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17. Dezember 2012

FSV Mainz 05: Die alten Herren aus Mainz

 Von Jan Christian Müller
In Reih und Glied: Die Spieler von Mainz 05 feiern den Sieg gegen Stuttgart.  Foto: dpa

Mit einem Team ohne Neuzugänge arbeitet sich der FSV Mainz 05 gegen den VfB Stuttgart an die Spitzengruppe der Liga heran − und läuft nun auf dem Zahnfleisch.

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Mit einem Team ohne Neuzugänge arbeitet sich der FSV Mainz 05 gegen den VfB Stuttgart an die Spitzengruppe der Liga heran − und läuft nun auf dem Zahnfleisch.

Mainz –  

In der letzten Minute der Nachspielzeit rannte Elkin Soto, immerhin schon 32, so schnell aus der Mitte des Spielfelds in den Stuttgarter Strafraum, als würde er von einem hungrigen Löwen verfolgt. Von seinem Mainzer Mitspieler Eugen Polanski bekam der Kolumbianer den Ball scharf in den Lauf geworfen, und Soto vollendete prächtig zum 3:1. Es war die letzte von unzähligen Energieleistungen, die ein Mainzer Fußballprofi an diesem Nachmittag produziert hatte. „Wenn man sieht, wie viele Sprints wir gehen – da kriegst du Gänsehaut“, fasste der Österreicher Andreas Ivanschitz das gemeinsam Erlebte lächelnd zusammen, und der zweifache Torschütze Nicolai Müller ergänzte breit grinsend: „Wir haben eben einen guten Athletiktrainer.“ Der heißt Rainer Schrey, hat zu deren besseren Zeiten die Profis der TSG Hoffenheim fit gemacht und ist Co-Autor des Werkes „Die perfekte Fußballschule“.

Tatsächlich grenzte das, was Mainz 05 am Samstag gegen den VfB Stuttgart bot, teilweise an eine perfekte Vorstellung, „die ersten 35 Minuten“, befand Müller, „waren die besten, die wir je gespielt haben“. Aber zur Pause stand es, dem Mainzer Sturmlauf zum Trotz, dennoch 0:0, nach 48 Minuten und einem Kopfballtor von Martin Harnik gar 0:1, ehe der unentwegte Müller zweimal traf, einmal nach wunderbarer Kombination mit Zdenek Pospech einen Tag nach dessen 34. Geburtstag (54.) und einmal nach einem nicht ganz astreinen Einsatz von Mittelstürmer Adam Szalai im Kopfballduell mit dem Stuttgarter Georg Niedermeier.

Die Stuttgarter, allen voran Sportdirektor Fredi Bobic ärgerten sich nicht zu Unrecht darüber, dass Szalai sein Einsatz nachgesehen wurde, derweil VfB-Mittelstümer Vedad Ibisevic vom ansonsten guten Schiedsrichter Felix Brych meist strenger gemaßregelt worden war. „Aber“, analysierte Verteidiger Niedermeier fair, „der Schiedsrichter hat nun eben mal so entschieden, und wir hatten danach noch Zeit genug.“ Was aber nichts nutzte, „weil“, räumte Niedermeier unumwunden ein, „uns der letzte Biss und vielleicht auch der Mut fehlte“.

Weiterhin „wilde Fahrt“

Die Mainzer, ohne Belastung in einem europäischen Wettbewerb etwas ausgeruhter, nutzten ihre Kraft und Hingabe weidlich, verausgabten sich dabei aber derart, dass laut Verteidiger Jan Kirchhoff „sich in den letzten zehn Minuten zehn von elf Spielern am liebsten hätten auswechseln lassen“. Allen voran Kirchhoff selbst, der aber dem Magen-Darm-Virus-geschwächten Bo Svensson (33) und dem von Krämpfen heimgesuchten Radoslav Zabavnik (32) den Vortritt lassen musste. „Das hat man davon, wenn man eine so alte Abwehr hat“, scherzte Trainer Thomas Tuchel. Glück für Kirchhoff, dass seine Zerrung nicht wieder aufriss. „Auf dem Zahnfleisch“ seien sie vom Platz gekrochen, beschrieb der 21-Jährige den kollektiven physischen Zustand.

So soll es laut Manager Christian Heidel in Mainz auch in Zukunft bleiben, frei nach dem Motto: „Anpfeifen und ab geht die wilde Fahrt!“ Heidel hatte mit dem Sieg gegen Stuttgart ein „Sahnehäubchen auf eine sehr gute Hinrunde“ gesehen. In einem Atemzug mit Eintracht Frankfurt und dem SC Freiburg dürfen sich die Mainzer getrost als Überraschungsteam betrachten, für die Rhein-Hessen war es die zweitbeste Halbserie ihrer Bundesligazugehörigkeit. Gegen Stuttgart waren sie mit einer extrem erfahrenen Mannschaft aufgelaufen, ohne einen einzigen Neuzugang, dafür mit neun Akteuren, die schon mindestens zweieinhalb Jahre dem Kader angehören, und mit sieben Profis, die schon seit dem Sommer 2009 mit dem damals von der A-Jugend zu den Profis beförderten Trainer Tuchel zusammenarbeiten.

„Wissen der Werte und Prinzipien der Gruppe“

Der Coach spricht vom „Wissen der Werte und Prinzipien der Gruppe“ als Teil des Erfolgsrezepts. Er will den „personellen Umbruch“ trotz des hohen Altersschnitts von rund 30 Jahren „ganz behutsam“ vorantreiben, weil er andernfalls eine „zu große Diskrepanz“ fürchtet: „Das wäre dann so ähnlich, als würden in eine neunte Klasse plötzlich ganz viele Fünftklässler kommen.“ Was nicht heißt, dass Pauker Tuchel nichts gegen „kreative Unruhe“ durch Verstärkungen hätte. Mit Christopher Moritz vom arg gebeutelten Pokalgegner Schalke 04 (Dienstag, 20 Uhr in Gelsenkirchen) steht der erste Neue fest.

Dass aber die vielen älteren Herren in Mainz ihre Reviere bislang so verbissen verteidigen, ist auch ein Beweis dafür, dass die Neuen das zugedachte Niveau bisher nicht erreichen: Weder Nikita Rukavytsya noch Ivan Klasnic oder Chinedu Ede sind nur annähernd dran an der ersten Elf. Einzig der Costa Ricaner Júnior Díaz hat die Erwartungen in etwa erfüllt, seinen Platz im Team aber keinesfalls sicher. Es dürfte eine arbeitsreiche Winterpause für Manager Heidel werden.

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