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03. Februar 2011

Interview mit Borussia-Aktionär: "Da ist kein Großkotz dabei!"

Eine Aktie des BVB.Foto: dpa

Bernd Geske, größter Aktionär von Borussia Dortmund, spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über sein Engagement bei seinem Lieblingsklub.

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Zur Person
Bernd Geske, Aktionär von Borussia Dortmund.

Bernd Geske, 45, ist Aufsichtsrat und größter Aktionär der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA. Der Inhaber einer Agentur für Media und Sportmarketing (GLC) hat seit dem Börsengang 2000 seinen Aktienanteil sukzessive aufgestockt und besitzt derzeit genau 6201909 Stück – die Zahl 1909 am Schluss steht für das Gründungsjahr.

Damit sind 10,1 Prozent der Aktien im Besitz des in Köln geborenen und in Düsseldorf lebenden Familienvaters. Dem BVB selbst gehören nur 7,24 Prozent. Geske versteht sich explizit als Fan, Ehefrau Sabine und Sohn Alex sind auch glühende Anhänger des derzeitigen Bundesliga-Spitzenreiters. Heute Abend steht Derby gegen Schalke 04 an.

Herr Geske, Ihnen ist Borussia Dortmund nicht nur lieb, sondern auch teuer: Sie besitzen genau 6.201.909 Aktien und halten damit 10,1 Prozent der schwarz-gelben Papiere. Wie viel hat Sie das gekostet?

Ich habe mal ausgerechnet, dass ich die Aktien für einen Schnittkurs von 1,825 Euro erworben habe, dann ergibt sich eine Summe von mehr als elf Millionen Euro Investition.

Sind Sie Aktionär der ersten Stunde?

Ja, als der BVB am 31. Oktober 2000 an die Börse ging, habe ich im Zuge der offiziellen Zuteilung genau 5000 Aktien erhalten. Damals noch für elf Euro das Stück.

Doch nicht, weil Sie ein gutes Geschäft vermuteten, oder?

Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Ich hatte mich nach dem Studium – und einigen Jahren Berufserfahrung im Mediaplanungsbereich − mit einer Agentur für Media und Sportmarketing selbstständig gemacht. In den 90er-Jahren, als Ottmar Hitzfeld noch Trainer war, war ich für Europapokalspiele in die Medienplanung eingebunden, bin mit dem Verein häufig beruflich in Kontakt gekommen und öfter im Stadion gewesen. Und dann wurde ich mal eingeladen, als der BVB an einem Freitagabend ein Bundesligaspiel gegen den MSV Duisburg 2:1 gewonnen hat, es war das erste Spiel von Lars Ricken. So ist der Klub mit der Zeit in mein Herz gewachsen.

Und dann kauft man gleich Aktien?

Es hat halt gepasst, als es damals hieß, der Verein ginge an die Börse: Ich hatte Knowhow vom Aktienmarkt und vom Fußball und meinen Verein gefunden.

Dann müssen Sie ja fürchterlich gelitten haben, als es nach der Meisterschaft 2002 nicht nur sportlich bergab ging, sondern auch die Aktie abstürzte?

Ich erinnere mich noch genau, wie 2003 beim Champions-League-Qualifikationsspiel im Elfmeterschießen gegen Brügge kein Elfer reingehen wollte. Und wie danach mein Klub in der zweiten Runde im Uefa-Cup 0:4 gegen Sochaux untergegangen ist. Aber ich habe meinen Anteil in dieser Zeit immer weiter aufgestockt. Durch den Börsencrash war die Aktie ohnehin schon billiger geworden.


Sie haben danach Anteile also oft für einen Spottpreis erworben?

Natürlich, der günstigste Kurs lag, glaube ich, mal bei 83 Cent. Im November 2003 hatte ich meinen Anteil auf 5,39 Prozent erhöht – damit war ich erstmals Großaktionär.

In dieser Zeit hat auch ein gewisser Florian Homm für Aufsehen gesorgt, der zwischen 2004 und 2005 sogar 26 Prozent der Anteile hatte und ganz schön mitgeredet hat. War das auch Ihre Absicht, als Sie im Juli 2010 zum größten Aktionär wurden?

Ich habe das nicht gemacht, um Macht auszuüben. Im Sommer sind zwei Investmentbanken ausgestiegen, ich besaß 8,65 Prozent und habe noch mal zugegriffen, damit es einen Großaktionär gibt, der mehr als zehn Prozent hält. Florian Homm habe ich übrigens nicht gekannt, mit ihm habe ich nie gesprochen, sein Geld war aber sehr wichtig für den BVB.

Homm hat dafür auch viel Vereinspolitik gemacht. Wie stehen Sie zur „50+1“-Regel?

Die muss unbedingt erhalten bleiben, wir wollen in Deutschland doch keine Verhältnisse wie in England. Ich sitze im Aufsichtsrat, habe genügend Kontakt zur Geschäftsführung und weiß genau, was Hans-Joachim Watzke tut. Der kann mit Geld umgehen. Und man darf Thomas Treß (Geschäftsführer Finanzen, Anm. d. Red.) nicht vergessen. Das sind echte Fachleute. Ich bin dagegen eher Fan. Ich und meine Frau fahren zu jedem Heim- und Auswärtsspiel – nur nach Gelsenkirchen nicht, aus verständlichen Gründen. Mein 17-jähriger Sohn steht bei jedem Spiel auf der Südtribüne und hat sogar eine Auswärtsdauerkarte.

Glaubt die Familie Geske an die Meisterschaft?

Ich versuche manchmal, raus nach Dortmund-Brackel zum Training zu fahren, um zu schauen, wie die Jungs drauf sind. Und ich bin vor den Heimspielen immer im Mannschaftshotel, da bekommt man auch einiges mit…

Was denn…?

… dass die Mannschaft wirklich nur von Spiel zu Spiel denkt. Das sind alles vernünftige, ruhige und bescheidene Kerle, da ist kein Großkotz dabei. Auf das Trainerteam trifft das auch zu. Die gehen unbeirrt ihren Weg. So wie ich zu dem Verein wie eine solide Bank stehe.


Wie hoch geht es mit der Borussen-Aktie noch? Nach dem Sieg in Leverkusen lag der Kurs kurzzeitig wieder über drei Euro.

Ich berufe mich da auf die Meinung von Börsenanalysten, die jetzt schon sagen, dass im aktuellen Kurs, der gerade bei 2,90 Euro liegt, einiges an Fantasie steckt – da ist schon berücksichtigt, dass der BVB bald Champions League spielen könnte. 3,50 Euro könnten es aber diese Spielzeit noch werden.

Wenn Sie doch im Schnitt nur 1,825 Euro für Ihre vielen Aktien gezahlt haben, wären Sie mit einem Verkauf am Saisonende ein reicher Mann. Lockt Sie dieser Millionengewinn nicht?

Nein. Die Aktien gebe ich nicht mehr her – mein Leben besteht aus Borussia Dortmund. Die werde ich auch in 20 Jahren noch in meinem Bestand halten, das hat neben meiner Liebe zu diesem Klub auch damit zu tun, dass ich als Familienunternehmer von Geburt an so gepolt bin, dass man Vermögen aufbaut und nicht veräußert.

Interview: Frank Hellmann

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