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24. Januar 2013

Fußball DFL: Die Bundesliga boomt fröhlich weiter

 Von Jan Christian Müller
Die Bundesliga boomt: Wie hier bei Borussia Dortmund, aber auch an anderen Standorten.  Foto: imago

Die Zwei-Milliarden-Euro-Umsatz-Marke ist geknackt. Acht Zweitligisten und vier Erstligisten schrieben 2011/12 rote, 24 Vereine schwarze Zahlen. Drei deutsche Klubs sind unter den 20 umsatzstärksten Fußballvereinen der Welt.

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Die Zwei-Milliarden-Euro-Umsatz-Marke ist geknackt. Acht Zweitligisten und vier Erstligisten schrieben 2011/12 rote, 24 Vereine schwarze Zahlen. Drei deutsche Klubs sind unter den 20 umsatzstärksten Fußballvereinen der Welt.

Frankfurt –  

Eigentlich hatte Christian Seifert allein dafür in den Frankfurter Presseclub zum Mittagessen geladen, um die erneuten Erfolgszahlen der Fußball-Bundesliga zu verkünden. Aber dann kam natürlich zwischen Vorspeise und Hauptgang doch die unvermeidliche Frage nach der „anhaltenden Sicherheitsdebatte“. Da legte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga Messer und Gabel zu Seite, entgegnete, es gäbe keine „anhaltende Sicherheitsdebatte“ und dann sagte er noch: „Eigentlich müssten die Fans jetzt schweigen“, denn er „glaube, dass das, was wir am Wochenende gesehen haben, viel näher am Tod der Fankultur dran ist als unser Sicherheitspapier“.

Aber wie gesagt: Es ging um Zahlenreihen und nicht um Böller und Raketen, aber es ging natürlich auch um das Image der Liga und der Klubs, weshalb sich Seifert durchaus ein paar Sorgen um Eintracht Frankfurt macht. Er sehe es als „extrem schade“ für den Verein an, dass dieser momentan vor allem über seine Problemfans wahrgenommen werde. Dabei nehme die Eintracht doch „sportlich wie auch als Marke eine positive Entwicklung“.

Einnahmen binnen zehn Jahren verdoppelt

Positive Entwicklungen hatte der Top-Vermarkter der beiden höchsten deutschen Fußballligen reichlich zu bieten. Im achten Jahr in Folge sind die Gesamteinnahmen der 18 Eliteligisten gestiegen, erstmals wurde in der Saison 2011/12 die Zwei-Milliarden-Grenze geknackt, auf nunmehr fast 2,1 Milliarden Euro, was bedeutet, dass die Einnahmen binnen zehn Jahren verdoppelt wurden und jeder Klub im Schnitt mehr als hundert Millionen Euro pro Saison erlöste.

Einzelne Umsatzzahlen der „kleinen und mittelständischen Unternehmen“ nannte Seifert nicht, kennt aber natürlich sehr wohl die riesigen Abstände: Vorneweg marschiert der FC Bayern (373 Millionen Euro Umsatz) vor Schalke 04 (224) und Borussia Dortmund (215). Die Schere klafft Millionen Euro weit auseinander: Hinten dran hängen die Spielvereinigung Greuther Fürth mit 27,4 Millionen Euro und der FC Augsburg (37,5). Eintracht Frankfurt lag in seiner letzten vollständigen Bundesligasaison vor zwei Jahren mit 71 Millionen Euro auch noch deutlich unter dem Schnitt, in der zweiten Liga waren es gar nur noch 45 Millionen Euro. Der Klub schrieb tiefrote Zahlen. Zwar hat sich die Finanzlage in der zweiten Liga insgesamt verbessert, nach wie vor ist sie aber angespannt: Acht von 18 Zweitligisten wiesen Verluste aus, in der ersten Liga waren es deren vier. Dass insgesamt 24 der 36 deutschen Lizenzklubs schwarze Zahlen auswiesen, wertet Seifert als „außerordentlich positiv“ und spricht von „Vernunft auf der Kostenseite“.

Einnahmen: Anteil der Spielergehälter gesunken

Richtiggehend stolz ist der 43-Jährige darauf, dass dabei einige Klubs auf europäischem Topniveau agieren. Seifert sieht die Einführung der Nachwuchsleistungszentren als Schlüssel für diese Entwicklung. Seit deren Einführung vor zwölf Jahren sind 713 Millionen Euro in die Talentförderung geflossen. Gut findet Seifert auch, dass der Anteil der Spielergehälter an den Einnahmen auf unter 40 Prozent gesunken sind: Von einem Euro gegen also 40 Cent aufs Konto der Profis, in anderen europäischen Ligen seien es 64 Cent pro Euro. Unerwähnt lässt die DFL allerdings Zahlen über Beraterhonorare, die inzwischen nicht mehr weit weg von hundert Millionen Euro pro Saison liegen und damit nahezu fünf Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen dürften. Seifert klingt eher skeptisch, ob sich Regeln über eine Regulierung der Beraterhonorare durchsetzen lassen. Für dringend erforderlich hält er aber einen Austausch mit dem Deutschen Fußball-Bund, der die darbende dritte Liga betreut. „Ein Abstieg aus der zweiten Liga darf nicht dazu führen, dass ein Klub mit einem Bein in der Insolvenz steckt“, sieht Seifert ein, „die Klippe“ sei „zu hoch“. Was daran liegt, dass in Liga zwei im Schnitt sechs Millionen Euro an TV-Geld pro Klub ausgezahlt werden, eine Klasse tiefer aber nur noch 800.000 Euro pro Verein.

Die DFL, die den Spielbetrieb der Bundesligen organisiert, für die Vermarktung sorgt und die Produktion der TV-Bilder sicherstellt, verfügt über ein Budget von rund 60 Millionen Euro. Sie partizipiert unter anderem mit zehn Prozent an den TV-Auslandserlösen (gesamt: 70 Millionen Euro), zentralen Sponsoringeinnahmen (z.B: Ligaball) und mit derzeit nur 0,5 Prozent an den TV-Inlandserlösen (derzeit 430, künftig 630 Millionen Euro). Seifert möchte das Gesamtkonstrukt zeitnah überarbeiten.

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