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13. Dezember 2012

Frankfurter Festhallenturnier: Von ganz unten an die Spitze

 Von Katja Sturm
Großer Sprung: Christian Ahlmann auf Codex One.  Foto: Reuters

Christian Ahlmann führt erstmals die Weltrangliste der Springreiter an. Beim Frankfurter Festhallenturnier will er seine Siege vom letzten Jahr wiederholen.

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Zurück blickt Christian Ahlmann nicht mehr gern. Zu unangenehm sind dem Springreiter die Erinnerungen an die Zeit nach den Olympischen Spielen von Hongkong, wo er mit dem verbotenen Wirkstoff Capsaicin bei seinem Pferd Cöster aufgefallen und anschließend monatelang gesperrt worden war. Er wisse, dass ihn das den Rest seines Lebens begleiten werde, sagt der 37-Jährige, aber er müsse das Beste machen aus der Situation und schaue nur noch nach vorne.

Ein Sieg nach dem anderen

Die vergangenen zwölf Monate könnte der Mann aus Marl allerdings mit einiger Genugtuung betrachten. Dank des durchweg guten Zustands seiner Toppferde und der „starken Mannschaft“ an seiner Seite feierte der Weltcup-Sieger von 2011 bei großen Springen einen Sieg nach dem anderen, gewann schon im Januar in Leipzig und zuletzt so ziemlich jedes Mal, wenn er zu einem Höhepunkt einritt. Das „i-Tüpfelchen“ auf eine „super, super“ Saison setzte Ahlmann am Wochenende in Genf, wo er auf Taloubet Z, dem mit einer Summe von mehr als einer halben Million Euro gewinnträchtigsten Pferd 2011, das Top-Ten-Finale für sich entschied und sich erstmals auf die Spitzenposition in der Weltrangliste schob.

„Das muss man jetzt genießen“, sagt Ahlmann, der weiß, wie schnell sich das Schicksal durch die Abhängigkeit von den Tieren wieder wenden, wie schnell die Stange eines Hindernisses fallen kann. Allerdings habe er, der nach seiner unfreiwilligen Pause auf Position 300 in der Welt zurückgefallen war, noch nie so viele „tolle Pferde“ unterm Sattel gehabt wie derzeit. Jedes davon habe „eine andere Geschichte“. Sein Olympiapferd Codex One etwa habe er bereits als erfolgreiches Pferd bekommen und von Anfang an bestens im Griff gehabt. Stallgefährtin Lorena bildete er derweil selbst für die Abenteuer im Stangenwald aus. „Es gibt nicht nur einen Weg zu einem guten Pferd“, sagt der Pferdewirt, der auf seinem Gestüt auch selbst Tiere für den Turniersport züchtet und ansonsten überall Augen und Ohren nach sprunggewaltigen Talenten offen hält. Seine langjährige Sponsorin Marion Jauß, aber auch der Vater seiner belgischen Lebensgefährtin Judy-Ann, Leon Melchior, unterstützen ihn dabei.

Wermutstropfen Olympia

Einen Wermutstropfen musste der Europameister von 2003 allerdings auch in diesem Jahr schlucken. Ausgerechnet bei den Olympischen Spielen, die er nach 2008 und dem wegen Ludger Beerbaums verbotener Medikation aberkannten Teamgold von 2004 endlich mal genießen wollte, erlebte er sein „schlechtestes Turnier“. Nicht nur Ahlmann selbst, auch die deutsche Equipe verpasste das Finale. Öffentliche Kritik zog der Westfale dabei mit einem Klaps seiner Gerte auf sich, den er Codex One nach einer Verweigerung gab. Eine „regelkonforme Erziehungsmaßnahme“, wie er betont, von der er aber schon im gleichen Augenblick gewusst habe, dass er das Problem anders hätte lösen müssen. Ahlmann ist sich darüber im Klaren, dass er im Fokus steht, sich weniger erlauben darf als andere.

Familienausflug an den Main

Die trüben Gedanken verfliegen, sobald der Familienvater seinen im Juli geborenen Sohn Leon im Arm hält. Ob der Kleine später lieber Fußball spielt, wie Ahlmann selbst es als Kind tat, oder gleich im Sattel landet, darauf hat der Vater keine Antwort parat. Stallluft wird er aber auch am Wochenende wieder riechen, wenn Leon seine Eltern zu deren Einsätzen beim heute beginnenden Frankfurter Festhallenturnier begleitet. 2011 sicherte sich Ahlmann dort erst den Sieg im Eröffnungsspringen, dann auf Codex One den Großen Preis von Hessen. Für Letzteren hat er diesmal Lorena vorgesehen. Die Zehnjährige könnte gemeinsam mit Lorenzo, der die anderen großen Springen bestreiten soll, dafür sorgen, dass die Weihnachtskasse im Hause Ahlmann noch ein bisschen voller wird, als sie es sowieso schon ist.

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