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25. September 2012

Fußballverband: Korruption in der Fifa

 Von Jens Weinreich
Schon zur WM 2006 bei der Losziehung an exponierter Stelle: Jérôme Champagne will Sepp Blatter ablösen.  Foto: getty images

Munter tagen auch die bestechlichen Weltfußballfunktionäre der Fifa ungehindert weiter mit in der Schweiz

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Lord Triesman hat sich mal wieder zu Wort gemeldet. David Triesman, einst Präsident des englischen Fußballverbandes (FA), hatte in den vergangenen Jahren mit Berichten über Korruption im Weltverband Fifa Schlagzeilen gemacht. Allerdings konnte Triesman, Mitglied des House of Lords, seine Vorwürfe nicht belegen. „Die Fifa ist nicht in der Lage, Korruption wirksam zu bekämpfen“, sagte Triesman nun auf einem Sportmanagement-Kongress in Aalborg (Dänemark). „Ich glaube nicht an Veränderungen. Die Führung muss abtreten, sonst ändert sich nichts. Korruption steht in der DNA dieser Leute.“

Einen Kollektiv-Rücktritt zu fordern, sei populistisch, hielt der Fifa-Vorständler Theo Zwanziger in Aalborg dagegen. Triesmans Forderung mache „keinen Sinn“, sagte der ehemalige DFB-Präsident. „Wenn man alle rausschmeißt, ist das Problem nicht gelöst. Dann hat man immer noch die Strukturen – die müssen verändert werden.“ Auch der Basler Strafrechtsprofessor Mark Pieth hält nicht viel von Triesmans Argumenten. „Er hat seine Vorwürfe leider nicht belegt“, sagt Pieth, der für viel Geld bis zum kommenden Jahr am sogenannten Reformprogramm der Fifa werkelt.

Als wäre nichts gewesen

In Kürze will Pieth sich mit dem ehemaligen US-Bundesstaatsanwalt Michael Garcia treffen, der seit Juli als Chef der Ermittlungskammer der Fifa-Ethikkommission amtiert. Garcia gab ein einige windelweichen Versprechen. Aber man weiß nicht recht, was er bisher getan hat. Die Unterlagen zum ISL-Bestechungssystem liegen ihm vor. Was nichts daran ändert, dass diese Woche in Zürich zwei ISL-Schmiergeldempfänger an den Sitzungen der Fifa-Exekutive teilnehmen, als wäre nichts gewesen: Südamerikas Konföderationschef Nicolas Leoz (Paraguay) und Afrikas Fußball-Supremo Issa Hayatou (Kamerun).

Hayatou, seit 1988 Boss von Afrikas Konföderation CAF, sicherte sich gerade seine Wiederwahl durch eine absurde Statutenänderung: Als CAF-Chef können nur Mitglieder des CAF-Präsidiums kandidieren. Ein anderer Funktionär mit Korruptions-DNA heißt Julio Grondona. Er wurde von der Junta 1979 als argentinischer Fußballpräsident installiert und nennt sich Senior Vice President der Fifa.

Grondona, Fifa-Finanzchef, unterhält märchenhafte Schwarzgeldkonten, die mit mehr als 120 Millionen Dollar gefüllt sind. Woher das Geld stammt, weiß niemand. Grondona gilt im Reich des Fifa-Bosses Joseph Blatter als Ehrenmann. Mark Pieth hatte seine Auseinandersetzungen mit Grondona & Co. Der Junta-Mann hat die Einsetzung des Fifa-Ermittlers Luis Moreno Ocampo verhindert, den Pieth eigentlich anstelle von Garcia gewinnen wollte.

Eine Alternative zu Blatter

Es gibt auch eine Alternative zum ewigen Präsidenten Joseph Blatter: Jérôme Champagne, der zwölf Jahre in Blatters Diensten stand, bis er 2010 auf Drängen einiger Exekutivler entlassen wurde, weil er zu einflussreich geworden war. Der Franzose, ausgebildeter Diplomat, hat als Fifa-Direktor für Internationales Eindruck hinterlassen und viele Krisenherde gelöscht. Nun wendet er sich zum zweiten Mal in diesem Jahr in einem offenen Brief an alle Nationalverbände und Fifa-Mandatsträger. Champagne will die Macht des Präsidenten stärken und die kontinentalen Blöcke im Exekutivkomitee auflösen. Gleichzeitig plädiert er dafür, das Kräfteverhältnis im Weltfußball anzupassen. „Bisherige Zustände schützen und zementieren Ungleichgewicht und Hegemonien“, schreibt er. Die automatische Fifa-Vizepräsidentschaft der britischen Verbände müsse aufgehoben werden. Europa sei im Exekutivkomitee mit acht Sitzen gegenüber Afrika und Asien eklatant überrepräsentiert.

Das kommt immer gut an. Da bringt sich jemand in Stellung. Champagne ist ein Realpolitiker, kein Träumer. Anders als etwa Lord Triesman beherrscht er das Vokabular der Fifa.

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