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17. September 2012

Hannover 96: Huszti - ein Spezialist des Spektakels

 Von Frank Hellmann
Höhepunkt der Huszti-Show: Für diese Bauchmuskeln gab es Gelb.  Foto: dpa

Szabolcs Huszti ist beim dramatischen 3:2-Sieg von Hannover gegen Bremen Matchwinner und tragischer Held. Erst erzielt Huszti in der Nachspielzeit den Siegtreffer, dann fliegt er wegen extensiven Torjubels vom Platz. Schiedsrichter Aytekin handelt regelkonform. Leider.

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Szabolcs Huszti ist beim dramatischen 3:2-Sieg von Hannover gegen Bremen Matchwinner und tragischer Held. Erst erzielt Huszti in der Nachspielzeit den Siegtreffer, dann fliegt er wegen extensiven Torjubels vom Platz. Schiedsrichter Aytekin handelt regelkonform. Leider.

Hannover –  

Es ist am Ende eines wahnwitzigen Bundesligaspiels nur verständlich, dass der Mann des Tages alsbald die Flucht ergriff. Zum letzten Sprint eines sagenhaften Arbeitstages setzte Szabolcs Huszti an, um den wartenden Kameras und Mikrofonen zu entkommen. Der Ungar spricht passabel Deutsch, aber sofort über seinen persönlichen Wahnsinn sprechen wollte er nicht. Weil es dafür spontan keine Worte gab?

Huszti, 29 Jahre alt, war die Hauptfigur im 3:2-Drama mit Happy End gegen Werder Bremen: Er hatte früh einen Freistoß ins Tor gezirkelt (6.), dann die mustergültige Vorarbeit zum 2:0 von Leon Andreasen geleistet (10.). Doch den Geniestreich hob sich der alte und neue Liebling an der Leine bis zum Schluss auf.

Husztis Fallrückzieher

Starke Bremer hatten durch Aaron Hunt (26./Handelfmeter) und Kevin de Bruyne (74.) das verdiente 2:2 geschafft und waren drauf und dran, selbst den Siegtreffer zu erzielen, als nach einem lächerlichen Ballverlust von Hunt der finale Konter der Niedersachsen lief. Konstantin Rausch schlug eine Flanke und Huszti schmetterte den Ball mit einem spektakulärem Fallrückzieher auf den Rücken von Clemens Fritz und ins Tor (90. +3). „Das ist mir bisher nur im Training gelungen“, sagte er später.

Doch wer geglaubt hätte, damit sei die Huszti-Show beendet, sah sich getäuscht: Die 96-Anhänger schrien ihr Glück ins Stadion hinaus, und Huszti küsste sein weinrotes Jersey, zog es aus und kletterte wie in Trance auf den Zaun. Als der Jubel abebbte und der Matchwinner zurücklief, zeigte ihm Schiedsrichter Deniz Aytekin die Gelb-Rote Karte. Huszti war fassungslos.

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„Das tat mir selber weh, aber Trikotausziehen ergibt eine Verwarnung und Zaunklettern noch eine“, sagte Deniz Aytekin hinterher. „Als Exekutive muss ich das durchziehen, mir blieb da nichts anderes übrig.“

Auch nach Ansicht von Hannovers Trainer Mirko Slomka handelte Aytekin richtig: „Absolut regelkonform“, sagte Slomka. Stürmer Jan Schlaudraff habe zwar noch versucht, seinen Mitspieler vom Erstürmen des Absperrgitters abzuhalten. „Szabolcs Huszti kannte diese Regel ja gar nicht“, sagte Slomka.

Doppelter Klimawechsel

Nach dem Duschen bestätigte Huszti diese Version: „Ich wusste nicht, dass es für eine Aktion zwei Mal die Gelbe Karte geben kann. Das ist ein bisschen doof“, sagte er, und das Wort „Zaun“ habe er noch gar nicht gekannt. „Aber jetzt habe ich hier wieder etwas gelernt“, sagte er. Die strenge Regelauslegung auf deutschem Boden versteht Huszti dennoch nicht. „Es war so emotional. Ich habe doch keine schlimmen Sachen gemacht, sondern wollte nur mit den Fans feiern.“

Vielleicht kommt die Zwangspause, die nächsten Sonntag im Auswärtsspiel bei 1899 Hoffenheim greift, trotzdem nicht ganz unrecht. Huszti muss nach gut bezahlten dreieinhalb Jahren bei Zenit St. Petersburg gleich einen doppelten Klimawechsel verkraften: Im russischen Fußball sind das Wetter und die Sitten rauer.

Bei Zenit bekam er nie die Anerkennung und das Vertrauen, das ihm schon in seiner ersten erfolgreichen Phase bei den Niedersachsen zwischen 2006 und 2009 entgegenschlug: Schon damals galt Huszti mit seinem Feingefühl im linken Fuß als Spezialist für das Spektakel, doch das Angebot aus St. Petersburg wollten damals weder der Spieler noch der Verein ablehnen: zwei Millionen Gehalt, drei Millionen Ablöse.

Dass Hannover diesen Mann nun für eine Dreiviertelmillion zurückgekauft hat – den Wechsel wickelte Präsident Martin Kind persönlich ab – gilt als nächster Coup der Transferkönige aus Hannover. Husztis vier Torvorlagen in Wolfsburg und seine drei Taten gegen Bremen sind ein deutliches Indiz, dass da ein menschlich wie sportlich gereifter Fußballer vielleicht seine schönste Zeit noch vor sich hat. „Er ist einer der besten Kreativspieler der Bundesliga“, sagte Trainer Mirko Slomka, „wir haben mit Huszti einen tollen Profi zurückgeholt.“

Huszti übrigens empfahl, keinen zu großen Rummel um seine Person zu machen. „Klar war das ein gutes Gefühl, aber im Fußball geht es schnell nach oben und schnell nach unten“, sagte er. Über diesen Satz hat er an diesem verrückten Tag vermutlich ganz, ganz lange nachgedacht.

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