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19. Februar 2013

Galatasaray - Schalke 04: Königsblaue Finanznot

 Von Daniel Theweleit
Schalke-Manager Horst Heldt. Foto: dpa/Andreas Gebert

Droht Schalke der finanzielle Kollaps? Die Personalkosten sollen höher sein als die der Dortmunder und ob die Königsblauen nächste Saison international vertreten sind, ist alles andere als sicher. Das Geld aus der Champions League wird bitter benötigt.

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Istanbul –  

Dem zerbeulten Image von Schalke 04 waren die Meldungen, dass der Klub plant, demnächst mit Jupp Heynckes über eine künftige Zusammenarbeit zu sprechen, sicher nicht zuträglich. Sollte der taumelnde Traditionsklub nämlich ernsthaft an einer Zusammenarbeit mit dem altersweisen Trainer, der sein Amt beim FC Bayern im Sommer an Pep Guardiola übergeben wird, interessiert sein, war mal wieder jemand indiskret in Gelsenkirchen. Oder in Rheda-Wiedenbrück, wo Klub-Patron Clemens Tönnies residiert. „Wir werden diese Dinge nicht mehr kommentieren“, sagte Manager Horst Heldt vor dem Champions-League-Spiel der Schalker bei Galatasaray Istanbul genervt. Heynckes teilte geschmeichelt mit, er nehme derlei Gedankenspiele „ganz relaxed zur Kenntnis“.

Keller, die blasse Zwischenlösung

Die ungeklärte Frage, wer in der kommenden Saison den Trainerposten des Traditionsvereins bekleiden darf, wird wohl noch eine Weile Spekulationen, Halbwahrheiten und Fehlinformationen in die Welt befördern. Jens Keller, die blasse Zwischenlösung, darf wohl kaum weiter machen, Roberto di Mateo gilt weiter als Kandidat, Armin Veh sowieso, Stefan Effenberg und Thomas Tuchel eher nicht. Es ist die Zeit des Name-Dropping. Wer auch immer am Ende ein ernsthaftes Vertragsangebot erhält, ist indes klug beraten, vor dem Zuschlag einmal bei Felix Magath und Ralf Rangnick anzurufen. Bei diesen Herren ist nämlich zu erfahren, welche Tücken der Trainerjob auf Schalke in einem Jahr birgt, in dem der Klub nicht in der Champions League spielt. Und eine erneute Qualifikation erscheint derzeit ja eher unwahrscheinlich.

Im Herbst 2009 musste Magath feststellen, dass die finanzielle Lage erheblich dramatischer war, als er bei seinem Amtsantritt dachte. In seiner Not wurde der damalige Trainermanager beim Bürgermeister von Gelsenkirchen vorstellig, bat um Hilfe, und erhielt am Ende 25,5 Millionen Euro von der städtischen Gesellschaft für Energie und Wirtschaft GEW. Ohne diese Finanzspritze hätte der Klub die Saison wohl nicht finanzieren können. Und zwei Jahre danach unter Rangnick, als die Königsklasse erneut verpasst worden war, konnten die laufenden Kosten nur durch die gut 20 Millionen Euro gedeckt werden, die der FC Bayern für Manuel Neuer ins Revier überwies. In der zweiten Jahreshälfte 2013 droht ein ähnliches Szenario.

Gehälter in gespenstischen Dimensionen

Wie der Kader ohne die üppigen Einnahmen aus der Königsklasse bezahlt werden soll, ist derzeit nämlich schwer vorstellbar. Der Etat für Gehälter und Prämien bewegt sich immer noch in gespenstischen Dimensionen, deutlich über 50 Millionen Euro. Man könne sicher sein, dass der FC Schalke „in der nächsten Saison auch Fußball spielen werde“, weicht Heldt Fragen nach der monetären Zukunft aus. Neulich hat er in einem Interview mit der Westdeutschen Zeitung eher beiläufig erwähnt, dass die Dortmunder „mit ihren Personalkosten vermutlich auch nicht so weit weg sind“, vom Niveau der Schalker. Das BVB-Team, das mittlerweile zum Kreis der ernsthaften Anwärter auf den Champions-Leauge-Titel zählt, ist offenbar günstiger als die sportlich deutlich schwächere Truppe aus Gelsenkirchen.

Dabei müht Heldt sich mit großem Engagement, das Problem in den Griff zu kriegen. Die namhaftesten Neuzugänge Ibrahim Afellay, Michel Bastos und Raffael wurden nur ausgeliehen, damit sie im Sommer problemlos von der Gehaltsliste gestrichen werden können. Außerdem wurden zuletzt ausschließlich ablösefreie Spieler verpflichtet, Heldt erklärte das mit dem „Konsolidierungskurs“, den er eingeschlagen habe, die Schulden sollen sinken. Aber ein wenig wirken Heldts Aktivitäten auch, als spare er für das Jahr der Dürre, das möglicherweise bevorsteht.

Hoffnung Huntelaar

Die Kosten für die Angestellten zu senken ist nämlich äußerst kompliziert, Gehälter sind ein extrem träger Faktor. Sie steigen bei Erfolg nur langsam, wie in Dortmund erkennbar, weil Verträge oft lange laufen. Und sie lassen sich nur unter größten Anstrengungen senken. So kehren im kommenden Sommer verliehene Spieler wie Anthony Annan, Sergio Escudero und Manuel Jurado (der alleine verdient ein Grundgehalt von fast vier Millionen Euro) zurück. Und da am Saisonende nur die Verträge von Christoph Metzelder und Ciprian Marica auslaufen, wird der Klub in der kommenden Saison gewaltige Summen an Spieler überweisen, die derzeit nicht den Eindruck erwecken, in eine Spitzenmannschaft zu gehören.

Schalke hat unter Felix Magath einen extrem teuren Champions-League-Kader zusammengekauft, und das lässt sich nicht so einfach korrigieren. Die einfachste Lösung ist da sportlicher Erfolg, in der Bundesliga und in der Champions League mit ihren schönen Prämien. Auch deshalb ist die Erleichterung groß, dass sich das Blutgerinsel im Auge von Klaas-Jan Huntelaar sich zurückgebildet hat. Der Stürmer wird wohl spielen können.

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