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15. September 2010

Internationaler Fußball: Ein Kuckucksei statt Togos Nationalelf

 Von Johannes Dieterich
Die Gastgeber hatten Zweifel, ob wirklich Togos Nationalspieler hinter dem Ball steckten.  Foto: REUTERS

Bahrains vermeintlicher Länderspielgegner, die Nationalmannschaft des westafrikanischen Kleinstaats Togo, entpuppte sich als Fälschung. Wer die Geisterspieler tatsächlich sind und wie es zu dem Pseudo-Nationalmatch kam, ist noch unklar.

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Dass Sportler unter falschem Namen antreten, kommt in der Welt der Wettkämpfe immer wieder vor. Auch dass sich männliche Athleten als weibliche ausgeben, ist nicht ausgeschlossen. Doch dass sich eine ganze Mannschaft betrügerischerweise als Nationalteam präsentieren könnte, hielt bislang niemand für möglich. Zumindest bis zum 7. dieses Monats nicht, als die vermeintliche Nationalmannschaft des westafrikanischen Kleinstaats Togo gegen die Elf des Königreichs Bahrain in dessen Nationalstadion antrat – in einer Begegnung, die von offiziellen Match-Vermittlern arrangiert worden war.

Schon während des Spiels schwante den Gastgebern, dass etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Die Togoer, WM-Teilnehmer 2006, spielten offenbar dermaßen schlecht, dass der österreichische Trainer der Gastgeber schon befürchtete, sie würden die 90 Minuten nicht durchhalten. „Das Spiel war todlangweilig“, klagte Josef Hickersberger. Als Vorbereitungsspiel für die westasiatische Meisterschaft war die Begegnung gänzlich unbrauchbar. So konnte sich der Coach auch nicht über seinen ersten Sieg mit den königlichen arabischen Kickern freuen: Mit 3:0 fiel der auch relativ bescheiden aus.

Nachfragen im Nachbarkontinent bestätigte schlimmste Befürchtungen. Von einer Reise des Nationalteams nach Bahrain sei hier nichts bekannt, teilte der togolesische Sportsminister Christophe Tchao mit: Bei den Spielern könne es sich nicht um die sogenannten „Sperber“ handeln, die nur drei Tage zuvor in Botswana angetreten waren.

Auch der Präsident des togolesischen Fußballbundes, Seiyi Memene, ließ keine Zweifel aufkommen: „Wir haben kein Team nach Bahrain geschickt. Bei den Spielern muss es sich um komplette Fälschungen handeln.“

Wer die Geisterspieler tatsächlich sind und wie es zu dem Pseudo-Nationalmatch kam, ist noch unklar: Alle Beteiligten einschließlich der Fifa kündigten Untersuchungen an. Bahrains Fußballbund besteht darauf, dass es nicht an dem Spiel-Vermittler gelegen hat: Mit der in Singapur beheimateten Agentur habe man seit Jahren nur beste Erfahrungen gemacht.

Tatsächlich weist alles auf Togo als Urheber der Verwirrung hin. Dessen Verband befindet sich seit langem im Chaos: Bereits im vergangenen Jahr löste die Fifa einen Teil des Verbandes auf und setzte einen Interimsrat ein. Erst im August wurde ein Mitglied des technischen Ausschusses suspendiert: Er hatte eine Gruppe von Spielern ohne Erlaubnis mit nach Ägypten genommen.

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