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26. Februar 2016

Fifa: Gianni Infantino neuer Fifa-Präsident

Der neue Fifa-Präsident: Gianni Infantino.  Foto: dpa

Gianni Infantino ist neuer Präsident des Fußball-Weltverbands FIFA. Der 45-jährige Schweizer setzt sich beim außerordentlichen FIFA-Kongress im zweiten Wahlgang durch.

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Zürich –  

Vom Plan B zum Blatter-Nachfolger: Der Schweizer Gianni Infantino (45) ist zum neuen Präsidenten des Fußball-Weltverbands gewählt worden und soll die FIFA aus der tiefsten Krise ihrer 112-jährigen Geschichte führen. Im Zeichen der erschütternden Skandale unter der Ägide von Infantinos gesperrten Vorgänger und Landsmann Joseph S. Blatter verabschiedete der Außerordentliche FIFA-Kongress in Zürich zudem ein umfassendes Reformpaket - der Neuanfang könnte tatsächlich gelingen.

"Die FIFA ist in einer sehr schwierigen Situation, ihr Ruf hat schwer gelitten", sagte Infantino in seiner Wahlkampfrede: "Es gibt zwei Möglichkeiten: sich verstecken und warten, bis der Sturm vorüber ist - oder aufstehen! Verstecken war für mich nie eine Option. Lasst uns die FIFA nach vorne bringen - alle zusammen."

Infantino zum Fifa-Präsidenten gewählt

Der bisherige Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union (UEFA), der nur wegen der Sperre gegen UEFA-Boss Michel Platini (Frankreich/60) für das höchste FIFA-Amt angetreten war, setzte sich im Hallenstadion im Kopf-an-Kopf-Rennen gegen seinen größten Konkurrenten Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (Bahrain/50) im zweiten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit von 115 der insgesamt 207 Stimmen durch. Für Scheich Salman votierten nur 88 Delegierte. Der jordanische Prinz Ali bin Al Hussein (40) mit vier Stimmen und Jérôme Champagne (57) aus Frankreich ohne jegliche Unterstützung in der zweiten Runde waren chancenlos.

Im ersten Durchgang Runde hatte keiner der insgesamt vier verbliebenen Kandidaten die für einen Sieg zunächst nötige Zweidrittelmehrheit erreicht. Der 62-jährige Südafrikaner Tokyo Sexwale hatte seine Kandidatur bereits vor dem ersten Urnengang zurückgezogen.

Infantino bestätigte in seiner Rede vor der Wahl allerdings auch viele seiner Kritiker. "Das Geld der FIFA gehört Ihnen", rief der Jurist in Richtung der Delegierten. Das war schon in den vergangenen Jahren die Taktik seines tief gefallenen Vorgängers Blatter: Gebt mir die Stimme, ich gebe Euch Geld.

Aber Infantino "will das Richtige tun, das Richtige für die FIFA und den Fußball". Das am Vormittag auf den Weg gebrachte Reformpaket wird dabei helfen.

Mit 179 von 201 gültigen Stimmen (89 Prozent) wurde das Paket um 11:21 Uhr von der großen Mehrheit abgesegnet. Unter anderem eine Gewaltenteilung, mehr Transparenz und Integrität sowie eine Frauenquote werden nun in die FIFA-Statuten implementiert. Die Veränderungen treten 60 Tage nach dem Kongress in Kraft.

"Sie haben die große Chance, ein neues Kapitel aufzuschlagen", hatte Thomas Bach, der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitee (IOC), zuvor eindringlich an die Vertreter der FIFA-Mitgliedsverbände appelliert. Ein Scheitern wäre "ein Albtraum" gewesen, sagte auch der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (65) im SID-Gespräch vor Kongress-Beginn.

Die einflussreichen Sponsoren der FIFA sowie die Justizbehörden aus der Schweiz und den USA hatten den Neuanfang vehement gefordert - alles andere hätte den Weltverband noch viel, viel tiefer in die Krise gestürzt.

Durch die wegweisende Entscheidung wird nun die Macht vom zuvor allmächtigen FIFA-Exekutivkomitee, das in eine Art Aufsichtsrat mit mehr Mitgliedern (36 statt 24, darunter mindestens sechs Frauen) umgewandelt wird, hin zum Generalsekretariat wandern.

In der neuen Schaltzentrale wird künftig das operative Geschäft mit den Milliarden-Deals abgewickelt. Der neue Rat (FIFA-Council) hingegen ist "nur" noch für die politische Richtung verantwortlich. Der neue und lediglich noch eher repräsentative Präsident ist dadurch nicht mehr der rechtliche Vertreter der FIFA und auch nicht mehr zeichnungsberechtigt.

Allerdings steckt dahinter der erste Fallstrick: Der neue und nunmehr sehr einflussreiche Generalsekretär wird künftig zwar nicht mehr vom Präsidenten ernannt und entlassen. Der neue FIFA-Boss schlägt aber weiterhin einen Kandidaten vor, der vom Council abgesegnet wird. Mit dem Nachfolger des Deutschen Markus Kattner, der die Verwaltung derzeit übergangsweise führt, steht und fällt deshalb fast der komplette Neuanfang.

Im neuen Rat wird zudem noch weiter der Großteil der Funktionäre sitzen, die in den vergangenen Jahren die Krise zu verantworten hatten. Der neue Integritäts- und Eignungscheck, der bei jedem neuen Ratsmitglied (gewählt wird weiterhin direkt in den Konföderationen) durchgeführt wird, fällt bei den Alteingesessenen aus. Auch gilt für die derzeitigen Exko-Mitglieder die neue Amtszeitbeschränkung (maximal zwölf Jahre) nicht rückwirkend, die Uhr wird auf null gestellt.

Über allem wird künftig die unabhängige Audit- und Compliance-Kommission stehen, die beispielsweise alle Geldflüsse überwacht. In den in Zukunft nur noch neun ständigen FIFA-Kommissionen werden deutlich mehr unabhängige "Externe" sitzen. Für die personelle Zusammenstellung ist allerdings auch der Rat zuständig.

Das Gehalt der hohen Amtsträger wird künftig veröffentlicht - was eine der meistgestellten Frage ("Was verdient Blatter?") endlich beantworten wird.

Die Skandale der Vergangenheit muss der Weltverband allerdings unabhängig von seiner Neuausrichtung finanziell teuer bezahlen. Kattner erklärte, dass die FIFA im Jahr 2015 erstmals seit langer Zeit wieder Verlust gemacht hat. Die konkreten Zahlen sollen beim Kongress Mitte Mai in Mexiko vorgelegt werden. (sid)

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