Die Mainzer Ultraszene hatte vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart auf ihrer Homepage mitgeteilt, dass sie wegen des am Mittwoch abgesegneten Sicherheitspapiers der Deutschen Fußball Liga „auf jede Aktivität im Stadion verzichten“ würde. Das führte dazu, dass der harte Kern von etwa 500 Ultras hinter einem Tor die Begegnung zunächst still verfolgte. Genauso verhielten sich auf der anderen Seite die Stuttgarter Ultras. Als der überwiegende Rest des Publikums Sprechchöre zur Unterstützung der Mainzer Mannschaft anschlug, kamen Pfiffe aus beiden Ultra-Lagern.
In der zweiten Halbzeit stimmten sowohl Mainzer als auch Stuttgarter Ultras mehrfach den Schlachtruf „Fußball-Mafia DFB“ an. Darauf gab es Pfiffe von hörbar vielen anderen Besuchern. 05-Stadionsprecher Klaus Hafner reagierter folgendermaßen: „Wir alle haben akzeptiert, dass ihr die Mannschaften heute nicht anfeuern wollt. Aber lasst die diskriminierenden Äußerungen, denn die Mehrheit des Stadions will das nicht.“ Nach dem Sieg feierten die Mainzer Spieler den 3.1-Sieg entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit „intuitiv“ (Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger) zunächst mit den Zuschauern auf der Gegentribüne, ehe sie sich auf die Seite der Ultras begab, von denen bereits einige das Stadion verlassen hatten.
Ultras beraten sich in der Winterpause
Der Mainzer Präsident Harald Strutz, auch Mitglied im DFL-Vorstand, sagte hinterher, es sei ein „unglaubliches Zeichen für den Fußball, wie man auch so Stimmung machen“ könne, er ziehe „alle Hüte“ vor der Gegentribüne und den Teilen der Stehplatztribüne, „die fast alle anderen mitgerissen hat“. Und er fragte rhetorisch: „Glaubt jemand wirklich, der Fußball geht hierzulande daran kaputt, weil ein paar Hundert oder Tausend denken, dass sie wichtiger sind als der Fußball?“ Stuttgarter Ultras hatten ein Plakat aufgehängt. Ihre Botschaft: "Fans raus".
Die Mainzer Ultraszene hatte im Vorfeld diejenigen Fans, „die das Ganze anders bewerten“ um Verständnis gebeten. Sie bliebe angesichts des durchgewinkten Sicherheitspapiers „ratlos zurück“ und frage sich: „Wie sollen wir nun damit umgehen, dass ein Verband über uns entschiedet, der weder das Gespür für eine versöhnliche Strategie noch ein Interesse an den Fanbedürfnissen“ habe? Über ihre künftigen Forderungen wollen die Ultras sich in der Winterpause beraten.
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