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17. Juli 2012

FIFA-Skandal: Blatter soll Bundesverdienstkreuz verlieren

Sepp Blatter (l.) und Franz Beckenbauer vor der Fußball-WM in Deutschland. Foto: dapd

Dem umstrittenen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter droht eine Schmach: Politiker mehrerer Parteien forderten, ihm wegen der Korruptionsvorwürfe beim Weltfußballverband das Bundesverdienstkreuz abzuerkennen. Die Entscheidung liegt bei Bundespräsident Gauck.

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Dem umstrittenen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter droht eine Schmach: Politiker mehrerer Parteien forderten, ihm wegen der Korruptionsvorwürfe beim Weltfußballverband das Bundesverdienstkreuz abzuerkennen. Die Entscheidung liegt bei Bundespräsident Gauck.

Berlin –  

Wegen der Schmiergeldaffäre beim Weltfußballverband FIFA haben sich führende Politiker aus Europaparlament und Bundestag dafür ausgesprochen, dem FIFA-Präsidenten Joseph Blatter das Bundesverdienstkreuz abzuerkennen. "Sepp Blatter steht für endemische Korruption bei der FIFA", sagte der Sprecher der Grünen im Europaparlament, Reinhard Bütikofer, der "Welt" von Dienstag. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon rief Bundespräsident Joachim Gauck auf, die Entziehung der Auszeichnung "eingehend" zu prüfen.

Ähnliche Forderungen kamen von SPD und Linken. "Wenn es dabei bleibt, dass Herr Blatter keine echte Aufklärung der Schmiergeldaffäre will, sollten wir über eine Aberkennung des Bundesverdienstkreuzes nachdenken", sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Die Schmiergeldzahlungen an Funktionäre der FIFA seien belegt und Blatter habe davon gewusst. Auch Wolfgang Neskovic, Justiziar der Linke-Fraktion, sagte, er halte "eine Entziehung der Auszeichnung für zwingend geboten".

Im "Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen" ist die Entziehung ausdrücklich vorgesehen. "Erweist sich ein Beliehener durch sein Verhalten (...) der verliehenen Auszeichnung unwürdig oder wird ein solches Verhalten nachträglich bekannt, so kann ihm der Verleihungsberechtigte den Titel oder die Auszeichnung entziehen", heißt es dort.

Ehrung für Fußball-WM in Deutschland

Der Vorsitzende des Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte der "Welt", er wolle zwar einer "Entscheidung des Herrn Bundespräsidenten" nicht vorgreifen. Aber er gehe davon aus, "dass die Berichterstattung über die Korruptionsvorwürfe bei der FIFA auch im Präsidialamt gelesen" werde.

Die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), sagte, sie sei überzeugt, dass der Fall Blatter "sich der aufmerksamen Beobachtung durch das Bundespräsidialamt sicher sein" werde.

Der Schweizer Blatter hatte das Bundesverdienstkreuz 2006 von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für seine besonderen Leistungen bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft an Deutschland erhalten. Schon damals war die Auszeichnung umstritten.

Blatter muss sich heute äußern

Blatter steht derzeit wegen seiner Rolle in der Affäre um Schmiergeldzahlungen des Sportvermarkters ISL an hochrangige Funktionäre des Weltfußballverbands in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, Kenntnis von den Zahlungen gehabt zu haben. Der 76-jährige Schweizer muss sich am heutigen Dienstag vor dem Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes in Zürich zu den Beschuldigungen äußern.

Von seinen Vorwürfen, bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland sei es zu Unregelmäßigkeiten gekommen, rückte Blatter unterdessen ab. In der "Bild"-Zeitung erklärte er, bei WM-Vergaben finde man immer einen Grund, "um irgendwelche Verschwörungstheorien zu spinnen. Sogar in Zusammenhang mit Deutschland, das eine perfekte WM lieferte. Ein Sommermärchen sondergleichen, worauf das Land stolz sein kann." (mit afp/dpa)

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