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10. Januar 2012

Interview mit Nürnbergs Sportchef Bader: "Jeder Transfer ist auch eine Chance"

Gelassener Blick in die Zukunft: Martin Bader.  Foto: getty

Martin Bader hat den 1.FC Nürnberg seit seinem Amtsantritt als Sportchef in ruhiges Fahrwasser gelenkt. Der 43-jährige Sportökonom erklärt, warum es den Überraschungsteams der vergangenen Saison nicht möglich ist, den Vorjahreserfolg zu wiederholen.

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Ein Verein wie der 1.FC Nürnberg hat es in der Bundesliga immer schwerer, sich zu behaupten. Wie zermürbend ist es für einen Manager, tagaus, tagein an einem Haus zu werkeln, aus dem immer wieder wichtige Bauteile herausgerissen werden?

Es ist dann frustrierend, wenn das ganze Gebilde einstürzt. Wenn es auf der Baustelle nur ein bisschen länger dauert, ist es gar nicht so schlimm. Jeder Transfer ist auch die Chance, wieder etwas Neues zu machen, was nicht zwingend schlechter sein muss. Was hat man denn Werder Bremen jedes Jahr nachgesagt? Da sind Pizarro und Frings, Micoud und Ismael, Klose, Diego, Özil oder jetzt Mertesacker weggegangen, und in Bremen sind sie trotzdem gelassen geblieben. Klar, würde ich auch mal eine Mannschaft zusammenhalten und eine ruhige Saison spielen. Als Verantwortlicher weiß ich ja, was ein Abstieg bedeutet.

Was denn?

Horror. Man verliert zwei, drei Jahre und hat nicht die Garantie, dass es wieder hoch geht. Man muss alles auf die Karte Wiederaufstieg setzen, und das kostet eigentlich mehr Geld, als direkt drinzubleiben. Dazu ist das Risiko mittlerweile sehr hoch: Vereine wie Hansa Rostock, 1860 München oder der Karlsruher SC haben sich dabei verhoben.

Ist es denkbar, die Bundesliga als „closed shop“ spielen zu lassen?

Geniale Idee. Wenn ich einen Wunsch freihätte und mir würde jemand nächsten zehn Jahre Bundesliga garantieren, würde ich vieles dafür geben. Es hängt mittlerweile eine so immense wirtschaftliche Verantwortung daran, dann könnte ich schon ruhiger schlafen. Aber es ist nicht realistisch. Gerade das Abstiegs- und Aufstiegsszenario macht ja den Wettbewerb aus. Und ohne das Zittern würde es wahrscheinlich auch keinen Spaß bringen, denn dieser wochenlange Druck macht ja auch den Charme aus. Wir sehen ja gerade beim Eishockey, dass es keinen interessiert, wenn es um nichts geht.

In der Vorsaison bot die Bundesligatabelle ein ungewöhnliches Bild: Hannover, Mainz , Nürnberg, Kaiserslautern und Freiburg belegten die Ränge vier, fünf, sechs, sieben und neun. Nun kann sich nur Hannover gerade noch in der oberen Hälfte behaupten. Also lässt sich der Zusammenhang zwischen Etatgröße und Tabellenplatz eben doch nicht dauerhaft leugnen?

In der Regel pendeln sich in dieser Saison wieder auf den Rängen nach ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten ein. Es hatte ja nicht nur die gute Leistung der genannten Klubs zu diesem Bild geführt, sondern Vereine wie der VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg, Schalke 04 und Werder Bremen hatten gewaltige Probleme. Wenn wir diese Fehler gemacht hätten, wären wir abgestiegen.

Das Establishment hat insofern zurückgeschlagen. Weder Mainz noch Nürnberg konnten ihre Leistungsträger halten.

Die Erfahrungen sind tatsächlich ähnlich. Wenn Mainz nicht die Verluste von Schürrle, Holtby und Fuchs wettmachen kann, fangen wir nicht die Abgänge von Gündogan, Ekici, Schieber oder Wolf auf.

Ilkay Gündogan ist in Dortmund zweite Wahl, Mehmet Ekici nur Ergänzungsspieler in Bremen und Julian Schieber lange verletzt gewesen in Stuttgart. Wäre es nicht für alle drei besser gewesen, noch bei Ihnen zu bleiben?

Ich würde sagen Ja, die Spieler alle Nein. Schieber musste nach Stuttgart zurück, und ohne die Verletzung hätte er mehr Spiele gemacht. Um Ekici haben wir uns sehr bemüht, er wollte sich eine neue Heimat suchen bei einem Verein, der sportlich und wirtschaftlich mehr bieten kann. Bei Gündogan ist es ein Stück weit unerklärlich, dass er der Musik noch hinterherrennt. Seine Voraussetzungen waren eigentlich ideal.

In Philipp Wollscheid wechselt im Sommer der nächste Hochbegabte nach Leverkusen. Wenn sie einen jungen Spieler herausbringen, dauert es ein, maximal zwei Jahre, bis Ihnen die großen Vereine diese Spieler wieder wegschnappen.

Ich fange jetzt aber nicht das Jammern an. Das machen wir mit den Ligen unter uns oder dem Ausland auch. Wir sind so selbstbewusst, dass wir uns zutrauen, diese Spieler immer wieder zu finden oder selber auszubilden. Es gibt eine Durchlässigkeit wie in kaum einem anderen Verein. Eltern und Berater wissen, dass wir uns einem späteren Wechsel nach Dortmund, Leverkusen oder Bremen nicht versperren. Dass Nürnberg die Zwischenstation bildet, stellt ein Stilmittel unser Politik dar.

Der „Club“ hat sich zu einem seriösen Bundesligisten entwickelt, die chaotischen Zustände gehören längst der Vergangenheit an. Wo würden Sie ihren Verein ansiedeln?

Ich finde, dass wir eine gute Positionierung in einer Nische gefunden haben. In dieser Nische tummeln sich acht bis zehn Vereine aus der unteren Tabellenhälfte. Der eine Fokus liegt auf der Nachhaltigkeit im Nachwuchsbereich: Nach dem VfB Stuttgart stellt der 1. FC Nürnberg mittlerweile die meisten Jugendnationalspieler. Der andere Schwerpunkt ist es, Tradition sichtbar zu machen, um sich von Vereinen wie Wolfsburg und Hoffenheim abzugrenzen. Und: Nicht immer gibt der Tabellenplatz zwingend wieder, wie scharf das eigene Profil ist oder ob gute oder schlechte Arbeit geleistet wird.

Der Unwägbarkeiten wegen?

Vergangene Saison gab es das eine oder andere Spiel, das wir nicht wussten, warum wir da gewonnen haben. Ich nehme dazu das Beispiel Frankfurt aus der Vorsaison: Wenn die Eintracht das Schlüsselspiel gegen den FC Bayern gewinnt, wo Gekas bis heute nicht weiß, warum er den Ball beim Stande von 1:0 danebengeschossen hat, steigen die nie und nimmer ab. Mönchengladbach rettete sich dafür im letzten Atemzug in die Relegation und spielt aktuell vorne mit. So etwas ist schwer zu analysieren. Unser Geschäft bleibt immer ein Stück weit unberechenbar.

Das Gespräch führte Frank Hellmann

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