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28. November 2012

Knicks vs. Nets: Spike Lee bleibt hart

 Von Sebastian Moll
Sitzt die Frisur? Knicks-Center Chandler testet Nets-Center Lopez. Foto: dapd

Big Apple im Basketballfieber: Das Duell der Nets gegen die Knicks weckt in New York die Hoffnung auf eine Wiederkehr eines Derbys von Format.

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Big Apple im Basketballfieber: Das Duell der Nets gegen die Knicks weckt in New York die Hoffnung auf eine Wiederkehr eines Derbys von Format.

New York –  

Es war ein eigenartiger Basketball-Abend dieser Montag in Brooklyn, lange wusste niemand so recht, wer jetzt das Heimteam ist und wer das Auswärtsteam. In einem Augenblick feuerte die Menge den Star der Knicks Carmelo Anthony an. Im nächsten Augenblick formierten sich Sprechchöre, um rhythmische „Brook-Lyn, Brook-Lyn, Brook-Lyn-Rufe“ in die Halle zu schmettern.

Das New Yorker Publikum muss sich erst noch sortieren, eine Situation wie diese gab es in der Stadt noch nie. Zum ersten Mal in der Geschichte der NBA existieren zwei Profimannschaften in New York, seit zu Saisonbeginn die Nets aus der Vorstadt-Ödnis von New Jersey nach Brooklyn gezogen sind. Nun buhlen die neuen Nets mit ihrem überlässigen schwarz-weiß Look darum, dass die Basketballfans von den alteingesessenen aber in den letzten Jahren glücklosen Knicks über den East River desertieren.

Energischer Start

So war das erste Spiel der neuen Rivalen in der Stadt ein wichtiger Test dafür, ob das gelingen kann. Ein Test, den die Nets mit Bravour bestanden. Bis zuletzt widerstanden sie den stark in die Saison gestarteten Knicks, zwangen sie in die Nachspielzeit und gewannen schließlich 96:89. Das Ergebnis ließ darauf hoffen, dass aus dem Nets-Knicks-Zweikampf eine echte Lokal-Rivalität erwachsen kann, so, wie die Marketing-Maschinen beider Teams sie seit Monaten herbeireden.

Unaufhörlich wird das große Duell zwischen den Baseball-Mannschaften Brooklyn Dodgers und New York Giants in den Dreißer-, Vierziger- und Fünzigerjahren heraufbeschworen, das 1955 in einer der legendärsten Finalserien der amerikanischen Sportgeschichte mündete.

Die echten Sportkenner und Liebhaber mahnen jedoch, diesem Lärm nicht allzu große Beachtung zu schenken. Eine große Rivalität, schrieb etwa der Kolumnist der New York Times, George Vecsey, kann man nicht proklamieren. Sie muss wachsen. Sie braucht eine Geschichte. Vor allem muss es sportlich wirklich eine Rivalität sein.

Räumliche Nähe alleine, so Vecsey, mache noch keine Rivalität aus, das sei an den anderen New Yorker Derbys zu sehen. So ist es zwölf Jahre her, dass die Baseballer der Mets eine Herausforderung für die Yankees waren. Gering ist die Leidenschaft, wenn die beiden Teams gegeneinander antreten. Auch die Football-Gegnerschaft zwischen den Jets und den Giants lässt die Gemüter nicht überkochen, nicht zuletzt wohl, weil beide in New Jersey spielen und irgendwie noch immer als Vorort-Teams gesehen werden.

Basketball-Enthusiasmus in New York

Eines haben die Nets und die Knicks jedoch schon geschafft. Der Basketball-Enthusiasmus ist in New York so groß wie lange nicht. Die Teams, beide seit Jahren bedeutungslos, sind energisch in die Saison gestartet und führen nun gemeinsam die Tabelle der Atlantic Division an. Wenn sie es schaffen, den Schwung beizubehalten, kann sich die Stadt auf eine Playoff-Runde freuen, wie es sie am Hudson schon lange nicht mehr gab.

Einen eigenen Fan-Stamm müssen sich die Nets aber trotzdem erst noch erspielen. Die wenigen Anhänger, welche die Nets in New Jersey noch hatten sind nicht mit umgezogen. Das Marketing fruchtet nur zäh. Filmregisseur Spike Lee, der in Brooklyn aufgewachsen ist, hat zum Beispiel nicht vor, seinen geliebten Knicks den Rücken zu kehren. „Ich habe seit 1967 eine Dauerkarte bei den Knicks und daran wird sich nichts ändern“, sagte er dem Brooklyner Stadteil-Vorsteher Marty Markowitz, als dieser ihn öffentlich umgarnte. Kollege Woody Allen, ebenfalls Brooklyner und Stammgast im Madison Square Garden, würdigte die Jets-Arena bislang nicht einmal mit einem Besuch.

So ist es noch ein weiter Weg, bis Nets-Knicks zu einem Derby vom Format Chelsea-Arsenal erwächst. Das fand sogar der Nets-Trainer Avery Johnson nach dem Sieg gegen die Knicks. „Dafür gab es noch keinen Pokal und keine Parade“, sagte er. „Aber es war immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.“

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