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23. Januar 2013

Handball-WM: Neue Indizien belasten Karabatic

 Von Tino Scholz
Handballprofi Karabatic. Foto: Bongarts/Getty Images

Vor dem WM-Viertelfinale könnte es für Frankreichs Ausnahmehandballer und ehemaligen Star des THW Kiel ungemütlich werden. Nach den Handball-Brüdern Karabatic gerät unversehens ihr gesamtes Meisterteam unter Manipulationsverdacht.

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Vor dem WM-Viertelfinale könnte es für Frankreichs Ausnahmehandballer und ehemaligen Star des THW Kiel ungemütlich werden. Nach den Handball-Brüdern Karabatic gerät unversehens ihr gesamtes Meisterteam unter Manipulationsverdacht.

Saragossa –  

Vor zwei Tagen noch lief Nikola Karabatic entspannt durch das Teamhotel der französischen Handball-Nationalmannschaft, meist hatte er sein Handy am Ohr. Was der Weltklassespieler Karabatic da besprochen hat, bleibt sein Geheimnis. Bekannt ist, dass das Smartphone neu ist, denn das alte, das er vor etwa vier Monaten besessen hat, befindet sich bei der Staatsanwaltschaft von Montpellier. Die hat darauf belastendes Material entdeckt, das Nikola Karabatic nun in arge Bedrängnis bringen könnte.

Der Handballprofi steht im Verdacht, vergangenen Mai zusammen mit seinem Bruder Luka und weiteren Spielern von Montpellier AHB ein Spiel der französischen Liga bei OC Cesson-Sevigne verschoben zu haben. Die Verdächtigen sollen auf einen Halbzeitrückstand und eine Niederlage von Montpellier, das damals als Meister feststand, eine Summe im hohen fünfstelligen Bereich gesetzt haben. Tatsächlich verlor MAHB sensationell 28:31 beim abstiegsbedrohten Klub aus Cesson, allerdings ohne die verletzten Karabatic-Brüder. Rund 300 000 Euro haben die Beteiligten dadurch eingenommen, im schlimmsten Fall drohen ihnen wegen Betrugs und Korruption bis zu fünf Jahre Haft.

Ganz unten

Wieder mal blamiert: Einmal mehr haben Australiens Handballer mit ihren Auftritten bei der Weltmeisterschaft in Spanien die Frage provoziert, ob Ozeaniens Anspruch auf einen festen Startplatz noch gerechtfertigt ist. Beim Spiel um den vorletzten Platz unterlagen die Amateure aus Down Under den Chilenen 23:32. Vor einer Woche hatte das überforderte Team von Trainer Taip Ramadani im Spiel gegen die Gastgeber sogar ein 11:51 möglich gemacht. Zur Freude der Statistiker, die einen Rekord vermerken durften, zum Ärger von Ramadani.

Wieder mal gefordert: Ramadani hatte vor dem Turnier ja noch geglaubt, dass seine Mannschaft nach einem von ihm in die Wege geleiteten Verjüngungsprozess erstaunliche Fortschritte gemacht habe. Nun musste er Folgendes gestehen: „Der Abstand zwischen Europa und Australien wird immer größer. Wir brauchen Unterstützung, sonst haben wir keine Chance.“ Er fordert einen Anschluss der Ozeanien-Qualifikationsrunde an die asiatische. Ein Plan, dem bislang allerdings sportpolitische Hintergründe entgegenstehen.

Das Spiel verschoben zu haben, bestreiten die Profis bis heute vehement. Während Luka Karabatic zumindest einräumt, gewettet zu haben, beteuert Nikola, es nicht getan zu haben – sondern seine Freundin Geraldine Pillet. Er sei allerdings informiert gewesen, ließ Nikola Karabatic verlauten, was eine Dummheit gewesen sei, aber keine Straftat.

Der Bruder als Kassenwart

Laut der Tageszeitung Midi-Libre haben die Ermittler in Montpellier nun herausgefunden, dass Karabatic am Vorabend des Spiels bei Cesson die Smartphone-App „Parions Sport“, eine Plattform des Wettanbieters Française des Jeux, heruntergeladen habe. Den folgenden Morgen eingerechnet, soll er bis zu zwei Stunden mit der Anwendung verbracht haben. Laut Midi-Libre könne nachgewiesen werden, dass Karabatic seine Freundin Pillet bei der Wette zumindest unterstützt hat. Dadurch würde seine Verteidigung arg erschüttert.

Nikola Karabatic, der mit Frankreich gestern Abend im WM-Viertelfinale auf Kroatien traf (Spiel bei Redaktionsschluss nicht beendet), muss am 29. Januar wieder vor der Staatsanwaltschaft aussagen. Der Termin sorgte am Rande der Weltmeisterschaft für Aufsehen, weil er nur zwei Tage nach dem Finale der Titelkämpfe stattfindet. Durch die neue Beweislast wird klarer, warum in dieser Sache Eile gefragt ist. Die Verhöre der ersten Verdächtigten beginnen heute, unter anderem werden sich Geraldine Pillet, Luka Karabatic und Jenifer Priez, Lukas’ Freundin, erklären müssen.

Nicht nur für Nikola Karabatic, auch für seinen Bruder Luka dürfte es demnächst noch etwas ungemütlicher als ohnehin schon werden. Laut Midi-Libre prüft die Staatsanwaltschaft Montpelliers, ob für den Wetteinsatz auch Geld aus der Mannschaftskasse des Klubs verwendet wurde. Deren Wart in der vergangenen Saison war Luka Karabatic.

Bis zu 6 000 Euro hätten sich darin angeblich befunden, Geld, das normalerweise für eine kleine Feier oder eine Mannschaftsreise genutzt wird. Aufgeworfen wird dadurch nun die Frage, ob Luka Karabatic im Alleingang handelte oder im Wissen der anderen, unverdächtigen Spieler. Träte Szenario zwei ein, würde plötzlich die gesamte Mannschaft in den Wettskandal gezogen – und das Ausmaß dieser nebulösen Affäre ungleich größer.

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