Seit ein paar Monaten drucksen sie beim DFB herum, wenn der Name Jens Lehmann fällt. Es geht darum, wie der Ex-Nationaltorwart verabschiedet werden soll: Wie vom Elfmeterhelden gegen Argentinien gewünscht mit einem Einsatz gegen England am 19. November im Berliner Olympiastadion oder nur per Blumenstrauß?
Bundestrainer Joachim Löw hat nach der EM, als er es bedauerlicherweise verpasste, statt der Erfahrensten die Besten spielen zu lassen, einen neuen Konkurrenzkampf ausgerufen. Westermann verteidigt deshalb anstelle von Metzelder, Hitzlsperger räumt für Frings auf, statt Kuranyi kam Helmes zumindest als Einwechselspieler zum Einsatz, und im Tor spielt René Adler statt des mit sanftem Druck entfernten Lehmann.
Umso unverständlicher wäre es nun, wenn Löw gegen England einer für den deutschen Fußball nicht sonderlich prägenden Figur wie Lehmann noch einen 62. Einsatz im DFB-Team gönnen würde. Ganz unabhängig davon, dass es das falsche Signal an die nachrückenden Talente Adler und Manuel Neuer wäre, die jede Minute Einsatzzeit in der A-Mannschaft voranbringt, stellt sich die Frage: Womit hätte sich Lehmann eine derartige Sonderbehandlung verdient? Dafür, dass er mit Oliver Kahn stets ein vorbildlos unkollegiales Verhältnis pflegte? Dafür, dass er lediglich zwischen März 2006 und Juni 2008 Deutschlands Nummer eins war? Dafür, dass er mal heimlich Handschuhe von Nike trug statt von DFB-Ausrüster Adidas? Dafür, dass er mit Manager Bierhoff gut kann? Oder dafür, dass er in der Premier League sein Geld verdiente und es deshalb schön passt mit dem Abschied gegen England? Wie auch immer: Wenn Löw sich entscheidet, Lehmann zwischen die Pfosten zu stellen, dann hätte eines Tages selbst Arne Friedrich Anspruch auf ein Dankeschön im Adlertrikot. Bernd Schneider sowieso. Und Klose, Schweini und Poldi, Merte und Metze. Und sogar Michael Ballack und Torsten Frings.
Die WM-Qualifikation soll für Joachim Löw und die DFB-Auswahl nur eine Zwischenstation sein. Mehr in unserem WM-Spezial.
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