Aktuell: Olympische Spiele | Sport A-Z | Fußball-News | Eintracht Frankfurt | Blog-G
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Sport
Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker

10. Juni 2013

EM-Aus der U21: Eine Lehrstunde der Spanier

 Von 
Wie man sich auch streckt, hier der Frankfurter Sebastian Rode - Isco (links) ist schneller.  Foto: afp

Was Trainer Adrion auch im EM-Spiel gegen Spanien probiert - es geht schief. Die deutschen U21-Spieler erhalten in Tel Aviv eine Lehrstunde in Sachen Technik, Passgenauigkeit, Tempofußball. Kurz: eine Warnung, die Qualität deutschen Fußballs nicht zu überschätzen.

Drucken per Mail

Was Rainer Adrion auch probierte – es ging schief. Der Trainer der U21 wechselte erst Pierre-Michel Lasogga von Hertha BSC ein, dann Emre Can von Bayern München und schließlich Antonio Rüdiger vom VfB Stuttgart. Mit dem Ergebnis, dass die zuvor schon heillos unterlegene deutsche Mannschaft vom spanischen Nachwuchs noch beliebiger hergespielt wurde als zuvor. Auch Lasogga, Can und Rüdiger wussten gar nicht, wo ihnen Kopf und Füße stehen gegen Irrwische, die die Verhältnisse im europäischen Fußball am Sonntagabend wieder gerade rückten: Nicht in Deutschland, wie voreilig nach der vom FC Bayern und Borussia Dortmund dominierten Champions League angenommen, wird die Zukunft des modernen Spitzenfußballs in Formvollendung präsentiert, sondern nach wie vor auf der Schablone des beim FC Barcelona entwickelten hochveredelten Tika-Taka-Systems.

0:15 Torschüsse aus deutscher Sicht allein in der zweiten Halbzeit drückten in Tel Aviv die nahezu beispiellose Unterlegenheit viel realistischer aus als die 0:1-Niederlage durch ein spätes Tor des eingewechselten Alvaro Morata von Real Madrid, der zuvor Rüdiger enteilt war. Nach dem 2:3 gegen die Niederlande in der Auftaktpartie bedeutete die zweite Niederlage im zweiten Spiel das vorzeitige Aus des DFB-Teams bei der U21-EM in Israel.

Spanien auf unerreichbarem Niveau

„Mit etwas Glück hätte es auch anders ausgehen können. Am Ende hat uns nur wenig gefehlt, dann hätten wir Mittwoch ein entscheidendes Spiel gegen Russland“, sagte Trainer Rainer Adrion, der seinen noch ein Jahr gültigen Vertrag erfüllen will, in völliger Ausblendung der Realität. Denn die Wahrheit ist: Mit etwas Pech hätte Deutschland auch 0:4, 0:5 oder 0:6 verlieren können. Koke von Atletico Madrid, Thiago Alcantara vom FC Barcelona, dessen Klubkamerad Tello, vor allem aber der unfassbar gute Isco vom FC Malaga spielten auf einem Niveau, das bei den Deutschen weder die gegen die Niederlande noch starken Lewis Holtby (Tottenham), Kevin Volland (Hoffenheim) noch der Frankfurter Sebastian Rode auch nur annähernd erreichten.

#gallery

Es war eine Lehrstunde in Sachen Technik, Passgenauigkeit, Tempofußball und Handlungsschnelligkeit, der den Verantwortlichen in DFB, DFL und Klubs eine Warnung sein sollte, die Qualität der Bundesliga im allgemeinen Hype um Bayern München und den BVB nicht zu überschätzen. Denn wahr ist ja auch, dass hinter den vom Franzosen Ribéry und vom Niederländer Robben geprägten Münchnern und den vom Polen Lewandowski angeführten Dortmundern in der Bundesliga eine beängstigende Kluft erkennbar ist, die sicher nicht geringer wird, wenn Spieler wie Emre Can, Jan Kirchhoff oder künftig wohl auch Sebastian Rode den Konkurrenten verlustig gehen und stattdessen bei den Bayern mutmaßlich bestenfalls Nebenrollen spielen.

Heimarbeit reicht nicht

Wenn Adrion hinterher wie paralysiert feststellt, die Mannschaft habe „vom Willen und vom Teamgeist her alles gegeben“, dann zeigt das nur umso mehr, dass die technisch-taktische Ausbildung, wiewohl sie sich hierzulande bereits auf einem hohen Niveau befindet, dringend weiter verfeinert werden muss. Die Einrichtung eines zentralen Fußball-Kompetenzzentrums, wie von Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und dem Ex-Sportdirektor Robin Dutt gegen manche Widerstände vorangetrieben, bekommt vor diesem Hintergrund neue Aktualität. Es soll in Frankfurt unweit der DFB-Zentrale gebaut werden. Aber damit ist es natürlich nicht getan: Es muss mit Leben und Leuten und intellektuellem Austausch gefüllt werden. Dass die DFB-Nachwuchstrainer ihre Arbeit – ebenso wie Adrion, Bierhoff, Bundestrainer Joachim Löw dessen Assistent Hansi Flick, Torwarttrainer Andreas Köpke und Chefscout Urs Siegenthaler – zu einem erklecklichen Teil von zu Hause absolvieren, kann kein Zukunftsmodell sein. Auch der neue Sportdirektor sollte nicht, wie vormals Sammer und Dutt, große Teile der Strategien per Homeoffice entwickeln.

In der Deutschen Fußball Liga hätte man es lieber gesehen, wenn die deutsche Mannschaft mit den Besten ihrer Jahrgänge nach Israel geflogen wäre. Spielberechtigt für die U21 wären auch Julian Draxler und André Schürrle gewesen, die auf eine sportlich überflüssigen US-Reise mit dem A-Team aufbrechen mussten. Auch Ilkay Gündogan sowie die verletzten Mario Götze und Toni Kroos waren noch jung genug, um in der U21 zu spielen.

Nach Absprache mit Löw hatte Adrion vor vorne herein auf das Quintett verzichtet, was nachvollziehbar erschien, da er mit der U21 auch so souverän durch die Qualifikation marschiert war und der Mannschaft der Lohn für die Mühen nicht vorenthalten werden sollte. Gegen Kaliber wie den zu vermutenden künftigen Weltstar Isco, der vor einem Wechsel zu Real Madrid steht, erwies sich diese Strategie nun als naiv. Europameisterschaften sind nämlich nicht als Lehrstunden gedacht. Auch nicht bei der U 21.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker.

Kommentar

Global Player gesucht

Von  |
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

Top-Manager Christian Seifert hat die Vermarktung der Bundesliga professionell aus Deutschland heraus in die ganze Welt getragen. Doch sie braucht dringend mehr Global Player. Ein Kommentar. Mehr...

Fußball-Nachrichten

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

Anzeige

Aus den Sportarten
Für Sportler in Not

Die Hilfsaktion der FR-Sportredaktion unterstützt arme, kranke und behinderte Sportler, die unverschuldet in Not geraten sind.