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15. Januar 2016

Gladbach-Sportdirektor Max Eberl: Keine Angst vor dem Ausverkauf

 Von Frank Hellmann
Denkt viel nach: Max Eberl, Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach.  Foto: imago/DeFodi

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl hat in den vergangenen Jahren Borussia Mönchengladbach zu einer Topmannschaft geformt. Leistungsträger zu ersetzen bereitet ihm keine Probleme. Mit Granit Xhaka plant er allerdings noch länger.

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Das Trainingslager im türkischen Belek ist seit Donnerstag für Borussia Mönchengladbach Geschichte, nun liegt der Fokus beim Bundesliga-Vierten ganz auf dem Rückrundenauftakt bei Borussia Dortmund. Sportdirektor Max Eberl muss beim Traditionsverein vom Niederrhein mehr denn je weiterdenken. Der 42-Jährige weicht unbequemen Themen nicht aus.

Während Ihres Trainingslagers ist in Istanbul ein Anschlag verübt worden. Waren Sie froh, wieder heil zu Hause zu sein?
Eigentlich nicht mehr und nicht weniger als sonst, wenn man auf Reisen war. Es ist immer schön, wenn man gesund zurück nach Hause kommt.

Haben Sie Angst gehabt?
Wir haben natürlich mitbekommen, was in Istanbul passiert ist. Aber wir haben in Belek keine Angst gehabt, man hatte nicht das Gefühl, dass es eine konkrete Gefahr gibt.


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Der Touristenregion rund um Antalya drohen wegen der politischen Verwerfungen mit Russland schwierige Zeiten. Wäre es schlimm, wenn es Belek als Wintergarten des deutschen Fußballs nicht mehr gäbe?
Es wäre auf jeden Fall ein Verlust. Nicht jeder Verein kann sich irgendwo auf der Welt ein Trainingslager mit so perfekten Bedingungen buchen, wie es sie an der türkischen Südküste gibt. Viele müssen schauen, dass die Kosten im Rahmen bleiben.

Spüren Sie, dass die Politik viel näher an den Sport rückt, als Ihnen das eigentlich lieb ist?
Man merkt es auch an den öffentlichen Diskussionen, die sich um die Trainingslager in Katar, Dubai oder Abu Dhabi ranken. Da werden Politik und Sport auch eng verbunden.

Spätestens mit der Absage des Länderspiels in Hannover war der Fußball auch ein Teil der Diskussion um die Terrorakte. Das zweite große Thema hierzulande ist die Flüchtlingskrise. Was kann ein Bundesligist in solch unruhigen Zeiten machen?
Der Sport hat zuerst einmal die große Chance, die Menschen zu verbinden. Deshalb haben die Bundesligisten einige Aktionen initiiert, auch Flüchtlinge unterstützt und ins Stadion geholt. Der Sport wird die Probleme nicht lösen, aber er kann sie lindern oder darauf aufmerksam machen. Dabei ist aber wichtig, dass der Fußball sich nicht politisch positioniert.

Was hat Ihr Klub konkret getan?
Wir haben neben unserem Stadion ein Spiel gegen Flüchtlinge gemacht, wir haben die Familien eingeladen, zusammen gegrillt und gegessen. Gegen Augsburg waren Flüchtlinge dann auch in den Borussia-Park eingeladen.

Sie haben den Syrer Mahmoud Dahoud in Ihren Reihen, einen Spieler, der viel Aufmerksamkeit erregt. Er hat sich aber bislang gar nicht zu der Flüchtlingsthematik geäußert. Warum nicht?
Mo kam bereits in sehr jungen Jahren nach Deutschland und ist schon sehr lange hier. Ich glaube, dass er diese Flucht gar nicht so sehr wahrgenommen hat. Er möchte sich zu dieser Thematik zurückhalten, weil diese Geschichte direkt seine Familie betrifft. Er ist auch noch sehr jung, das müssen wir auch berücksichtigen.

Es gäbe aber die Möglichkeit, über die vereinseigenen Medien dazu mehr preiszugeben.
Ihn jetzt ins Schaufenster zu stellen, weil dieses Thema jetzt jeden interessiert – das wollen wir nicht. Es würde nicht helfen, wenn wir aus Effekthascherei ihn da in eine Rolle drängen. Seht her, wir haben einen Syrer, der jetzt darüber redet. Wir tun gut daran, dass wir ihn zuerst als sehr guten Fußballer wahrnehmen, der uns in der Hinrunde sehr geholfen hat.

Mahmoud Dahoud, syrischer Spieler in Gladbach. „Wir tun gut daran, dass wir ihn zuerst als sehr guten Fußballer wahrnehmen, der uns in der Hinrunde sehr geholfen hat.“  Foto: REUTERS

Damit gelingt Ihnen der Übergang: Was geben Sie für die Rückrunde als Zielsetzung aus?
Erst einmal geht es um einen einstelligen Tabellenplatz. Ich werde keine offensivere Zielsetzung ausgeben als im Vorjahr.

Aber Ihnen hat doch die Champions League sehr viel Spaß gemacht und eine Menge Geld gebracht. Wollen Sie da nicht wieder hin?
Natürlich wäre es ein Traum, so etwas wieder zu erleben. Aber ein Verein, der von den vergangenen 20 Jahren allein 15-mal mehr mit dem Abstieg als mit dem Europapokal zu tun hatte, der geht einen falschen Weg, wenn er sich das zum erklärten Ziel macht.

Für den Frankfurter Vorstandsboss Heribert Bruchhagen gehören Sie schon zu den Großen.
Das ist doch wunderbar, dass wir zeigen, dass man sich hocharbeiten kann und die Liga nicht zementiert ist. Aber dieser Prozess läuft erst zwei Jahre. Wir sind gesund gewachsen – ohne externe Zuschüsse, sondern mit Erfolgen. Und wir versuchen jetzt, die Mittel sehr vernünftig einzusetzen. Aber wir können in der Kürze nicht aufholen, was sich andere über Jahrzehnte aufgebaut haben. Mal salopp gesagt: Mit den ganz Großen können wir noch nicht mitpinkeln.

Im Abstiegskampf finden sich gerade Klubs wie Werder Bremen und der VfB Stuttgart. Deren Absturz ist darin begründet, nach den seligen Champions League-Zeiten einen teuren Kader nicht mehr unterhalten zu können. Wie können Sie so etwas vermeiden?
Diese Beispiele habe ich immer vor Augen. Durch den sportlichen Erfolg steigt auch unser Gehaltsgefüge, aber unser Credo bleibt, den Kader auch ohne Europapokaleinnahmen bezahlen zu können. Meine Kollegen Horst Heldt und Klaus Allofs haben damals sicher genauso weitsichtig gedacht, aber speziell Werder ist so oft in die Champions League gekommen, dass sich dort eine Haltung aufgebaut hatte, mit den Einnahmen zu planen. Wenn sie dann aber zwei Jahre ausbleiben, entstehen Probleme. Es gibt kein Wundermittel, dieses Risiko zu minimieren.

Werden Sie einen Granit Xhaka halten können, wenn einer der Großen richtig ernst macht?
Sportlicher Erfolg steht für uns an erster Stelle. Für uns gibt es keine Schmerzgrenze. Wir haben auch über den nächsten Sommer hinaus bei Granit das Heft des Handelns in der Hand. Aber wenn irgendwelche horrenden Summen im Raum stehen und der Spieler zu uns sagt, er will den nächsten Schritt machen, dann müssen sich beide Seiten tief in die Augen sehen. Es wird sich aber nichts Überraschendes ereignen.

Nervt der ewige Umbruch eigentlich?
Als ich meinen Vertrag für fünf Jahre verlängert habe, geschah das in dem Wissen, dass immer wieder Topspieler Borussia Mönchengladbach verlassen könnten. Trotzdem haben wir es nach allen Verlusten geschafft, stabil zu bleiben.

Kurz vor dem Jahreswechsel hat die Liga schon darüber gestritten, wie das TV-Geld verteilt werden soll. Einige Traditionsvereine wollen einen Teil nach anderen Kriterien als sportlichem Erfolg verteilen. Wie positioniert sich die Borussia dazu?
Wir sind grundsätzlich für die Solidarität. Zu dem anderen Vorschlag habe ich persönlich noch keine Meinung. Ich sage nur: Wir Traditionsvereine dürfen uns auch nicht verstecken. Wir können nicht sagen, wir haben aufgrund unseres langen Bestehens ein Vorrecht. Die Welt hat sich geändert, sie ist globaler geworden. Es gibt eben andere Varianten, die Vereine zu führen und zu finanzieren. Bayern München ist doch ein Traditionsverein, der sich selbst in diese Führungsposition gebracht hat. Daher verstehe ich die Debatte nicht immer.

RB Leipzig drängt wohl bald als weiterer fremdfinanzierter Verein in die Bundesliga, der recht rasch in die Gefilde vorstoßen möchte, in denen sich Ihr Verein bewegt. Sollte dann nicht endlich auch die „50+1“-Regel fallen?
Wenn RB aufsteigt, werden sie versuchen, gnadenlos nach oben zu marschieren. Aber das haben wir zu respektieren, deshalb will ich nur über unseren Verein reden: Wir werden kein Mäzenatentum haben. Auch strategische Partnerschaften wären nur auf Basis einer vernünftigen Zusammenarbeit möglich. Auf jeden Fall sind wir bei Borussia ausdrücklich für die Beibehaltung der 50+1-Regel.

Viele Kollegen sehen eine Lawine auf die Bundesliga zurollen, wenn die Premier League ihre TV-Milliarden auf dem Kontinent verteilt. Spüren Sie das schon?
Man merkt die Entwicklung definitiv, wenn man über Gehälter mit Spielern spricht, die für England eine Rolle spielen könnten. Ein Havard Nordtveit ist für die Premier League interessant, weil er bei Arsenal ausgebildet wurde. Er wird sicherlich Angebote haben, die jenseits unserer Offerte liegen. Wir werden die Entwicklung in England im Sommer in einer gravierenden Art und Weise spüren.

Kann sich die Liga irgendwie dagegen wappnen?
Ich bin da sehr nahe beim Mainzer Manager Christian Heidel: Wir müssen hier so gute Spieler entwickeln, dass englische Vereine bereit sind, dafür unfassbare Summen auszugeben. Damit würden wir deren TV-Gelder nach Deutschland schaffen.

Kommen Ihnen bei diesen Unsummen mitunter moralische Bedenken?
Es gibt Momente, in denen ich mich manchmal frage, über was reden wir gerade? Das ist doch nur Fußball. Die Frage, was ein Mensch wert ist, stellt sich bei Beträgen von 60, 70 Millionen für einen Spieler wirklich manchmal.

Läuft der Fußball damit nicht noch mehr Gefahr, sich von seiner Basis zu entfernen?
Wir sollten nicht wie Eisblöcke über diese Zahlen hinweggehen. Daher ist es durchaus wichtig, diese Diskussionen über unmoralische Angebote auch zu führen.

Ein Verein in England könnte ja auch mal auf die Idee kommen, Ihnen ein unmoralisches Angebot zu machen.
Ehrlich: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich habe meinen Vertrag sehr bewusst verlängert und fühle mich in dem Verein unfassbar wohl. Ich bin ein Mensch, der selbst in den Spiegel schauen muss. Und ich sehe einen Verein, der mir eine einmalige Chance gegeben hat. Dafür möchte ich durch gute Arbeit möglichst viel zurückgeben.

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