Die Pressekonferenz war eigentlich schon beendet, da ergriff Rico Schmitt ungefragt das Wort. Es gab noch ein paar Dinge, die dem Trainer der Offenbacher Kickers unter den Fingernägel brannten. Den 44-Jährigen hielt es bei seinen Ausführungen kaum mehr auf dem Stuhl, er wurde laut, hämmerte mit der flachen Hand auf die Tischplatte. So, und nicht anders sollen sich seine Spieler am Samstag (14 Uhr) im Drittligaspiel bei den Stuttgarter Kickers präsentieren, sie sollen sich aufmuntern, pushen, anfeuern. Das seien jene Tugenden, die im Abstiegskampf gegen einen direkten Konkurrenten zum Erfolg verhelfen und die Schmitt bislang vermisst habe.
Dass dieser Enthusiasmus auch deshalb fehlte, weil die Spieler mit ihren Gedanken längst woanders sind, weil sie sich mehr über ihre eigene Zukunft sorgen, denn über das Schicksal des angeschlagenen Klubs, mag beim OFC niemand glauben. Die Situation mit 19 auslaufenden Verträgen im Sommer ist dennoch außergewöhnlich. Und es wird noch verzwickter: Der finanziell ums Überleben kämpfende Traditionsverein muss den Personaletat zur neuen Saison um mindestens 30 Prozent kürzen, den Kader um vier bis sieben Positionen reduzieren. Da ist nur noch für wenige Platz – zumindest nicht zu den gleichen, vereinzelt sehr gehobenen Bezügen. Dass die Leistung bei vielen Spielern nicht stimmt, kommt noch hinzu. Sportdirektor Oliver Roth sagt daher: „Die Mannschaft wird ein anderes Gesicht haben.“
Lediglich acht Spieler besitzen für die neue Saison ein gültiges Arbeitspapier, darunter aber auch Torhüter Robert Wulnikowski und der verletzte Abwehrchef Markus Husterer, die zu den Topverdienern zählen sollen, sowie Mathias Fetsch, an dem bereits einige Zweitligisten Interesse gezeigt haben. Belastend sei diese Situation für niemanden. „Wir haben einen Job zu erledigen“, sagt Marcel Stadel, dessen Vertrag ausläuft. „Wir müssen alles für den Verein geben.“
Sportdirektor und Trainer sehen in der ungewissen Situation sogar eine Chance. „Das ist eine wunderbare Gelegenheit, sich den Arsch aufzureißen“, erklärt Roth und Schmitt fügt an: „Wer Leistung bringt, wird eine neue Herausforderung finden.“ Egal ob beim OFC oder anderswo. Gerne würde der Coach mit Stadel, Kleineheismann, Feldhahn oder Stein weiterarbeiten. „Mir sind aber die Hände gebunden.“ Das Problem der Kickers: Aus der eigenen Jugend wird man auch nicht viel nach oben ziehen können. Laut Roth brauche das seine Zeit. Ein Gut, das man in Offenbach noch nie hatte.
Am Donnerstag kam ein weiterer Tiefschlag für die Kickers: Der Spielausschuss des Deutschen Fußball-Bundes zieht dem Drittligisten zwei Punkte ab. Der DFB begründete dies mit „Verstößen im Rahmen des wirtschaftlichen Zulassungsverfahrens zur Spielzeit 2012/2013“. „Der Punktabzug tut uns sportlich sehr weh, das Strafmaß hätte jedoch wesentlich gravierender ausfallen können. Unsere offene, schonungslose und transparente Vorgehensweise bei der Aufarbeitung hat uns der DFB sehr hoch angerechnet“, sagte OFC-Geschäftsführer David Fischer. (mit dpa)
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