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Fußball im Osten : 20 Pfeifen vom Klassenfeind

Der ostdeutsche Fußball leidet gerade in Krisen darunter, dass seine Spitzenfunktionäre überfordert sind, ihn angemessen zu repräsentieren. Und die Vergangenheit ist auch noch lange nicht aufgearbeitet.

        

Versuch einer Vereinigung: Moldenhauer  (l.) 1990 mit DFB-Boss Neuberger.
Versuch einer Vereinigung: Moldenhauer (l.) 1990 mit DFB-Boss Neuberger.
Foto: imago

Es war ein kurzes Comeback im Rampenlicht. Als Daniel Bauer, der frühere Kapitän des Regionalligisten 1. FC Magdeburg, von einer Bedrohung durch Vermummte berichtete, drängte Hans-Georg Moldenhauer, 69, zurück in die Öffentlichkeit. Der bekannteste Funktionär des ostdeutschen Fußballs sitzt im Sportbeirat des Klubs. Er wertete den Vorfall als bedauerlichen Rückschritt und verwies auf die grundsätzlich positive Zusammenarbeit zwischen Verein und Fans.

Alte Phrasen, SED-Kader und willfährige Opportunisten

Es klang wie die alten Phrasen, und erklärt in diesen Tagen symbolisch, warum der Osten sich gerade so miserabel repräsentiert sehen muss. Wenn sich zuletzt Vorfälle häuften mit randalierenden Dresdner Fans oder dem Bauer-Zwischenfall, der dazu führt, dass der Spieler gestern seinen Abschied aus Magdeburg bekannt gab, vervollständigen die wichtigsten ostdeutschen Fußballfunktionäre das traurige Bild. Erstaunlich scheint das allerdings kaum. Unter denen, die im Nordostdeutschen Fußballverband NOFV Verantwortung tragen bzw. trugen, finden sich zahlreiche einstige SED-Kader, willfährige Opportunisten und Stasi-Leute.

Als neuer mächtiger Mann kommt etwa Rainer Milkoreit daher, der Moldenhauer im Dezember 2010 als NOFV-Präsident ablöste. Auch er ist eine DDR-Kader-Altlast. Milkoreit war zuständiger Leiter für Körperkultur und Sport im Rat des Bezirks Erfurt. Zeitzeugen erinnern sich nur zu gut an den einstigen Apparatschik. In den Neunzigerjahren übernahm er als Chef die Sportschule des Thüringer Landessportbundes und wurde 1994 zum Boss des freistaatlichen Fußballverbandes gewählt.

Keine Lust die Vergangenheit zu reflektieren

Milkoreit, 67, verspürt − ähnlich wie der Rest der Altkameradentruppe − keine Lust, die eigene sowie die Vergangenheit belasteter Kollegen zu reflektieren. „Ich verschwende keine Zeit, mich mit solchen Dingen zu beschäftigen“, sagt er, scheint aber auch keine freie Minute für sein Amt übrig zu haben. Als der Kontrollausschuss des DFB nach den Krawallen in Dortmund forderte, Dynamo Dresden vom Pokal auszuschließen, da befand Milkoreit bloß: „Der ostdeutsche Fußball darf nicht in eine Ecke gestellt werden, in die er nicht gehört.“

Um den Fußball im Osten vor dem Hintergrund seiner speziellen Vergangenheit in der Gegenwart gebührend zu repräsentieren, dafür reichen solche Gemeinplätze allerdings nicht aus. Aber woher soll es auch kommen? Milkoreit steht in einer Ahnenreihe von historisch (und moralisch) bedenklichen Personen. Zum Beispiel Moldenhauer: Der Nachwende-Chef des NOFV (1990 bis 2010) sowie einstige DFB-Vizepräsident wurde als Gesellschaftlicher Mitarbeiter für Sicherheit von Magdeburgs Stasi-Bezirksverwaltung geführt, Deckname „Kurt Straube“. Laut Aktenlage war der frühere Fußballtorwart des 1. FCM in der DDR ein treuer SED-Genosse, der 1984 mündlich seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Stasi erklärte. Laut Akte lieferte Moldenhauer bis Ende 1986 mehrfach Informationen über Personen − auch über einen Kollegen, der einen Ausreiseantrag in die Bundesrepublik gestellt hatte.

In einem Reisebericht an den DTSB forderte er 1984, dass „internationale Fußballvergleiche“ exakt geplant werden sollen „und keine ungenutzten Stunden bestehen, um damit eventuelle Einflussnahmen Außenstehender zu ermöglichen“. Moldenhauer sagt: „Ich habe damals nicht gewusst, dass mich die Stasi als Mitarbeiter geführt hat.“ Er sei eher ein Widerstandskämpfer gewesen. „Die Stasi war damals für mich ein verhasstes Instrument.“

Als er 1994 erfahren habe, dass eine Stasi-Akte existiere, habe er sich unter anderen dem damaligen DFB-Boss Egidius Braun anvertraut. Weiterhin erklärte Moldenhauer, die SED-Parteischule habe er in der DDR besucht, „weil ich damals als Ingenieur und Abteilungsleiter 40 Leute geführt habe“, deswegen kam er angeblich nicht umhin. Bis heute ist er als Vorsitzender des Trägervereins des Bundesleistungszentrums in Kienbaum aktiv.

Die Geschichte des DDR-Fußballs ist immer noch nicht aufgearbeitet

Zahlreiche Stasi-Fälle wurden in den vergangenen Jahren von Verantwortlichen um Moldenhauer im NOFV klein gehalten und gedeckelt. Brandenburgs Fußballchef Siegfried Kirschen aus Bad Saarow etwa ist Präsidiumsmitglied des NOFV und Chef des Schiedsrichter-Ausschusses. Kirschen war als Schiedsrichter bei den Weltmeisterschaften 1986 und 1990 aktiv und hatte laut Akte über 20 Jahre als Informant mit dem Decknamen „Friedrich“ gearbeitet. Der DDR-Oberliga-Referee Bernd Stumpf wiederum war bis 2010 Mitglied des NOFV-Sicherheitsausschusses. Stumpf, der wegen seiner eklatanten Fehlleistungen als Unparteiischer sogar vom DDR-Fußballverband gesperrt wurde, hatte sich noch 1989 der Stasi unter dem Decknamen „Peter Richter“ verpflichtet. Bereits 1975 hatte Stumpf einen Schiedsrichterkollegen übel denunziert, weil dieser 20 Pfeifen von westdeutschen Sportfreunden erhalten hatte.

Der einstige WM-Schiedsrichter Adolf Prokop, der in der DDR der Stasi als Offizier im besonderen Einsatz diente, steht schließlich Pate für die noch immer nicht abgewickelte und aufgearbeitete Geschichte des DDR-Fußballs und einem Teil ehemals systemtreuer Funktionäre. Prokop wurde vom NOFV im Herbst 2009 ehrenvoll als Schiedsrichterbeobachter verabschiedet − nicht etwa wegen seiner Stasi-Vergangenheit, sondern aus Altersgründen.

Autor:  Thomas Purschke
Datum:  18 | 11 | 2011
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4 Fortuna Düsseldorf 46:24 44
5 SC Paderborn 35:24 43
6 1860 München 44:29 38
7 Union Berlin 38:36 34
8 Braunschweig 27:25 31
9 VfL Bochum 32:34 30
10 Dynamo Dresden 38:41 26
11 Energie Cottbus 21:35 24
12 MSV Duisburg 27:34 20
13 Alemannia Aachen 20:28 20
14 Erzgebirge Aue 18:34 20
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5 1. FC Saarbrücken 42:34 36
6 Rot-Weiß Erfurt 31:26 36
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12 Preußen Münster 25:26 32
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15 SV Babelsberg 33:41 29
16 Unterhaching 38:40 28
17 Darmstadt 98 31:34 27
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Mannschaft Tore Punkte
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8 Königsborner JEC 90:109 33
9 ESC Moskitos Essen 62:118 18
10 Herforder EV 71:175 16
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1. Basketball Bundesliga
Mannschaft Körbe   Punkte
1 Brose Baskets 1949 : 1517   40
2 ratiopharm Ulm 1858 : 1717   36
3 Artland Dragons 1985 : 1816   34
4 ALBA Berlin 1829 : 1588   32
5 s.Oliver Baskets 1655 : 1513   28
6 Eisbären Bremerhaven 1703 : 1759   24
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8 FC Bayern München 1779 : 1709   24
9 NY P. Braunschweig 1666 : 1701   22
10 Oldenburg 1804 : 1806   22
11 Tigers Tübingen 1687 : 1715   20
12 FRAPORT SKYLINERS 1521 : 1613   20
13 BBC Bayreuth 1580 : 1734   18
14 TBB Trier 1535 : 1619   16
15 Phoenix Hagen 1747 : 1972   14
16 EnBW Ludwigsburg 1727 : 1767   14
17 Gießen 46ers 1617 : 1794   14
18 BG Göttingen 1539 : 1879   4
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