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18. Januar 2013

Handball-WM: Deutsche besiegen favorisierte Franzosen

 Von Tino Scholz
Warf drei Tore: Michael Haaß (m.).  Foto: imago

Deutsche Tugenden: Die deutschen Handballer liefern eine Gala-Vorstellung gegen den haushohen Favoriten und Olympiasieger Frankreich ab - und ziehen als Gruppensieger ins Achtelfinale der Handball-WM ein.

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Deutsche Tugenden: Die deutschen Handballer liefern eine Gala-Vorstellung gegen den haushohen Favoriten und Olympiasieger Frankreich ab - und ziehen als Gruppensieger ins Achtelfinale der Handball-WM ein.

Barcelona –  

Stefan Kretzschmar hatte eine Frage. Sie richtete sich an Claude Onesta, den Trainer der französischen Nationalmannschaft. Kretzschmar, der ehemalige Auswahlspieler, wollte wissen, ob Onestas Team die letzte Gruppenpartie bei dieser Handball-WM gegen Deutschland wirklich ernst genommen hatte. Denn kurz zuvor war Außergewöhnliches geschehen: Das deutsche Team hatte den Olympiasieger und aktuellen Weltmeister 32:30 (16:16) besiegt. Kretzschmars Frage implizierte, dass die Franzosen gegen die Deutschen nicht alles gegeben hatten, auch weil der wichtige Angreifer William Accambray erst in der Schlussphase eingewechselt worden war. „Wir wollten gewinnen. Aber es ist nicht nach Plan verlaufen“, antwortete Onesta.

Kretzschmar, der den französischen Coach schon lange kennt, lächelte süffisant. Es war eine Diskussion, die man nach diesem Spiel durchaus führen konnte. Die Franzosen, die Überflieger des vergangenen Jahrzehnts, waren im gesamten Spiel äußert pomadig, sie hatten die DHB-Auswahl durch einige Unpässlichkeiten wiederholt zum Sieg eingeladen. Dass die Spieler von Bundestrainer Martin Heuberger dieses Angebot aber auch annahmen, zeugte von großer Klasse und bedeutete den bisherigen Höhepunkt ihrer Entwicklung bei dieser WM. „Mein Team konnte ohne Druck aufspielen, ich bin sehr stolz auf sie“, sagte Heuberger. „Sie hat mich wirklich überrascht.“

Sein Team zog durch diesen Sieg als Gruppenerster ins Achtelfinale ein, der Gegner ist am Sonntag (15.45 Uhr/ZDF) Mazedonien. Heuberger fordert nun: „Am Sonntag wollen wir ins Viertelfinale einziehen.“

Dass die DHB-Auswahl zu solch einer Vorrunde fähig sein würde, hatten im Vorhinein nur die wenigsten Experten für möglich gehalten. Die Mannschaft sei zu unerfahren, es fehlten die Topspieler Holger Glandorf, Lars Kaufmann und Uwe Gensheimer. Doch der Teamgeist, den diese neu formierte Mannschaft in Spanien präsentiert, vermag anscheinend die spielerischen Defizite zu überdecken. Sie definiert sich vor allem über das kämpferische Element, über eine gute Defensive. Das mussten auch die Franzosen leidvoll erfahren. „Deutschland hat uns von Beginn an sehr gut unter Druck gesetzt“, sagte der französische Torwart Thierry Omeyer vom THW Kiel.

Spiel wie im Rausch

Dennoch, über das gesamte Spiel wirkte es, als könnten die Franzosen jederzeit zulegen, während das deutsche Team am Limit agierte. Deshalb spielten beide Mannschaften auf demselben Level, zur Pause stand es dem Spielverlauf angemessen 16:16. Claude Onesta versuchte es in der zweiten Hälfte mit einem Torwartwechsel, er brachte Daouda Karaboué für Omeyer, der nur zwei von 18 Bällen hatte parieren können. Doch es half nichts: Die deutsche Mannschaft begann mit einem 3:0-Lauf, sie schaffte es, die Franzosen weiter zu verunsichern. „Irgendwann“, sagte Spielmacher Michael Haaß, „hatten wir dann das Gefühl, dass hier heute was möglich sein würde.“

Spätestens in der 47. Minute, als die DHB-Auswahl sogar 27:22 führte, spielte sie sich in einen Rausch. Nur am Ende wurde es eng. Weil sich die deutschen Spieler ein paar unkonzentrierte Aktionen zu viel leisteten, kamen die Franzosen noch mal bis auf ein Tor heran – mehr gelang allerdings nicht mehr.

Im Anschluss an die Partie waren sich dann alle Beteiligten einig, dass die WM erst jetzt mit dem K.-o.-Modus so richtig beginnen würde. Dann wird sich zeigen, wie gut sich die deutsche Mannschaft in einem Alles-oder-Nichts-Spiel behaupten kann. Der französische Weltklassespieler Nikola Karabatic sagte: „Jetzt musst du wahre Größe beweisen. Denn wenn du verlierst, bist du ganz schnell wieder zu Hause. Und alles, was vorher war, interessiert keinen mehr.“

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