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07. März 2012

Hooligans attackieren Gladbach-Fans: Neue Dimension der Gewalt gegen Fans

 Von Anne-Kathrin Gerstlauerund Karlheinz Wagner
Erzfeinde: Gladbach-Fans zünden eine Fahne der Kölner an.  Foto: imago

Mit ihrer Gewaltattacke gegen Fans von Gladbach schockieren Kölner Hooligans und sorgen für Ratlosigkeit beim 1. FC Köln. Der DFB wirkt angesichts der Verlagerung der Gewalt außerhalb von Stadien hilflos. Und auch die Polizei stößt an ihre Grenzen.

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Mit ihrer Gewaltattacke gegen Fans von Gladbach schockieren Kölner Hooligans und sorgen für Ratlosigkeit beim 1. FC Köln. Der DFB wirkt angesichts der Verlagerung der Gewalt außerhalb von Stadien hilflos. Und auch die Polizei stößt an ihre Grenzen.

Köln –  

Dass der 1. FC Köln in erster Linie ein Fußball-Verein ist, merkt man vor allem dann, wenn er außerhalb der Stadien an seine Grenzen stößt. Wenn etwa organisierte Fans der Ultra-Gruppierung „Wilde Horde“ nach einem Spiel in Hoffenheim auf der A 3 einen Gladbacher Bus verfolgen, abdrängen und auf der Autobahnraststätte Siegburg-Ost mit Eisenstangen, Baseballschlägern und Steinen angreifen und verwüsten, dann wirkt die beabsichtige Sanktionierung durch den Klub grotesk: „Aberkennung von Privilegien, bundesweites Stadionverbot mit maximaler Laufzeit und Ausschluss aus dem Verein in den Fällen, wo es sich um Klubmitglieder handelt“, sagt Geschäftsführer Claus Horstmann. „Was kann man damit erreichen, wenn Leute das Dach des FC für kriminelle Gewalttaten nutzen wollen?“

Angriff in dieser Form einmalig

Das Dach des FC – in ihrer Liebe zum Klub hatten die Hooligans nicht vergessen, die Steine vor dem Angriff in den Klubfarben Rot und Weiß anzumalen, ein Kalksandstein wog fünf Kilo. „Das ist eine völlig neue Dimension der Gewalt“, sagte ein Kölner Polizist. Der Angriff sei in dieser Form einmalig in Deutschland. Die Behörde hat eine sechsköpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet, darunter szenekundige Beamte.

Zehn Tatverdächtige sind derzeit im Visier. Die Beamten gehen aber davon aus, dass noch mehr Ultras an dem Angriff beteiligt waren.

„Es ist ein Phänomen, dass Teile von Ultras andere Gruppen angreifen. Das Phänomen ist aber nicht neu, es gab schon in den Achtzigern Schlägereien an Autobahnraststätten“, sagt Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte. „Dieses Verhalten wird toleriert“, sagt er und gibt zu: „Polizeiliche Maßnahmen stoßen an ihre Grenzen.“

Ultra-Gruppe erst im Februar begnadigt

In seiner Ratlosigkeit ist Horstmann nicht allein. In seiner Antrittsrede hat der neue DFB-Chef Wolfgang Niersbach das Thema ähnlich hilfesuchend skizziert: „Es kann nicht sein, dass in den Stadien die Mehrheit der Besucher von einer Minderheit terrorisiert wird.“ Mit Gegenmaßnahmen aber stoße man genau dann an Grenzen, klagte Niersbach, „wenn die Gewalt außerhalb der Stadien und an Bahnhöfen sich ereignet“. Oder auf Autobahnen. Oder auf Rastplätzen.

Weil die Kölner Ultra-Szene regelmäßig für Übergriffe und Ausschreitungen verantwortlich war, hatte der Klub im Juli 2011 der führenden Gruppierung „Wilde Horde“ eine Reihe von Privilegien entzogen. „Es gab dann eine Selbstverpflichtung der Wilden Horde zum Verzicht auf Gewalt und Pyrotechnik“, sagt Horstmann. Daraufhin wurde die Ultra-Gruppe im Februar 2012 begnadigt.

Die zeitliche Nähe zwischen Gnadenakt und dem aktuellen Gewaltausbruch der Horde sei „schockierend“, so Horstmann.

Die Kölner erwarten nun eine Distanzierung der urhebenden Ultra-Gruppe von den Vorgängen am Sonntag. Prävention, Aufklärung, Bestrafung – dieser Dreiklang der Hilflosigkeit ertönt immer, wenn die Klubs den jeweils jüngsten Exzess ihrer Anhängerschaft kommentieren müssen. „Das Image des 1. FC Köln wird massiv beschädigt“, sagt Horstmann und weiß, dass solche Vorhalte den gewaltbereiten Ultra-Gruppen in ihrer „Selbstherrlichkeit“ (Horstmann) egal sind.

Aufnahmeprüfungen für den Ultra-Nachwuchs

Die Krawall-Fans üben sogar eine gewisse Faszination aus auf den Fan-Nachwuchs. Horstmann erzählt von Anrufen besorgter Eltern, deren Kinder „gerne bei der einen oder anderen Gruppe mitmachen möchten“. Dabei gibt es regelrechte Aufnahmeprüfungen: Über Facebook fordern gewaltbereite Ultra-Fans Schüler auf, Pyrotechnik ins Stadion zu schmuggeln. Quasi als Belohnung werde den Minderjährigen im Gegenzug die gemeinsame Busfahrt zu Auswärtsspielen finanziert, berichtete ein Ermittler der Polizei: „Für einen 15-Jährigen sind 39 Euro viel Geld, da kann das ein gewisser Anreiz sein.“

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