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22. Februar 2016

Kommentar : Schmidts dreiste Sturheit

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Gehst du nicht, gehe ich.  Foto: REUTERS

Schiedsrichter Felix Zwayer schickt erst Roger Schmidt von Bayer Leverkusen auf die Tribüne, und als der nicht gehen will, beide Mannschaften in die Kabine. Ein bisher einmaliger Vorgang in der Bundesliga. Ein Kommentar.

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Die deutschen Elite-Schiedsrichter lernen in ihren halbjährlich stattfindenden Intensivseminaren viel über die richtige Körpersprache und die Bedeutung von guter Kommunikation. Das war früher anders. Wie ein Referee mit Profis und Trainern umging, war zumeist Charaktersache und dem Bauchgefühl geschuldet. Mittlerweile hat hier eine Professionalisierung eingesetzt, die schon der vormalige Schiedsrichterchef Volker Roth angeschoben hatte und die unter dessen Nachfolger  Herbert Fandel intensiviert wurde. Schiedsrichter lernen dort unter anderem, dass sie ihren Entscheidungen nicht den Anschein geben sollen, sie würden sie nach Gutsherrenart fällen. Stattdessen wird gelehrt, Trainern und Spielern gegenüber zumindest kurze Erklärungen zu geben, um so für Klarheit zu sorgen und einer Eskalation vorzubeugen.

Insoweit mutet es verwunderlich an, dass ausgerechnet Felix Zwayer, einer der hiesigen Spitzenunparteiischen, der Schiedsrichter des Jahres 2014 war und seit 2012 auf der Liste der Fifa-Topleute steht, Mitverantwortung dafür trägt, dass erstmals in der 53-jährigen Bundesligahistorie ein Spiel unterbrochen werden musste, weil ein Trainer sich weigerte, dem Tribünenverweis Folge zu leisten. Zwayer hatte dem ständig stänkernden Leverkusener Trainer Roger Schmidt Mitte der zweiten Halbzeit des Spiels gegen Borussia Dortmund aus größerer Entfernung mit unmissverständlicher Geste bedeutet, dass er mit seiner Geduld am Ende sei und Schmidt den Innenraum des Stadions umgehend zu verlassen habe. Nachdem Schmidt sich den Anweisungen verwehrte, nutzte es auch nichts, dass Zwayer Kapitän Stefan Kießling zu seinem Trainer schickte, um dem uneinsichtigen Coach zu bedeuten, sich schleunigst zu trollen.

Hang zum Jähzorn

Weil das nicht funktionierte und Zwayer sodann sein Gesicht nicht mehr verlieren mochte, indem er doch das Zwiegespräch mit Schmidt gesucht hätte, schickte der Referee beide Mannschaften vorübergehend in die Kabine. Den richtigen Zeitpunkt zur besseren Kommunikation hatte Zwayer da bereits verpasst. Darüber wird unter den deutschen Spitzen-Schiedsrichtern zu reden sein.

Viel intensiveren selbstkritischen Einschätzungen sollten sich jedoch Roger Schmidt selbst sowie Leverkusen Sportchef Rudi Völler widmen. Bei beiden ist deren Hang zum Jähzorn und zu auffällig selbstgerechten Einschätzungen  umstrittener Situationen nicht unbekannt, am Sonntag beglaubigten sie ihren Ruf auf diesem Gebiet eindrucksvoll. Beide wurden dem, was man als Minimum an Vorbildrolle eines Verantwortlichen aus der Bundesliga erwarten darf, nicht im Entferntesten gerecht. Schmidts Sturheit wurde zur Dreistigkeit, als er auch nach mehrfachen Versuchen der Aufforderung des Schiedsrichters nicht nachkam. Völler hätte hinterher in einem wieder einmal legendären Interview, diesmal mit dem tapferen Sky-Reporter Sebastian Hellmann, lieber darauf verzichtet, Zwayer zu unterstellen, dieser habe ein für die TV-Kameras offenkundiges Handspiel des Dortmunders Sokrates im Strafraum als böswilligen Akt der Revanche und somit absichtlich übersehen. Völler sprach dem Schiedsrichter gar grundsätzlich dessen Neutralität ab. Das ist ein schwerwiegender Vorwurf, der ebenso das DFB-Sportgericht beschäftigen dürfte wie Schmidts beispielloses Fehlverhalten. Immerhin war vom Leverkusener Trainer hinterher zumindest ansatzweise so etwas wie Einsicht zu vernehmen, was die Angelegenheit allerdings nur unwesentlich besser macht.

Zu spät kam diese Einsicht ohnehin. Dem 48-Jährigen, der sich in seiner Coachingzone dem Vernehmen nach bereits des Öfteren im Ton vergriffen haben soll, droht nun eine spürbare Strafe durch die Verbandsjustiz. Wie auch immer die ausgehen wird – wobei Schmidt  besser mit wenig Nachsicht rechnen sollte – bedauerlich ist vor allem, dass der Fußballlehrer mit seinem hochnotpeinlichen Verhalten damit ein erneutes Beispiel für den Verfall der Sitten auf deutschen Fußballplätzen abgegeben hat.

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