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27. Oktober 2015

Kommentar Marathon: Verlaufen

 Von 
Die schnellsten Deutschen, Arne Gabius und Lisa Hahner.  Foto: dpa

Der Marathon braucht Vorbilder: Ergo müssen einige Repräsentanten auch 2016 am Schlusstag in Rio de Janeiro auf den 42,195 Kilometern sichtbar sein. Denn endlich, endlich hat Deutschland wieder Typen und Charaktere vorzuzeigen, die sich auch medial inszenieren lassen. Ein Kommentar.

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Herbert Steffny ist ein Stammgast beim Frankfurt-Marathon. Kaum einer kennt sich so gut mit Zahlen und Daten, Trends und Geheimtipps aus wie der engagierte Lauftrainer, Buchautor und Biologe, dem man sein Lebensalter von 62 Jahren wohl deshalb nicht ansieht, weil er sich immer auf dem Laufenden hält. Wer Steffny fragt, was er von der Debatte um die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) verschärfte Olympianorm hält, bekommt ein längeres Referat zu hören. Der dreimalige Sieger in der Mainmetropole verweist darauf, dass die Mehrzahl der mehr als 850 000 DLV-Mitglieder doch die Volksläufer seien, die nach Vorbildern lechzen würden. Ergo müssen einige Repräsentanten auch 2016 am Schlusstag in Rio de Janeiro auf den 42,195 Kilometern sichtbar sein. Denn endlich, endlich hat Deutschland wieder Typen und Charaktere vorzuzeigen, die sich auch medial inszenieren lassen. Arne Gabius hat beim ältesten deutschen Stadtmarathon Geschichte geschrieben, Lisa Hahner alle Zweifler widerlegt, dass ihr Substanz und Härte fehlen. Ihre Schwester Anna sollte genau wie die Berlin-Überraschung Philipp Pflieger nach Rio reisen, sofern andere nicht die Norm noch unterbieten. Das wäre ein Signal. In alle Richtungen.

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Dass die wichtigsten fünf deutschen Marathon-Veranstalter mit dem Verband ziemlich überkreuz liegen, hat aber nicht allein mit den Nominierungskriterien zu tun. Im Hintergrund geht es nämlich ums liebe Geld. Der DLV wollte ursprünglich von allen Laufveranstaltungen hierzulande pro Teilnehmer einen Läufer-Euro erheben. Abzuführen vom Ausrichter. Dieser Betrag ist zwar halbiert worden, und von den 50 Cent sollen gleich 40 Cent an den Landesverband gehen, doch was mit diesen Mitteln wirklich geschieht, ist nicht so ganz klar.

Die Renndirektoren, die bei der Geldbeschaffung ohnehin keinen leichten Stand haben, regen sich zu Recht auf, wie diese Abgabe eingeführt wurde. Dazu kamen in der Vergangenheit einsame Entscheidungen vor Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen, die den Eindruck erweckt haben, dass manch Bundestrainer oder Bundestrainerin persönlich motiviert war, den einen mitzunehmen und den anderen zu Hause zu lassen.


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Anna Hahner war 2012 vor den Spielen in London ein solch prominentes Opfer. Wegen wenigen Sekunden blieb sie außen vor. Solche Willkür kann Karrieren zerstören. Wie wäre es, wenn sich alle Beteiligten im deutschen Marathon mal irgendwo im Wald treffen? Erst gemeinsam beim Laufen die Gemüter kühlen und dann aussprechen.

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