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12. April 2011

Fußballprofis mit Herzschäden : Beschädigte Pumpen

 Von Ronald Reng
Sergio Sanchez (links) wagte eine Operation und kann nun wieder seinem Beruf als Fußballprofi nachgehen.  Foto: rtr

In Spanien gibt es eine Häufung von Herzerkrankungen bei Fußballprofis. Zwei Profis starben gar. Sergio Sánchez Ortega hatte Glück: Nach einer komplizierten Operation konnte er gar wieder aufs Feld zurückkehren.

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Im Mai 2010 erklärte Sergio Sánchez mit seiner Unterschrift, er, Sergio Sánchez Ortega, von Beruf Fußballprofi, wohnhaft in Sevilla, wisse, dass er nun sterben könne. Dann begann Hans-Hinrich Sievers, Herzchirurg am Universitätsklinikum Lübeck, die Operation, um einen kleinen Riss der Aorta direkt am Herz mit Sánchez’ körpereigenem Gewebe zu schließen. Sánchez’ Eltern hatten gefleht, der Sohn solle die Operation nicht riskieren, er könne mit der Mikroverletzung doch weiterleben, er müsste nur auf körperliche Anstrengungen wie das Fußballspielen verzichten. „Aber ich vermisste die Person, in die ich mich verwandelte, wenn ich Fußball spielte“, erzählte Sánchez der Zeitung El País. „Ich ließ mich aus Liebe zum Fußball operieren.“

Ein Jahr danach ist Sergio Sánchez, 25, ein Profi unter gleichen im Training des zweimaligen Uefa-Cup-Gewinners FC Sevilla. Die fünfstündige Operation in Lübeck verlief erfolgreich, und so wurde Sánchez die glückliche Ausnahme unter den ungewöhnlich häufigen Fällen von Herzerkrankungen im spanischen Fußball in jüngster Zeit: der einzige, der in sein Sportlerleben zurückkehren konnte. Antonio Puerta von Sevilla und Dani Jarque von Espanyol starben am plötzlichen Herztod. Real Madrids Europameister Rubén de la Red und Miguel García vom Zweitligisten Salamanca konnten von den Ärzten ins Leben zurückgeholt werden, nachdem sie mit Infarkten mitten im Spiel zusammengebrochen waren. Ihren Beruf mussten sie aufgeben.

Banale verschleppte Grippe wohl häufiger Ursache

Es sind zu viele Fälle, um sich nicht zu fragen, ob Medikamentenmissbrauch eine Ursache sein könnte. Zweifelsohne kann Doping das Herz schädigen, Wachstumshormone lassen die Wände der Herzkammer anschwellen, die Herzhöhle wird folglich zusammengepresst. Doch zumindest der am besten untersuchte spanische Fall, der von Sergio Sánchez, bestätigt die Annahme vieler Mediziner, dass beim Herzversagen junger Sportler angeborene Herzfehler oder eine banale verschleppte Grippe häufiger als Doping die Ursachen sind.

Sergio Sánchez trainierte weiter, als er sich im Winter 2009 fiebrig fühlte, ein Profi musste doch hart sein. Er verschleppte die Grippe. So entzündete sich der Herzmuskel. Am Ausgang der überforderten Aorta trat ein Riss auf. In dieser Situation hatte Sánchez das grausame Glück, dass Antonio Puerta schon gestorben war. Traumatisiert von dem Tod, checkt der FC Sevilla die Herzen seiner Spieler seitdem besonders sorgfältig. So wurde Sánchez’ Herzschädigung rechtzeitig entdeckt, bevor er einen Infarkt erlitt.

Sergio Sánchez spielte sechs Monate nach der Operation zum ersten Mal wieder für Sevilla. Dann nahm er Ende Februar vor der Europacuppartie in Porto ohne Rücksprache mit den Ärzten wegen einer Erkältung ein Medikament, das Ephedrin enthielt. Das steht auf der Dopingliste. Als Sánchez sein sorgloses Herumdoktern schließlich dem Teamarzt offenbarte, wurde hektisch ein interner Bluttest angeordnet. Sein Ephedrinwert lag unter der Dopinggrenze. Aber der Zorn des Trainers über Sánchez’ Gedankenlosigkeit trug dazu bei, dass er seitdem nicht mehr in der Startelf stand. Sein geheiltes Herz blieb ein unbedarftes Herz.

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