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19. November 2012

HSV gegen Mainz: Tuchel tobt

 Von Jan Christian Müller
Thomas Tuchel: weit weg vom Ruhepuls. Foto: dpa

Spielerische Armut in Mainz: Beim 0:1 der 05er in Hamburg rennt Trainer Thomas Tuchel wie ein Irrwisch auf und ab und verzweifelt an der kollektiven Harmlosigkeit. Mainz-Keeper Wetklo sorgt für ein Novum und steht Rechtsaußen im Abseits.

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Spielerische Armut in Mainz: Beim 0:1 der 05er in Hamburg rennt Trainer Thomas Tuchel wie ein Irrwisch auf und ab und verzweifelt an der kollektiven Harmlosigkeit. Mainz-Keeper Wetklo sorgt für ein Novum und steht Rechtsaußen im Abseits.

Hamburg –  

Hermann ist 2,10 Meter groß und übergewichtig. Seine Hobbies sind Kindergeburtstage feiern, Essen und Schlafen. Der Dino lässt es also am liebsten ausgesprochen gemütlich angehen. Am Samstag um zirka 17.20 Uhr war Hermann freilich gut beraten, sich mit seiner Schuhgröße 87 mal ganz schnell zu verdünnisieren. Sonst wäre es unweigerlich zur Karambolage mit dem Mainzer Trainer Thomas Tuchel gekommen, und obwohl das HSV-Maskottchen bestens gepolstert ist, wäre es dabei vermutlich zu Schaden gekommen.

Denn Tuchel war nicht besonders gut gelaunt, als nach dem Schlusspfiff die Mainzer 0:1-Niederlage feststand und er in überhöhter Geschwindigkeit seinen Platz auf der Bank räumte. Wenn der rüstige Dino Hermann dem 39-Jährigen dumm gekommen wäre, wer weiß, was alles hätte passieren können? Aber Hermann reagierte erstaunlich flink und wich dem Fußballlehrer mit einem eleganten Hüftschwung aus, den seine Vorfahren vor mehr als 200 Millionen Jahren in dieser Form bestimmt nicht beherrschten, zu einer Zeit, als noch niemand überhaupt je daran dachte, dass der Hamburger SV mal ein Fußball-Dino werden und ein entsprechendes Maskottchen entwerfen würde.

Torwart Wetklo im Abseits

Man kann den Mainzern und ihrem Trainer bestimmt nicht unterstellen, sich − ganz ähnlich wie Dicki Hermann bei seiner Arbeit − nicht mächtig angestrengt zu haben. Tuchel geriet am Spielfeldrand mehrfach zu einem wahren Irrwisch, weit, weit weg vom Ruhepuls, wenn seine Spieler in der Schlussphase mal wieder nicht den richtigen Schlüssel fanden, um den Hamburger Safe zu knacken. In der letzten Minute der Nachspielzeit hielt es angesichts der kollektiven Harmlosigkeit vor ihm sogar Torwart Christian Wetklo nicht mehr in seinem Strafraum, also rannte der lange Kerl bei der letzten Ecke nach vorne, der Ball wurde vom HSV geklärt und von einem Mainzer Spieler wieder abgefangen. Als der Ball dann zu Wetklo gelangte, befand sich dieser auf Rechtsaußenposition im Abseits. Man muss sich das mal vorstellen: Ein Torwart Rechtsaußen mit dem Ball am Fuß im Abseits! Vermutlich hat es das in der nunmehr bald 50-jährigen Bundesligahistorie noch nie gegeben.

Zusammen mit dem Tor des Südkoreaners Heung-Min Son in der 64. Minute gehörte des Torwarts heldenhafter, aber gänzlich erfolgloser Ausflug zu den seltenen Höhepunkten einer Partie der spielerischen Armut. Acht Minuten vor Sons Treffer hatten die anspruchslos gewordenen Hamburger Fans unter den 51.000 Zuschauern sogar gejubelt, als die drucklosen, aber diszipliniert verteidigenden Gastgeber eine Ecke herausholten. So viel Bescheidenheit war lange nicht in Hamburg. Der HSV hatte seine beiden Heimspiele davor jeweils ohne eigenen Torerfolg abgeschlossen, und dabei wäre es wohl auch diesmal geblieben, wenn der Schiedsrichterassistent nicht eine Abseitsposition des Torvorbereiters Maximilian Beister übersehen hätte. Ärgerlich aus Mainzer Sicht, dass gleich nach der Pause der ansonsten unsichtbare Mittelstürmer Adam Szalai vom erstaunlich starken HSV-Verteidiger Michael Mancienne regelwidrig mit der Hand an der Brust gepackt wurde, worauf Szalai zu Boden ging. Da das Ganze im Strafraum passiert war, hätte der erst 28-jährige Schiedsrichter Daniel Siebert auch auf Strafstoß entscheiden können, ja, sogar müssen. Tat er aber nicht.

Nur zarte Beschwerden

Es spricht für die Mainzer, dass sie sich über beide Entscheidungen allenfalls halblaut beklagten (wiewohl sie spielentscheidend waren) und sich viel mehr über sich selbst ärgerten. „Wir sollten die Schuld nicht beim Schiedsrichter suchen, sondern unsere Chancen besser herausspielen“, konstatierte der zuvor im Mittelfeld zumeist gegen Rafael van der Vaart aufmerksam verteidigende Jan Kirchhoff. Der U-21-Nationalspieler teilte zudem mit, dass die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung mit Mainz 05 aufgenommen worden seien, ließ aber offen, ob er zur neuen Saison nicht doch eher zu Borussia Dortmund, Schalke 04, Bayer Leverkusen oder vielleicht nach Mönchengladbach tendiert.

Viel reden konnte ohnehin niemand aufseiten der Verlierer. Die Mainzer mussten sich nach ihrem zweiten punktlos beendeten Ausflug in den Norden (nach dem 1:2 in Bremen) binnen zwei Wochen ganz schnell auf den Weg machen, um das Flugzeug nach Frankfurt noch zu bekommen. Die Hamburger verbrachten nicht nur wegen des Sieges einen angenehmeren Abend. Auf einem Elbedampfer feierten sie ihre Weihnachtsfeier. Ein bisschen früh im Jahr vielleicht, und außerdem ohne Dino Hermann.

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