Aktuell: Fußball-EM 2016 | Sport A-Z | Fußball-News | Eintracht Frankfurt | Blog-G
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Sport
Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker

18. Mai 2012

Fan-Verhalten in Fußballstadien: Die Hardliner haben Oberwasser

 Von Christoph Ruf
Jagdszenen: Auch in Karlsruhe hatte die Polizei alle Hände voll zu tun.  Foto: dpa

Die deutschen Fußballfunktionäre sind sprachlos. Was bei den Relegationsspielen in Karlsruhe und Düsseldorf passierte, unterscheidet sich zu stark, als dass es unter Begriffen wie Gewalt oder Randale zusammenzufassen wäre. Es fehlen Patentlösungen.

Drucken per Mail
Berlin –  

Die Spitzen von Deutschem Fußball-Bund (DFB) und Liga (DFL) konnten am Mittwoch nur mühsam ihre Ratlosigkeit kaschieren. Man müsse „neue Wege gehen“, erklärte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock in Frankfurt. Und DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus ergänzte: „Zu den Wegen, die wir gehen, werden wir weitere Wege gehen.“ Etwas konkreter wurde nur der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert. „Privilegien der Fans“ stünden auf dem Prüfstand. Insbesondere Stehplätze, die in anderen europäischen Ländern längst abgeschafft seien, scheinen hier gemeint zu sein.

Funktionäre ratlos

Die Sprachlosigkeit der Funktionäre ist nachvollziehbar. Was bei den Relegationsspielen in Karlsruhe und Düsseldorf passierte, unterscheidet sich zu stark, als dass es unter Begriffen wie Gewalt oder Randale zusammenzufassen wäre. Folgerichtig fehlen Patentlösungen. Am Montag kam es nach dem Abstieg des Karlsruher SC in die Dritte Liga zu stundenlangen Jagdszenen. Am Ende waren über 70 Menschen verletzt, darunter Polizisten und Ordner. Tags darauf wurde in der Düsseldorfer wie der Berliner Kurve exzessiv Pyrotechnik gezündet, so dass das Spiel mehrfach vor dem Abbruch stand. Bevor es beendet war, stürmten Hunderte Düsseldorfer Fans auf den Platz – im Glauben, der Schiedsrichter habe den Aufstieg der Fortuna bereits besiegelt. Verletzt wurde aber niemand.

Doch die Zuschauer haben die reguläre Durchführung des Fußballspiels verhindert, weshalb heute das DFB-Sportgericht darüber entscheiden muss, ob es zu einem Wiederholungsspiel kommt oder nicht. Dass euphorisierte Zuschauer den − vermeintlichen − Aufstieg ihrer Mannschaft mit einem Platzsturm begehen, ist ein Phänomen, das es schon in Zeiten des Schwarz-Weiß-Fernsehens gab.

Düsseldorf kein Einzelfall

Und auch die Ereignisse von Düsseldorf haben einen Präzedenzfall. Am 18. Juni 1995 zeigte Schiedsrichter Bodo Brandt-Chollé beim Spiel des FC St. Pauli gegen Homburg beim Stande von 5:0 für die Hamburger auf den Elfmeterpunkt – drei Minuten vor dem Abpfiff. Hunderte Fans verwechselten das mit dem Schlusspfiff und stürmten auf den Rasen. Brandt-Chollé zeigte sich gnädig und notierte im Spielbericht, er habe in der 87. Minute nicht auf Elfmeter entschieden, sondern das Spiel beendet. Damals wie heute wurde bei dem Platzsturm niemand verletzt.

Allgegenwärtige Pyrotechnik

Neu ist eines: Pyrotechnik ist allgegenwärtig. Wenn binnen zwei Wochen fünf Mal bengalische Feuer, Rauchbomben und Böller in bislang ungekanntem Ausmaß gezündet wurden – bei der Partie Köln gegen Bayern am 34. Spieltag, dem Pokalfinale, in drei der vier Relegationsspiele – ist das kein Zufall, wie Fanvertreter betonen. „Diese Häufung liegt daran, dass die Verbände sich einem Kompromiss mit den vernünftigen Leuten verweigert haben“, glaubt Volker Körenzig vom Karlsruher Fanprojekt. Der Sozialarbeiter meint gescheiterte Gespräche zwischen DFB, DFL und der gut 100 Ultragruppen vertretenden Initiative „Pyrotechnik legalisieren“.

Junge Ultra-Neulinge, die zu allem bereit sind

Die Fans wollten über ein geduldetes Abbrennen in ausgewiesen Stadionsektoren verhandeln und versprachen im Gegenzug auf jedes unkontrollierte Abbrennen zu verzichten. Ob das funktioniert hätte, sei dahingestellt. Zuletzt hatte man nicht den Eindruck, dass die vernünftigen Kräfte in vielen Fankurven die Dynamik bestimmen. Fakt ist aber auch, dass die Hardliner erst seit dem Scheitern der Gespräche Oberwasser haben. „Die harte Haltung der Verbände hat denen erst die Argumente geliefert, die finden, dass es eh keinen Sinn hat, mit Vereinen und Verbänden zu reden“, sagt Volker Goll von der „Koordinierungsstelle der Fanprojekte“ (KOS).

Tatsächlich bestätigt sich, was in vergangenen Monaten aus vielen Szenen drang. Immer öfter ergreifen die Initiative junge, zu allem bereite Ultra-Neulinge, die auch von den älteren Ultras kaum zu kontrollieren sind: Kanonenschläge waren in der Szene lange geächtet, ebenso galt es als Tabu, die bis zu 2000 Grad heißen Magnesiumfackeln auf den Platz zu werfen, wie das in Düsseldorf geschah. Dort kam die Verlängerung von sieben Minuten nur deshalb zustande, weil in der Hertha-Kurve mehrere Dutzend bengalische Feuer gezündet und zum Teil unters Tribünendach gefeuert worden waren. Für die Erfolgsaussichten des Berliner Einspruchs könnte das eine Hypothek sein.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Ressort

Sport-Nachrichten, Ergebnisse und Live-Ticker.

Kommentar Kickers Offenbach

Unfassbar

Von Manuel Schubert |
Wieder mal ohne Geld. Der OFC.

Der OFC muss aus Fehlern der Vergangenheit lernen. Ein Kommentar. Mehr...

Ticker und Statistik

Erste Fußball-Bundesliga

Alle Spiele im Ticker - mit ausführlicher Livestatistik, Tabellen, Spielplan und den Teams.
Ticker | Berichte | Tabellen | Teams | Spielplan

Ticker und Statistik zur 2. Liga und 3. Liga.

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

Anzeige