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15. August 2012

Frankfurt Marathon: Weltrekordler Makau kommt

 Von Frank Hellmann
Patrick Makau startet Ende Oktober in Frankfurt. Foto: imago

Patrick Makau aus Kenia erteilt seine Startzusage für den Marathon in der Mainmetropole am 28. Oktober - was als ziemliche Überraschung gewertet werden darf.

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Zu seinem Idol hat Patrick Makau irgendwann Paul Tergat erkoren. Jene Koryphäe, die über die klassischen 42,195 Kilometer die Weltbestzeit vor knapp einem Jahrzehnt auf damals unfassbare 2:04:55 Stunden drückte. „Ich wollte so werden wie er“, sagte der Kenianer Makau über seinen Landsmann einmal. Mittlerweile ist aus dem ehemaligen Farmersohn selbst der umjubelter Volksheld geworden, seitdem er beim Berlin-Marathon im Vorjahr mit 2:03:38 Stunden eine neue Bestmarke aufstellte.

Spektakuläre Verpflichtung

Dass der Weltrekordhalter nun am 28. Oktober beim Frankfurt Marathon den nächsten Anlauf nimmt, die Zeit zu unterbieten, gilt in der Szene als ziemliche Überraschung. Es ist die spektakulärste wie teuerste Verpflichtung, die der seit 1981 bestehende Marathon in der Bankenmetropole tätigte. Makau erhält eine fast sechsstellige Antrittsgage. Würde dem 27-Jährigen ein neuerlicher Rekordlauf gelingen, wären weitere 130000 Euro fällig. Vom Gesamtbudget von drei Millionen Euro fließen insgesamt 650000 Euro an Antrittsprämien und Preisgeld in das Elitefeld. Der Weltrekord selbst wäre versichert.

"Ritterschlag" für Frankfurt

Jo Schindler, der Renndirektor, und Christoph Kopp, der Sportliche Leiter, sind sich sicher, dass sich die Investitionen längst lohnen. „Makau ist der Ritterschlag für uns“, erklärt Kopp, „vor drei, vier Jahren hätten wir uns bei einer solchen Anfrage noch eine blutige Nase geholt.“ Mittlerweile gilt der älteste deutsche Stadtmarathon als zweitwichtigstes Event in diesem Segment. Der Deal ist dadurch begünstigt worden, dass Makau nicht für die Olympischen Spiele nominiert war. Angeblich lag dem vom Kolumbianer Felipe Posso gemanagten und in Europa vom US-Amerikaner Zane Branson vertretenen Makau auch ein finanziell besser dotiertes Angebot aus New York vor, er entschied sich aber dennoch für den deutlich schnelleren Kurs in Frankfurt. „Das hat uns geholfen“, sagt Kopp.

Der Ausnahmeläufer Makau begann seine Straßenlaufkarriere im Jahr 2006 mit einem Sieg bei einem Halbmarathon in der Türkei − obwohl er damals den Startschuss verpasste. 2007 folgte sein Marathondebüt in Rotterdam (2:06:14), 2010 bereits Siege in Rotterdam (2:04:48) und Berlin (2:05:08). Nach dem Rennen sagte er, dass ihn der Dauerregen eineinhalb Minuten Zeit gekostet hätte. Dann entriss er tatsächlich 2011 im direkten Duell der laufenden Legende Haile Gebrselassie den Weltrekord. Makau lebt mit seiner Frau und drei Kindern auf einer Höhe von fast 2 000 Metern in Ngong, einem kleinen Städtchen in der Nähe der Hauptstadt Nairobi.

Der Zweifel läuft mit

Damit kann er sich auch nicht jenen Debatten entziehen, die gerade ein ziemlich schlechtes Licht auf das kenianische Laufwunder werfen. Der Weltklasseläufer Mathew Kisorio, nach dem Boston-Marathon des Dopings überführt, hat gegenüber der ARD kürzlich ausgesagt, dass sich Ärzte nahe der einheimischen Trainingszentren angesiedelt hätten, um Doping-Dienste anzubieten. Mehrere in Europa tätige Spitzenläufer mit Zeiten von 2:05 Stunden würden unerlaubte Mittelchen nehmen, behauptete Kisorio, ohne aber Namen zu nennen. Dem Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) ist es bislang weder gelungen, ein Bluttestprogramm durchzudrücken noch den nachlässigen kenianischen Verband an die Kandare zu nehmen.

Schindler kennt die Diskussion und möchte gemeinsam mit dem Berlin-Ausrichter Mark Milde gegen solche Verdächtigungen vorgehen. Bei Makau, so Schindler könnte man „immerhin die Wettkampfkontrollen nachfolgen“. Nur seien den deutschen Veranstalter irgendwo die Hände gebunden. Denn: „Wir können selbst keine Kontrollen in Kenia selbst vornehmen.“ Kopp nennt vor allem die IAAF bei der Doping-Problematik in vielerlei Hinsicht „halbherzig“. So läuft bei der neuerlichen Rekordhatz mehr denn je auch der Zweifel mit.

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