 24 nach dem aus dem Nichts aufgebotenen 19-jährigen Startelf-Debütanten Shawn Parker der Jüngste in der Mainzer Seniorenstartelf, Eugen Polanski, 26, und Elkin Soto, mit 32 nur knapp überm Altersschnitt der Null-Fünfer, brachten gemeinsam die Erfahrung von 13 Länderspielen für Österreich, 14 für Polen und zwölf Einsätzen für Kolumbien ins Spiel. Das half, die Ruhe zu bewahren.
Viele Mainzer Profis hatten am Montagabend als Vorbereitung der ganz eigenen Art noch die Show von Comedian Matze Knoop im Frankfurter Hof in Mainz verfolgt. Dann waren sie zwar eigens am nächsten Morgen schon nach Frankfurt angereist, um nicht in einen Stau zu geraten, nur, damit genau dieses Ärgernis sie auf der Fahrt von ihrer Herberge an der Kennedyallee dann doch ereilte und sie erst mit 20 minütiger Verspätung am Stadion ankamen. Dort überraschte Thomas Tuchel mit der Aufstellung des U20-Nationalspielers Parker, der zuvor in dieser Bundesligasaison nur drei Minuten beim Sieg gegen Hoffenheim mitgespielt hatte, immerhin in der Regionalliga in neun Spielen aber vier Tore erzielte.
Gut dabei
Kein Eintrag
Parker, dessen Vater ein in Wiesbaden stationierter US-Amerikaner ist, gilt nicht erst seit Dienstagabend als großes Talent. Da bereitete er das 1:0 durch Andreas Ivanschitz sehr gekonnt vor, ehe er das 2:0 nach Vorarbeit von Polanski höchstpersönlich besorgte. Schon im Sommer-Trainingslager in Österreich war der Teenager positiv durch auffällig gute Technik, starkes Spielverständnis, gepflegte Ballführung und Antrittsschnelligkeit aufgefallen. Mitunter, so hieß es bisher, gebe er sich aber mit zu wenig zu schnell schon zufrieden und beteilige sich nicht mit letzter Hingabe an der Defensivarbeit. Weder vom einen, noch vom anderen konnte in Frankfurt die Rede sein. Shawn Parker, dessen drei Jahre jüngerer Bruder Devante ebenfalls als herausragend talentiert gilt und Junioren-Nationalspieler des starken Mainzer 96er Jahrgangs ist, traf sogar noch einmal die Latte. Er war der Matchwinner. Tuchel sagte nach dem Spiel: „Wir wollten ihn schon mal gegen Werder ausprobieren, aber jetzt war es an der Zeit. Wir mussten das unbedingt tun. Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht.“
Es passte zum glücklichen Abend aus Mainzer Sicht, dass Innenverteidiger Nikolce Noveski diesmal ins richtige Tor traf, wuchtig per Kopf zum 3:0, ehe Parkers Sturmpartner Adam Szalai ein Eigentor unterlief, das noch einmal einiges Zittern brachte. Der stolze Parker erlebte das die letzten 25 Minuten erschöpft auf der Bank mit.
Mainz besiegt die Eintracht im Lokalduell mit 3:1 vor 47800 Zuschauern in der WM-Arena. Während die Mainzer im Spiel zu Hochform auflaufen, finden die Frankfurter nicht ins Spiel und verlieren nicht unverdient.
Foto: dpa
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