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25. Januar 2013

Handball-WM: Vertrauen in die Handball-Jugend

 Von Tino Scholz
Breakdance mit Ball: Deutschlands Kreisläufer Patrick Wiencek. Foto: Bongarts/Getty Images

Trotz des Ausscheidens im Viertelfinale der Handball-WM geht es aufwärts mit den deutschen Handballern: Die tolle Entwicklung des Teams im Turnier ist ausbaufähig. Bundestrainer Heuberger will deshalb verstärkt auf den Nachwuchs setzen.

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Trotz des Ausscheidens im Viertelfinale der Handball-WM geht es aufwärts mit den deutschen Handballern: Die tolle Entwicklung des Teams im Turnier ist ausbaufähig. Bundestrainer Heuberger will deshalb verstärkt auf den Nachwuchs setzen.

Saragossa –  

Die WM endete für die deutsche Handballnationalmannschaft im Dunkeln. Gestern Morgen gegen 5.30 Uhr trotteten die ersten Spieler gedankenversunken und völlig übermüdet vom Teamhotel in die verregnete Nacht von Saragossa, in der schon der Bus wartete, der sie Richtung Flughafen Madrid bringen sollte. Dass sie dabei knapp einen torkelnden Spieler Spaniens verpassten, der den 28:24-WM-Viertelfinalsieg vom Vorabend wohl ein wenig zu lang gefeiert hatte, dürfte ihnen aber herzlich egal gewesen sein. Denn noch immer schien das Weltmeisterschafts-Aus nicht ganz verdaut zu sein, die Nationalspieler und auch Bundestrainer Martin Heuberger traten mit gemischten Gefühlen ihre letzte Reise dieser WM an. „Ich bin noch immer etwas traurig, wir haben ein gutes Spiel gegen die Spanier abgeliefert“, sagte Heuberger. „Trotzdem lässt sich auf der tollen Entwicklung der Mannschaft bei diesem Turnier aufbauen.“

Nach den vergangenen drei Jahren, als die Auswahl bei Welt- und Europameisterschaften nur Zehnter, Elfter sowie Siebter wurde und gar die Olympischen Spiele von London verpasste, zeigt der Trend nun wieder nach oben. Die vor der WM als Gurkentruppe verschriene Mannschaft mit sieben Neulingen hat sich mehr als achtbar geschlagen, sie wird das Turnier, so viel steht bereits fest, aufgrund der Vorrundenergebnisse als Fünfter beenden. Heubergers Mannen überraschten sogar teilweise, etwa mit ihrem 32:20 gegen den im Viertelfinale gegen Kroatien ausgeschiedenen Olympiasieger Frankreich. Es entwickelte sich über das gesamte Turnier hinweg eine Eigendynamik, die nun transportiert werden soll. „2015/2016 wollen wir mal wieder das Halbfinale erreichen, das sollte schon unser Anspruch sein“, sagte der Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Handballbundes (DHB), Horst Bredemeier.

Gut gewappnet

Damit hat der scheidende Bredemeier dem neuen DHB-Präsidium, das im September gewählt werden soll, eine Herkulesaufgabe hinterlassen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss das Niveau nicht nur gehalten, sondern ausgebaut werden. Geht es nach Bredemeier, sollte dieses Ziel auf jeden Fall mit Martin Heuberger als Coach angegangen werden. „Es gibt ganz wenige Trainer, die fachlich so viel vom Handball verstehen wie er“, findet Bredemeier, von 1989 bis 1992 selbst Bundestrainer. „Martin hat es verdient, das entsprechende Vertrauen zu erhalten und bis 2016 weiterarbeiten zu dürfen.“ Momentan besitzt Heuberger noch einen Vertrag bis 2014.

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Er selbst sieht sich gewappnet für die Zukunft. „Wir sind in der Breite wirklich gut aufgestellt, das hat dieses Turnier gezeigt“, befand der Bundestrainer. Weil zahlreiche Topspieler wie Holger Glandorf, Lars Kaufmann, Uwe Gensheimer (Verletzung) oder Christian Sprenger und Pascal Hens (Rücktritt) fehlten, setzte Heuberger in Spanien gezwungenermaßen auf Spieler, die nicht bei den Topvereinen in Lohn und Brot stehen, sondern bei eher mittelmäßigen Ligaklubs. Die HSG Wetzlar beispielsweise stellte in Kevin Schmidt, Steffen Fäth und Tobias Reichmann die meisten Nationalspieler ab. Doch gerade sie deuteten ihr Potenzial an, genauso wie der Flensburger Steffen Weinhold oder der Magdeburger Stefan Kneer.

Dass Heuberger auch in Zukunft verstärkt auf junge Spieler setzen könnte, die lieber bei Vereinen aus dem Mittelfeld Spielpraxis sammeln, statt bei Topklubs auf der Bank zu sitzen, deutete er in Saragossa an. Er werde nicht mehr nur nach Qualität nominieren, sondern auch nach Mentalität, sagte er. „Die Jungs müssen für die Nationalmannschaft spielen wollen.“ Heuberger stand noch immer unter dem Eindruck der vergangenen Tage, in denen sich seine Spieler zu einer Einheit zusammengefunden hatten, wie sie es, so hörte man aus dem Mannschaftskreis, zuletzt nicht gegeben habe.

Fehlendes Feuer

Es dürfte allerdings Konfliktpotenzial bergen, wenn die Stammkräfte wieder ins Nationalteam zurückkehren wollen – für sie müsste Heuberger dann WM-Fahrer streichen. Vor allem die Personalien Glandorf und Kaufmann dürften für Diskussionen sorgen, immerhin hatte der Bundestrainer auf Glandorfs Absage empfindlich reagiert. Er spüre beim Flensburger kein Feuer für die Auswahl, moserte Heuberger, während Glandorf nach einer schweren Fußverletzung, verursacht durch eine Infektion im Rahmen eines Nationalmannschaftslehrgangs, über Herz-Kreislauf-Probleme klagte. Ob Lars Kaufmann aufgrund der neuen Alternativen Fäth und Christian Dissinger überhaupt noch gebraucht wird, erscheint ebenfalls fraglich. Während Heuberger diese Diskussion als hypothetisch abtut, sagt Horst Bredemeier: „Wir sollten uns dem nicht verschließen. Mit dem ein oder anderen erfahrenen Spieler wäre vielleicht schon bei dieser WM mehr drin gewesen.“

Doch die WM ist nun Vergangenheit, die Gegenwart heißt EM-Qualifikation: Bereits im April geht es für die Nationalmannschaft wieder um Punkte im Hinblick auf das Turnier 2014 in Dänemark. Dann wird sich auch zeigen, wie es um die Leistungsstärke des deutschen Handballs im grauen Alltag bestellt ist. Die EM-Qualifikation ist nämlich jener Wettbewerb, in dem sich die Auswahl zuletzt daheim gegen Montenegro mit einer Niederlage blamiert, und in Israel gerade so zu einem Sieg gerettet hatte. Zwei Spiele, die seinerzeit an der Wettbewerbsfähigkeit des DHB-Teams zweifeln ließen und die nun wieder als Mahnung herhalten müssen. Denn die Weltspitze ist, trotz des Aufwärtstrends bei dieser WM, noch immer ein gutes Stück entfernt.

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