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11. März 2013

Fürth - Hoffenheim: Slapstick in Fürth

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Hoffenheimer Jubel: Die TSG gewinnt in Fürth.  Foto: dpa

Bei der SpVgg Greuther Fürth begleitet ein tiefer Riss zwischen Fans und Mannschaft die Kapitulation im Abstiegskampf, während in Hoffenheim Hoffnung keimt.

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Bei der SpVgg Greuther Fürth begleitet ein tiefer Riss zwischen Fans und Mannschaft die Kapitulation im Abstiegskampf, während in Hoffenheim Hoffnung keimt.

Fürth –  

Es sind wirklich findige Texter am Werk, die der Spielvereinigung Greuther Fürth öffentlichkeitswirksame Parolen schreiben. Die Zweitliga-Saison etwa wurde mit „Unaufsteigbar-Tour“ übertitelt, was eine hübsche Parodie auf die jüngere Historie gewesen ist. Das aktuelle Leitmotiv, aufgebracht an städtischen Plakatwänden und der Außenfassade der Haupttribüne, lautet: „Jetzt haben wir noch ein Ziel“. Darunter ist eine Anzeigetafel eines Flughafens abgebildet. Und hinter Flüge an Zielorte namens „Uefa-Cup“ beziehungsweise „Liga-Mittelfeld“ ist bereits ein „cancelled“ geschrieben. Bei dem Flight „Nichtabstiegsplatz“ steht „delayed“ und hinter „Relegation“ noch gar nichts.

Wenn Helmut Hack seinen Traditionsverein so gut im Griff hat wie seine Teefabrik, dann wird er unverzüglich verfügen, dass diese Tafel aktualisiert gehört. Und dann muss allerorten „cancelled“ auftauchen. Denn dass sich dieser in vielerlei Hinsicht nicht erstligareife Klub auf dem geordneten Rückweg in die Zweitklassigkeit befindet, hat Hack ja nach dem ernüchternden 0:3 gegen die TSG Hoffenheim selbst festgestellt. „Ich kann die Tabelle lesen. Es ist Entscheidendes passiert. Ab Montag geht es darum, sich vernünftig aus der ersten Liga zu verabschieden.“

Diese Tournee muss ein anderer Trainer moderieren als Ludwig Preis, der im Sommer wieder im Hauptberuf als Bereichsleiter Zoll und Logistik der Martin Bauer GmbH dient. „Die Mannschaft hat ihr zweites Gesicht gezeigt“, stammelte die Fürther Interimslösung ohne Fußballlehrer-Lizenz. Der 41-Jährige soll, so ist zu hören, aber bis Saisonende beim Profiteam verbleiben.


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Die beiden Favoriten heißen Frank Kramer und Markus Gisdol

Hoffenheims einige Wochen lang erstligaerfahrener U23-Trainer Frank Kramer und der derzeit arbeitslose Markus Gisdol gelten als Kandidaten, die mit einem Kader arbeiten müssen, dem die grundsätzlichen Qualitäten fürs deutsche Oberhaus abgehen. „Fußball ist nicht nur Laufen und Leidenschaft“, konstatierte Kapitän Mergim Mavraj. „Wer in der ersten Liga bleiben will, muss auch Fußball spielen können.“ Er und seine Kameraden seien der Bundesliga-Untauglichkeit überführt. Die Tore durch Firmino (10.), Joselu (16.) und Tobias Weis (50.) verschwiegen tatsächlich, wie harm- und hilflos sich die Hausherren gebärdeten.

Kein Sieg und nur vier geschossene Tore am Ronhof haben zu einem Riss zwischen Spielern und Anhängern geführt, der tief wie eine Gletscherspalte wirkt. Anfangs grölte die Fankurve noch: „Wir haben die Schnauze voll!“ Doch dann folgten kübelweise Hohn und Spott. Erst wurden imaginäre Tore bejubelt, dann frenetisch „Sieg, Sieg“ gerufen und „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ geträllert. Schlussendlich gab es auch noch zu hören: „Deutscher Meister wird nur das Kleeblatt Fürth“. Slapstick beim Schlusslicht.

Nur dummerweise wollte kein Spieler darüber lachen. „Für die Jungs ist das sehr bitter, wenn man nicht mehr ernst genommen wird“, mäkelte Interimstrainer Preis. Mannschaftsführer Mavraj ging gar zum Gegenangriff über: „Das zeugt nicht von Größe. Die Mannschaft hat es nicht verdient, vom eigenen Publikum lächerlich gemacht zu werden.“ Der Galgenhumor ergriff an diesem grotesken Nachmittag sogar den Stadionsprecher, der dem Schiedsrichter für die Nachspielzeit („zwei Minuten mehr Bundesliga“) dankte.

Ganz anders stellte sich die Gemengelage bei den zuletzt arg krisengeschüttelten Gästen dar: „Nach den schwierigen Wochen kann hier noch etwas zusammenwachsen“, konstatierte der überragende Weis, der zu berichten wusste, dass die interne Aussprache vor dem Bayern-Spiel gefruchtet habe. „Seitdem bringt jeder 10, 20, 30 Prozent mehr.“

Sogar egomanisch veranlagte Ballkünstler wie Firmino und Joselu stellten sich in diesem Kellerduell in den Dienst der Mannschaft. Doch genau mit jenen immerhin in beträchtlicher Zahl mitgereisten Unterstützer aus dem Kraichgau, zu denen der Brasilianer Firmino mit entblößtem Oberkörper nach seinem Führungstor lief, gab es später noch Knatsch: Im Block wurde nämlich in Anspielung auf die jüngsten Zerwürfnisse mit Tim Wiese (die FR berichtete) ein Transparent gespannt: „Ey Tim, fahr ma auswärts – wir zahlen den Alk!“ Marco Kurz war über Nachfragen zu diesem Thema wenig amüsiert: „Nach so einem Auftritt auswärts ist das nicht das Thema“, knurrte der TSG-Trainer. Lieber drückte der im Umgang mit Floskeln versierte Kurz neue Hoffnung aus, „dass wir am Ende drinbleiben“. Gerne auch mit dem Zusatz „delayed“.

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