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10. August 2010

EM-Erfolg: Im Fahrwasser der Olympiasiegerin

 Von Petra Szag
Lisa Vitting und Silke Lippok im Vorlauf der 4x100-Meter-Freistilstaffel. Foto: dpa

Auch ohne Britta Steffen ist die DSV-Staffel Gold wert: Auf den 4x100-Metern im Freistil ließen die deutschen Schwimmerinnen alle anderen Quartette hinter sich.

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Auch ohne Britta Steffen ist die DSV-Staffel Gold wert: Auf den 4x100-Metern im Freistil ließen die deutschen Schwimmerinnen alle anderen Quartette hinter sich.

Jaaaaaaaaaaa! Was könnte besser die ausgelassene Freude ausdrücken als dieses eine, eigens für den Kameramann in höchsten Tönen lang gezogene Wort aus vier Kehlen gleichzeitig? Daniela Samulski und Lisa Vitting strahlten um die Wette. Die sonst meist unterkühlt wirkende Daniela Schreiber herzte und küsste immer wieder ihre Goldmedaille, und Nesthäkchen Silke Lippok gab wie ein Profi Interviews.

Eine freute sich still über den Europameisterschaftstitel der deutschen Kraul-Sprintstaffel in Budapest: Britta Steffen, die sich diesmal wegen Trainingsrückstandes nach diversen Erkrankungen nur als Fachkommentatorin eines Fernsehsenders einbrachte. „Ich freue mich mehr über die gute Nachwuchsarbeit bei uns, als dass ich traurig darüber bin, nicht mitschwimmen zu können“, sagte die Olympiasiegerin. Der Teamerfolg habe sie nicht überrascht. „Bei der deutschen Meisterschaft wurde gesagt, dass wir ohne eine Britta Steffen in der Staffel Gold nicht gewinnen können. Jetzt haben die Mädchen das Gegenteil bewiesen. Das war ein gutes Rennen von allen vieren.“

Auch für sie war Budapest ein gutes Pflaster. Ihr Stern ging dort 2006 mit EM-Siegen über 50 und 100 Meter Freistil − in damaliger Weltrekordzeit von 53,30 Sekunden − und einem Löwenanteil an den Staffelerfolgen über 4x100 und 4x200 Meter Freistil auf.

Hat sie schon ihre Nachfolgerin gesehen? Vor allem die zehn Jahre jüngere Lippok hat der 26-jährigen Steffen gut gefallen. „Sie ist sehr kopfstark, talentiert und hat nicht umsonst den Altersklassenrekord einer Franziska van Almsick gebrochen.“ Über 200 Meter Freistil schwimmt die Pforzheimerin jetzt schon schneller als Steffen. „Der Druck ist größer bei den Erwachsenen, und ich habe auch einen gewissen Respekt vor meinen Gegnerinnen. Aber Angst? Nein, überhaupt nicht“, sagte Lippok keck. Für die Einzelentscheidung am Samstag über 200 Meter wird die 16-Jährige sogar als Geheimfavoritin gehandelt.

Auch Dirk Lange traut Lippok einiges zu. „Ich staune über ihre Unbekümmertheit“, sagte der Disziplintrainer. Allerdings warnt er vor überzogenen Erwartungen. Die Staffelzeiten geben ihm recht. Mit ihren 53,78 Sekunden brachte es Lippok als Beste aus dem DSV-Quartett auf die viertschnellste Gesamtzeit. Die Niederländerin Femke Heemskerk war in 52,93 knapp eine Sekunde flotter als die fünffache Junioreneuropameisterin.

Schreiber im Einzelfinale

Dass auch ihr 1,04 Sekunden zur Schnellsten fehlten, war Daniela Schreiber piepegal. Die Hallenserin bot in der Staffel ein beherztes Rennen und schwamm als Letzte die Deutschen noch von der vierten Position ganz nach vorn. „Erst habe ich es gut gefunden, Schlussschwimmerin zu sein. Doch kurz bevor es losging, habe ich mich gefragt: Was hast du dir nur dabei gedacht?“, gab die 21-Jährige zu. Die Zweifel waren unbegründet. „Das war ein optisch gutes Rennen, sie hat den Sieg nach Hause geholt“, lobte Steffen ihre Kollegin, mit der sie vor einem Jahr bei der WM noch zusammen Staffelsilber erkämpft hatte.

Auch Lange war sehr angetan von der Hallenserin: „Vor einem Jahr war sie noch unser Küken, sie hat eine gute Entwicklung genommen“, sagte er. Heimtrainer Frank Embacher glaubt sogar, dass seine Sportlerin noch eine ganze Sekunde herausholen kann, wenn sie ihre technischen Fehler ausmerzt. „Die Haltung ihrer rechten Hand ist auf den ersten Metern eigenartig, das müssen wir noch abstellen“, erklärte er.

Schreiber hofft, aus der Staffel einiges in die Einzelwettbewerbe über 50 und 100 Meter mitnehmen zu können. „Bei der WM musste ich nach der Staffel drei Tage warten bis zum nächsten Einsatz, da war die Spannung raus. Diesmal geht es gleich nahtlos weiter“, sagte sie. Die Vorlaufhürde über 100 Meter Freistil nahm sie als Sechstschnellste in 54,94 Sekunden und qualifizierte sich im Halbfinale als Siebte für den Endlauf (54,71). „Ich war noch etwas müde, konnte wegen der vielen Eindrücke lange nicht einschlafen. Deshalb bin ich mit der Zeit zufrieden.“ Lippok scheiterte im Halbfinale (11./55,15), während Daniela Samulski, mit 26 Jahren die Erfahrenste in dem Quartett, bereits im Vorlauf (11./55,09) der Regel zum Opfer fiel, dass nur zwei Athleten pro Nation weiterkommen.

Derweil macht sich Britta Steffen keine großen Sorgen angesichts der heranwachsenden Konkurrenz: „Ich habe ja schon alles erreicht. Das, was jetzt kommt, ist Kompott für mich“, sagte sie. „Trotzdem ist das eine schwierige Situation für mich. Ich arbeite daran, wieder zurückzukehren.“

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