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31. August 2012

Javier Martínez bei den Bayern: Bescheidene 40 Millionen

 Von Maik Rosner
Freut sich ganz bodenständig auf das Oktober-Fest: der Fußballspieler Javier Martínez.  Foto: imago

Für Javier Martínez zahlt der FC Bayern München die höchste Transfersumme in der Geschichte des deutschen Fußballs. Bei seinem ersten Auftritt vor der Presse präsentiert sich der Mittelfeldmann bescheiden.

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Später, als Javier Martínez seinen ersten Auftritt vor der Münchner Presse hinter sich gebracht hatte, durfte er noch seine neue Wirkungsstätte begutachten. Gemeinsam mit Trainer Jupp Heynckes und Sportvorstand Matthias Sammer trat er hinaus auf den Platz, auf dem er künftig seine Heimspiele mit dem FC Bayern austragen wird. Ein paar Bilder sollten noch gemacht werden, sein neues Trikot mit der Nummer acht hielt das Trio den Fotografen entgegen.

Standesgemäße Begrüßung

Als sie so dastanden und in die Kameras lächelten, ertönte etwas, was eigentlich erst für die Bundesligapartie am Sonntag gegen den VfB Stuttgart vorgesehen ist. Dann könnte der defensive Mittelfeldspieler an seinem 24. Geburtstag bereits für seinen neuen Verein auflaufen. Doch nun war es schon so, wie man das kennt, wenn der Stadionsprecher einen Spieler ankündigt. „Javier“ schallte es durch die Arena, gefolgt von einem zweiten Ruf: „Martínez.“ Eine Führung war gerade unterwegs, und als die Besucher den 40-Millionen-Euro-Transfer-Mann auf dem Rasen erblickten, durfte es schon mal eine kleine, aber standesgemäße Begrüßung sein, auch ohne Stadionsprecher. Martínez lächelte.

Zur Person

Javier Martinez Aginaga wurde 1988 in Estella geboren. Schon bei seinem ersten Transfer von CA Osasuna zu Athletic Bilbao wurde für den defensiven Mittelfeldspieler eine enorme Summe von sechs Millionen Euro gezahlt, obwohl der damals 17-Jährige noch nie ein Erstligaspiel bestritten hat.

2010 begleitete Martinez das spanische Team zur Weltmeisterschaft nach Südafrika. Zwar spielte er damals nur 17 Minuten gegen Chile, doch fortan gehörte Martinez zum spanischen Kader. Bei der Europameisterschaft in der Ukraine und Polen 2012 wurde er im Spiel gegen Irland eingewechselt und hat so auch einen Anteil am EM-Titel.

Mit der Familie war er zu seiner Präsentation angereist. Mutter Fortu und Vater Victor saßen wie die gesamte Entourage im Publikum. Stolz blickten sie auf ihren Sohn, Bruder und Onkel auf dem Podium, als der über die wochenlangen Wirren dieses komplizierten Deals sprach, der in einem Vertrag bis 2017 mündete. Als Belastung scheint der spanische Nationalspieler das zurückliegende Gezerre um ihn und die sündhaft teure Ablösesumme nicht zu empfinden. „Ich habe eine unglaubliche Lust, das Spielfeld zu betreten und für dieses Trikot zu kämpfen. Ich möchte trainieren und spielen, dafür bin ich hier“, sagte Martínez.

Seine Gelassenheit erklärte er mit seiner Vergangenheit. Als 17-Jähriger, ohne ein einziges Spiel in der ersten spanischen Liga, sei er für ebenfalls abenteuerliche sechs Millionen Euro von CA Osasuna zu Athletic Bilbao gewechselt. Auch damals, sagte Martínez, „musste ich mit dem Druck umgehen und habe diesen in Motivation umgewandelt“. So wolle er es auch jetzt handhaben, und helfen werde ihm sicher, dass der Trainer Spanisch spreche. „Javi kann ja nichts für diese Ablösesumme“, assistierte Sammer, „wir sind sehr froh, weil der Typus uns sehr gut tut.“ Und Heynckes sagte: „Er ist der Spieler, den wir brauchen.“ Sie erhoffen sich viel von ihm. Nichts Spektakuläres, sondern eher Stilbildendes: Klasse, Übersicht, Defensivstärke, Ordnung im Aufbau. „Wir wollen am Ende A und O machen, nicht am Anfang“, sagte Sammer. Er meinte nach dem Gewinn von Titeln.

Sympathisch, bescheiden, ohne Allüren hat sich Martínez vorgestellt, nicht wie ein kickender Popstar, für den man ihn wegen der höchsten Ablösesumme in der Geschichte des deutschen Fußballs halten könnte. Eher bodenständig wirkt er. Dass er selbst einmal als Unterwäschemodel posiert hat, dass seine Freundin Maria Imizcoz, 21, hauptberuflich modelt – all das passt eigentlich in das Klischee eines Fußball-Jungstars. Er mag auch Autos, spielt gerne Playstation, hört R’n’B und Rap. Bekannt klingt das, doch ein bisschen anders scheint es bei Martínez schon zu sein.

Privat fährt er einen Mini Cooper, nicht gerade der Klassiker bei den Fußballprofis. Er hat sich eine Kamera für 800 Euro gekauft, um selbst ein bisschen zu knipsen, gerne auch mal seine Freundin. Ein Profigerät für ein paar tausend Euro musste es nicht sein. Und um seinen überteuerten Wechsel ein bisschen erträglicher für den FC Bayern zu gestalten, hat er angeblich von sich aus auf fast zwei Millionen Euro Jahresgage verzichtet. Das ist bei einem geschätzten Einkommen von immer noch fünf Millionen Euro zu verkraften. Und doch ist es, nicht nur in dieser Branche, ein eher ungewöhnlicher Zug.

Vorfreude aufs Oktoberfest

Einleben will er sich nun in München, sich wohlfühlen, nicht nur beim Fußball. „Ein bisschen Angst“, das hat er eingeräumt, habe er ja schon gehabt vor dem Abschied von zu Hause in ein fremdes Land. So oft es geht, wird er auch künftig in seine baskische Heimat reisen, in die kleine Ortschaft Ayegui, wo seine Familie wohnt. Dort trifft er sich mit Jugendfreunden, meist in seinem kleinen Restaurant „Durban“, benannt nach jener Stadt in Südafrika, in der er bei der Weltmeisterschaft 2010 sein erstes Länderspiel absolvierte.

Volksnah hat er sich auch bei seiner Präsentation gegeben. Freundlich versuchte er sich an ein paar Worten in Deutsch, das er gerade lernt. „Ich freue mich, beim FC Bayern zu sein“, gab Javier Martínez zum Besten. Ganz offensichtlich freut er sich auch auf das bodenständige Oktoberfest, das in drei Wochen beginnt. „Alle reden mit mir darüber“, sagte er. Er lächelte wieder. Für 40 Millionen Euro Ablöse war das fast zu normal.

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