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Die Krise der Bundesligen: Im langen Schatten des Fußballs

Während die Mannschaftssportart Nummer eins floriert und gedeiht, kämpfen Handball, Basketball oder Eishockey mit erheblichen Problemen.

Für viele Vereine  hängen die Trauben  im Handball viel zu hoch.
Für viele Vereine hängen die Trauben im Handball viel zu hoch.
Foto: REUTERS

Dem deutschen Profifußball ging es wohl nie besser. Andere große Mannschaftssportarten mit Profi-Spielklassen haben es da schwer. Die Deutsche Eishockey-Liga bot zuletzt ein Bild des Jammers. Die Frankfurt Lions verschwanden von der Bildfläche, die Kassel Huskies erstritten sich nach Einleitung eines Insolvenzverfahrens das Startrecht auf dem Rechtsweg, der Meister Hannover Scorpions und der Traditionsklub Kölner Haie wandelten am finanziellen Abgrund. Auch Handball- und Basketball-Bundesliga spüren den langen Schatten des Fußballs. Eine Bestandsaufnahme.

Wie es funktionieren kann

Marco Baldi hat gezählt. 86! So viele Erstligisten tummeln sich in der Hauptstadt. Natürlich seien „ein paar weniger populäre Sportarten dabei“, räumt der Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin ein. Seine Kernaussage schwächt das kaum: „Der Wettbewerb ist extrem.“ Auch der kulturellen Vielfalt wegen. „Berlin bietet wahnsinnig viel bei in Stadt um Umland vergleichsweise geringer Kaufkraft“, sagt Baldi und folgert: „Da kann man nur mit einem guten Angebot bestehen.“

In den 20 Jahren seines Bestehens gelang dem Hauptstadtklub, woran viele Eishockey-, Basketball- und Handball-Erstligisten scheiterten: Er schuf sich eine solide wirtschaftliche Basis und ist, auch dank sozialer Initiativen, im gesellschaftlichen Leben der Stadt fest verankert. Ein Selbstläufer war der Erfolg nie. „Wir kämpfen um jeden Euro“, sagt Baldi. Professionalität ist ein Faktor. Allein sechs Mitarbeiter kümmern sich bei Alba ums Ticketing. Die Erwartungen der Fans machen die Arbeit nicht leichter: Für die verwöhnte Alba-Klientel zählen nur Titel. Dennoch setzt das Alba-Management auf eine nachhaltige Geschäftspolitik. „Man opfert dem vermeintlichen kurzfristigen Erfolg nicht die nächsten zehn Jahre“, sagt Baldi, „auch wenn die Verlockung groß ist.“

Was die Hilfe der Kommunen bremst

„Profisport“, sagt Klaus Hebborn, „ist den freiwilligen Selbstverwaltungsaufgaben zuzuordnen.“ Der Sportdezernent des Deutschen Städtetags will sagen: Werden Kommunen von Klubs um finanzielle Unterstützung angegangen, dürfen sie allenfalls indirekt helfen; der Griff nach Steuermitteln ist tabu. Fans von Erstligisten, die, wie jüngst der Eishockeyklub Frankfurt Lions, ohne Vorwarnzeit von der Bildfläche verschwinden, ist das schwer zu vermitteln. „Die kommunalen Schwerpunkte liegen beim Breitensport“, stellt Hebborn klar. Er weiß natürlich, dass Städte im Profisport durchaus die Finger im Spiel haben. Bei Sportstättenbau und Infrastruktur ebenso wie im Sponsoring. Letzteres funktioniert auf Umwegen etwa über Energieversorger, die rechtlich selbstständig, aber zumindest teilweise im Besitz von Kommunen sind. Das relativiert Hebborns Aussage, bei Problemen der Profiklubs sei „mit öffentlichen Mitteln nichts zu machen“. Er leugnet deren Imagewert nicht. „Im Gegenzug helfen Kommunen durchaus, etwa wenn es um die Anbahnung von Sponsorenkontakten geht.“

Warum es schwierig bleibt

Anders als der Fußball müssen die großen Mannschaftssportarten kurzfristig planen. „Fast jedes Jahr werden im Sponsoring die Karten neu gemischt“, berichtet Thomas Eichin, Geschäftsführer des DEL-Klubs Kölner Haie. Deshalb sei es „von der finanziellen Seite her äußerst schwierig, eine Eishockey-Saison vorzubereiten“. Der ehemalige Fußballprofi spricht auch von „hausgemachten Problemen“ der DEL. Er meint etwa die vielen Spieltage. „Man darf ein gutes Produkt auch verknappen“, findet Eichin. Sein einstiges Metier handelt da auch nicht vorbildlich, dennoch lobt er: „Der Fußball hat vieles richtig gemacht. Vor allem ist er authentisch geblieben.“

Dass es die anderen so schwer haben, ist für Eichin in erster Linie fehlender Fernsehpräsenz geschuldet. „Wir sind so weit, zu sagen: Notfalls bringen wir das Tape mit dem Fahrrad vorbei“, übt sich der KEC-Geschäftsführer in Galgenhumor. Seine bittere Erkenntnis: „Die Anstalten interessiert sich überhaupt nicht für diese Sportarten. Die zeigen lieber die 40. Wiederholung von Szenen aus Hoffenheim gegen Mainz.“ Die Kritik geht an die öffentlich-rechtlichen Sender. „Nur 20 Minuten vor der Sportschau, und wir hätten einen richtigen Boom“, glaubt der 43-Jährige. So aber sei die Lage „superfrustrierend“. Live ist die höchste Eishockey-Spielklasse nur im Pay-TV zu sehen, den besten Basketball- und Handballteams des Landes kann man beim Spartensender Sport 1 inzwischen immerhin ohne Freischaltung zuschauen.

Wo das Fernsehen passen muss

Thomas Fuhrmann, dem stellvertretenden Sportchef des ZDF, sind die Klagen der Mannschaftssportarten, die sich hinter König Fußball einreihen müssen, vertraut. Mehr Präsenz im Zweiten können sie auch künftig nicht erwarten. „Wir haben 75 Minuten Sportstudio und 50 Minuten Sportreportage, das reicht nur, um einen Bruchteil der großen Welt des Sports abzubilden“, gibt Fuhrmann zu bedenken. Zwar orientieren sich die Mainzer bei der Gewichtung auch an der aktuellen Popularität von Sportarten, doch dieser Effekt ist überschaubar. Bei wichtigen Spielen besteht die Chance, in die Nachrichtenformate zu rutschen. Sonst aber gilt, was Redaktionsleiter Fuhrmann in Sachen DEL postuliert: „Das ZDF kann kein Entwicklungshelfer für Eishockeyklubs sein.“

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky findet, das Erste tue viel. Man berichte „generell recht umfangreich über HBL, BBL und DEL“, im Ersten und in den Dritten. Auch internationale Wettbewerbe in Basketball und Handball fänden regelmäßig ihren Niederschlag im Programm. Den Umfang will die ARD beibehalten, „sofern wir die entsprechenden Rechte erwerben können“.

Wie’s der Fachmann sieht. Sponsoring-Experte Andreas Ullmann vom Kölner Unternehmen Sport+Markt findet die Lage allerdings gar nicht düster: „Wir können froh sein, dass es bei uns eine solche Vielfalt im Mannschaftssport gibt, dass wir in Basketball, Eishockey und Handball Ligen haben, die so weit entwickelt sind.“ Deren Aufbau und Professionalität könnten sich „im europäischen Vergleich absolut sehen lassen.“ Und die Klubs der HBL, BBL und DEL seien „weit weniger von einzelnen Mäzenen abhängig als die vergleichbarer Ligen im Ausland“. Anders als im Fußball gelte es aber, Unternehmen stets neu zu überzeugen, „warum gerade diese Plattform eben auch attraktiv sein kann“.

Was die Vergangenheit lehrt

Bodo Ströhmann glaubt, nur eine gemeinsame Kraftanstrengung von Offiziellen, Sportlern und Geldgebern könne die erfolgreiche Zukunft der drei wichtigsten Profiligen jenseits des Fußballs gewährleisten. „Man darf nicht sagen: Nur der Fußball ist noch tragbar. Und man muss alles tun, um die anderen Sportarten noch attraktiver zu machen.“ Als Mäzen hatte der handballverrückte Marmorhändler den Provinzklub SG Wallau-Massenheim Anfang der 90er-Jahre an die deutsche Spitze geführt. Als der Spieleretat wuchs und wuchs, hielten die Strukturen im „Ländche“ bei Wiesbaden den finanziellen Anforderungen irgendwann nicht mehr stand. Ströhmann hatte sich da schon weitgehend zurückgezogen.

Der Sport, von dem er noch immer sagt, „er ist mein Leben“, war ihm fremd geworden. „Heute ist das weitgehend unpersönlich, es geht nur noch ums große Geld. Viele Vereine wissen ja nicht mal mehr richtig, von wem sie da eigentlich gesponsert werden.“ Ströhmann sagt, einen Profiklub am Laufen zu halten, das funktioniere nicht ohne Hingabe und eine Portion Hartnäckigkeit: „Ich habe damals noch den persönlichen Kontakt zu den Firmen gesucht. Und wenn man mich vorne rauswarf, kam ich eben hinten wieder rein.“

Autor:  Wolfgang Hettfleisch
Datum:  15 | 8 | 2010
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1. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Borussia Dortmund 80:25 81
2 Bayern München 77:22 73
3 FC Schalke 04 74:44 64
4 B. Mönchengladbach 49:24 60
5 Bayer Leverkusen 52:44 54
6 VfB Stuttgart 63:46 53
7 Hannover 96 41:45 48
8 VfL Wolfsburg 47:60 44
9 Werder Bremen 49:58 42
10 1. FC Nürnberg 38:49 42
11 1899 Hoffenheim 41:47 41
12 SC Freiburg 45:61 40
13 1. FSV Mainz 05 47:51 39
14 FC Augsburg 36:49 38
15 Hamburger SV 35:57 36
16 Hertha BSC Berlin 38:64 31
17 1. FC Köln 39:75 30
18 1. FC Kaiserslautern 24:54 23
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2. Bundesliga
Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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Spanien Primera División
Mannschaft Tore Punkte
1 Real Madrid 121:32 100
2 FC Barcelona 114:29 91
3 FC Valencia 59:44 61
4 FC Malaga 54:53 58
5 Atletico Madrid 53:46 56
6 UD Levante 54:50 55
7 CA Osasuna 44:61 54
8 RCD Mallorca 42:46 52
9 FC Sevilla 48:47 50
10 Athletic Bilbao 49:52 49
11 Real Sociedad 46:52 47
12 Real Betis Sevilla 47:56 47
13 FC Getafe 40:51 47
14 Espanyol Barcelona 46:56 46
15 Rayo Vallecano 53:73 43
16 Real Saragossa 36:61 43
17 FC Granada 35:56 42
18 FC Villarreal 39:53 41
19 Sporting Gijon 42:69 37
20 Racing Santander 28:63 27
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England Premier League
Mannschaft Tore Punkte
1 Manchester City 93:29 89
2 Manchester United 89:33 89
3 FC Arsenal 74:49 70
4 Tottenham Hotspur 66:41 69
5 Newcastle United 56:51 65
6 FC Chelsea 65:46 64
7 FC Everton 50:40 56
8 FC Liverpool 47:40 52
9 FC Fulham 48:51 52
10 West Bromwich Albion 45:52 47
11 Swansea City 44:51 47
12 Norwich City 52:66 47
13 AFC Sunderland 45:46 45
14 Stoke City 36:53 45
15 Wigan Athletic 42:62 43
16 Aston Villa 37:53 38
17 Queens Park Rangers 43:66 37
18 Bolton Wanderers 46:77 36
19 Blackburn Rovers 48:78 31
20 Wolverhampton Wand. 40:82 25
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3. Liga
Mannschaft Tore Punkte
1 SV Sandhausen 57:42 66
2 VfR Aalen 50:42 64
3 Jahn Regensburg 55:41 61
4 1. FC Heidenheim 48:36 60
5 Rot-Weiß Erfurt 54:41 59
6 Burghausen 55:47 57
7 VfL Osnabrück 46:35 55
8 Kickers Offenbach 49:41 55
9 Chemnitzer FC 47:43 55
10 1. FC Saarbrücken 61:51 54
11 VfB Stuttgart II 44:47 50
12 Preußen Münster 40:44 50
13 Arminia Bielefeld 51:57 50
14 Darmstadt 98 51:47 49
15 Unterhaching 63:59 44
16 Wiesbaden 40:48 44
17 SV Babelsberg 44:59 44
18 Carl Zeiss Jena 39:59 39
19 Oberhausen 33:47 38
20 Werder Bremen II 29:70 22
Eishockey Oberliga West
Mannschaft Tore Punkte
1 EHC Dortmund 151:45 58
2 EC Bad Nauheim 162:43 56
3 Kassel Huskies 145:57 51
4 EV Duisburg 133:46 44
5 Löwen Frankfurt 112:67 40
6 Hammer Eisbären 98:82 40
7 Ratinger Ice Aliens 109:76 34
8 Königsborner JEC 90:109 33
9 ESC Moskitos Essen 62:118 18
10 Herforder EV 71:175 16
11 EHC Krefeld 42:158 3
12 EHC Netphen 08 35:234 3
1. Basketball Bundesliga
Mannschaft Körbe   Punkte
1 Brose Baskets 3033 : 2387   60
2 ratiopharm Ulm 2778 : 2539   54
3 ALBA Berlin 2825 : 2478   52
4 Artland Dragons 2870 : 2655   48
5 FC Bayern München 2672 : 2513   44
6 s.Oliver Baskets 2431 : 2295   40
7 NY P. Braunschweig 2645 : 2651   36
8 Baskets Bonn 2730 : 2618   36
9 FRAPORT SKYLINERS 2347 : 2337   34
10 Oldenburg 2736 : 2755   32
11 Eisbären Bremerhaven 2626 : 2731   32
12 Tigers Tübingen 2628 : 2719   30
13 BBC Bayreuth 2357 : 2643   24
14 TBB Trier 2297 : 2509   22
15 Phoenix Hagen 2689 : 3016   22
16 EnBW Ludwigsburg 2601 : 2655   20
17 Gießen 46ers 2341 : 2645   18
18 BG Göttingen 2327 : 2787   8
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