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20. Mai 2010

Eishockey-WM: Deutsche sorgen für eiskalte Sensation

 Von Christian Oeynhausen und Reinhard Sogl
Ein Tor reicht: Philip Gogulla trifft zum 1:0 gegen Torwart Martin Gerber. Foto: dpa

Mit einem 1:0 gegen die Schweiz zieht die Eishockey Nationalmannschaft ins Halbfinale der Weltmeisterschaft ein - und trifft am Samstag auf Titelverteidiger Russland. Von C. Oeynhausen und R. Sogl

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Mannheim. Sie ist tatsächlich eingetroffen, die noch fehlende Jahreszeit deutscher Gastgeberherrlichkeit. Nach dem Sommermärchen der Fußballer, dem Herbstmärchen der Hockeyspieler und dem Wintermärchen der Handballer haben die deutschen Eishockeyspieler für das als unmöglich gehaltene Frühlingsmärchen gesorgt.

Nach einem verdienten 1:0 (0:0, 1:0, 0:0)-Sieg im Viertelfinale in Mannheim gegen den Erzrivalen Schweiz steht die Mannschaft von Bundestrainer Uwe Krupp tatsächlich erstmals überhaupt bei einer Weltmeisterschaft in der Runde der letzten Vier. Lohn für eine auch im siebten Spiel erneut starke Vorstellung ist die Ehre, dem designierten Weltmeister Russland am Samstag (18.00 Uhr) in Köln im Weg zu stehen.

Der Titelverteidiger ließ sich auch von Olympiasieger Kanada nicht aufhalten und gewann die Vancouver-Revanche 5:2. Im zweiten Halbfinalspiel stehen sich am Samstag in der Kölner Arena die Mannschaften von Schweden und Tschechien (14.00) gegenüber.

Als der größte Erfolg des deutschen Eishockeys seit der olympischen Bronzemedaille von 1976 feststand, brachen alle Dämme. In gelb-schwarz gekleidete Menschenleiber lagen sich in den Armen, und die Halle stand Kopf. Es war der perfekte Abschluss des WM-Turniers in der Außenstelle Mannheim.

Lautstarke Unterstützung

Zumindest ein Drittel lang hatte es danach nicht unbedingt ausgesehen. Die Eidgenossen waren mit der klaren Absicht ins Spiel gegangen, den Heimvorteil der Deutschen zu minimieren. Und hätten sich die Gäste im ersten Drittel nicht selbst geschwächt durch zwei Strafzeiten, wäre es ihnen auch fast die gesamten 20 Minuten über gelungen, die große Mehrheit unter den 12.500 Zuschauern weitgehend ruhig zu stellen.

Doch auch die kurzzeitige lautstarke Unterstützung schon nach zweieinhalb Minuten Spielzeit half den Deutschen nicht, in Überzahl den Abwehrriegel des Erzrivalen zu knacken. So wenig, wie bei dem fünfminütigen Powerplay zum Ende des ersten Abschnitts, nachdem Martin Pluss den deutschen Verteidiger Christian Ehrhoff mit einem Stockstich niedergestreckt hatte und für dieses üble Vergehen in die Kabine musste.

In beiden Überzahlsituationen zeigte sich, warum das deutsche Team die schlechteste Powerplaybilanz aller 16 WM-Mannschaften aufweist und warum die Schweiz die Tabelle in Sachen Penaltykilling anführt. Bis dato hatte die Auswahl von Sean Simpson noch keinen Gegentreffer kassiert, wenn sie mit einem Mann weniger agieren musste. Es dauerte, bis der entscheidende Treffer fiel.

Es war zum einen dem Glück und Geschick des deutschen Torhüters Dennis Endras geschuldet, durch dessen Schoner während einer Drangphase der Schweizer der Puck in der 25. Minute durchrutschte, aber eben auch am Pfosten vorbei. Und zum anderen an Philip Gogulla, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort auftauchte.

Nach einem Schuss von Kai Hospelt, den der vorzügliche frühere NHL-Torhüter Martin Gerber nach vorne abprallen lassen musste, schlenzte der frei stehende Stürmer von den Portland Pirates die Scheibe in den rechten Winkel.

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