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23. Januar 2013

Handball-WM Viertelfinale Deutschland - Spanien: Deutsches Team fliegt im Viertelfinale raus

 Von Tino Scholz
Spaniens Victor Thomas (l) und Steffen Weinhold kämpfen um den Ball. Foto: AFP

Der Traum von einem zweiten Wintermärchen ist geplatzt. Mit dem 23:28 (14:12) im Viertelfinale gegen Gastgeber Spanien endet für die deutsche Handball-Nationalmannschaft am Mittwoch in Saragossa ihre wunderbare WM-Reise.

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Der Traum von einem zweiten Wintermärchen ist geplatzt. Mit dem 23:28 (14:12) im Viertelfinale gegen Gastgeber Spanien endet für die deutsche Handball-Nationalmannschaft am Mittwoch in Saragossa ihre wunderbare WM-Reise.

Saragossa –  

Nach dem Ausscheiden bei der Handball-WM in Spanien kramte Martin Heuberger noch einmal sein persönliches Modeadjektiv dieser Tage hervor: stolz. Das sei er nämlich auf seine Handball-Nationalmannschaft, „wirklich sehr“, schob der Bundestrainer noch mit Betonung hinterher. Wenige Minuten zuvor hatte seine Auswahl 24:28 (14:12) gegen Gastgeber Spanien verloren, dabei aber über 60 Minuten einen großen Kampf geboten. Trotzdem schaffte sie es nicht, dem bisherigen Turnierverlauf noch das „i-Tüpfelchen aufzusetzen“, wie der Berliner Rückraumspieler Sven-Sören Christophersen hinzufügte.

Dass Heuberger aber ohne schlechtes Gewissen stolz sein durfte, lag daran, dass die deutsche Mannschaft auf eine Art und Weise ausgeschieden war, die Hoffnung machte für die Zukunft. Während der insgesamt sieben WM-Partien stand jedes Mal eine Mannschaft auf dem Feld, die die Bezeichnung, im Gegensatz zur Vergangenheit vor Bundestrainer Heuberger, auch verdiente. Ein Team, das sich in einen kleinen Rausch spielte, und zum Ende der Vorrunde gar Olympiasieger Frankreich in die Knie zwingen konnte. „Es hat selten so viel Spaß in der Nationalmannschaft gemacht wie bei diesem Turnier“, sagte Sven-Sören Christophersen. „Schade, dass das nun ein so abruptes Ende nehmen musste.“

Das letzte WM-Spiel gegen Spanien war dann immerhin noch einmal so etwas wie ein Spiegelbild dieser guten WM. Das DHB-Team verkörperte wieder jene internationale Klasse, die ihm in den vergangenen Monaten vor dem Turnier abhandengekommen zu sein schien, die für den weltgrößten Handballverband allerdings auch Normalität sein sollte. „Die Mannschaft hat an ihre guten Leistungen der vorangegangenen Spiele angeknüpft, vielleicht aber den ein oder anderen Fehler zu viel gemacht“, sagte Heuberger.

Dabei ging es gut los. Von Beginn an setzten die deutschen Spieler genau das um, was Kapitän Oliver Roggisch beim Aufwärmen von jedem Einzelnen verlangt hatte: „Spielt mit Spaß!“ Clever agierten Heubergers Mannen, abgeklärt, ohne auch nur den Hauch von Nervosität zu versprühen. Sie führten schnell 7:5 (13.), mit einer starken Defensive und einem gut aufgelegten Silvio Heinevetter zogen sie den verunsicherten Spaniern den Nerv. Bis zur Pause blieb es beim Zwei-Tore-Vorsprung (14:12). Doch die deutsche Mannschaft ging mit einer schweren Hypothek in die Kabine. Zwei Zeitstrafen hatte sie kurz vor der Sirene kassiert, was die Spanier nach dem Wechsel ad hoc ausnutzten.

Ein Kreisläufer wie ein Ochse

Über 14:14 (32.) setzten sich die Gastgeber auf 17:15 ab (35.), plötzlich trieben die 11 000 Zuschauer im Pabéllon Principe Felipe den Geräuschpegel in ungesunde Höhen, angefeuert von „Arriba, arriba“-Rufen des heute wohl noch immer heiseren Hallensprechers. „In der zweiten Hälfte wechselte das Momentum“, klagte Christophersen. Spielmacher Michael Haaß sekundierte: „Es lief genau andersherum. Plötzlich waren die Spanier in der Deckung richtig stark.“ Die Defensive der Iberer blockte nun zahlreiche Würfe, auch Torwart José Manuel Sierra, der bereits in der ersten Hälfte für den unglücklich agierenden Arpad Sterbik eingewechselt worden war, steigerte sich zusehends in Weltklasseform. „Wir haben zu viele freie Bälle vergeben“, haderte auch Silvio Heinevetter. „Wir waren dicht dran. Aber dicht dran bringt dir am Ende nichts.“

Die Spanier ließen sich nun nicht mehr stoppen. Von 24:21 (53.) zogen sie auf 26:21 (55.) und 27:23 (59.) davon – die Entscheidung. Vor allem der Kreisläufer Julien Aguinagalde erzielte nun reihenweise Treffer, er jubelte am Schluss mit zwei Zeigefingern auf der Stirn. Der Stier hatte seine Beute erlegt, das bemängelte Bundestrainer Heuberger dann auch hinterher im tierischen Wirrwarr. „Es war ein Problem“, sagte er, „dass wir Aguinagalde, der ja wie ein Ochse daherkommt, nicht mehr stoppen konnten.“

Trotzdem mochte keiner im DHB-Team so recht meckern, zu positiv war noch die Grundstimmung nach den vergangenen Tagen, weil die Mannschaft sich der Weltspitze nun nahe wähnt. „Man hat bei dieser WM einen Reifeprozess gesehen, es ist hoffentlich der Beginn einer weiteren guten Entwicklung“, sagte Martin Heuberger. „Denn eins ist klar: Wir wollen weiter ernsthaft angreifen.“

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