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26. November 2012

Kommentar: Neue Töne im Stadion

 Von Jan Christian Müller
Die Schalker Krawallbrüder "Hugos". Foto: S. Krieger

Die kleine Minderheit der Krawallmacher prägt das Bild des Fußballfans und macht das Stadion zum Hochsicherheitstrakt. Jetzt reicht es der überwiegend friedlichen Mehrheit. Für den bevorstehenden Wochenspieltag rufen deshalb Fans in allen Stadien zu einem zwölfminütigen kollektiven Schweigen auf.

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Für diese Woche bescheren die Terminplaner der Deutschen Fußball-Liga den Fans einen Wochenspieltag. Eintracht Frankfurt spielt dabei im Derby gegen Mainz 05. Weil aber eine Menge Anhänger des keine 50 Kilometer entfernt beheimateten Ligakonkurrenten keine Lust auf Scharmützel mit Unterstützern des ungeliebten Nachbarn haben, bleiben viele lieber zu Hause.

Derlei vorsorglich konfliktvermeidende Zurückhaltung bildet nach wie vor die Ausnahme. Dass es überhaupt so weit kommen musste, ist bedauerlich. Doch die überwiegende Mehrheit der vergangene Saison 18,8 Millionen Besucher von Erst- und Zweitligaspielen fühlt sich nicht bedroht. Denn tatsächlich ist die Chance, in oder vor den Stadien unversehens zum Gewaltopfer zu werden, extrem gering.

Exzesse sind selten

Dennoch kommt es immer wieder zu Exzessen, die, gemessen an der Gesamtzuschauerzahl, aber selten sind. Ihre Ursachen sind derart komplex, dass die Macher des Diskussionspapiers „Sicheres Stadionerlebnis“ der Deutschen Fußball Liga derzeit die Grenzen ihrer Handlungsmöglichkeiten unbehaglich zu spüren bekommen: Es gibt kein Handbuch für brave Fußballfans und es wird niemals eines geben können.

Aber es gibt die Möglichkeit zu handeln. Fans von Schalke 04 haben das am Samstag vorbildhaft demonstriert, indem sie mit unüberhörbarer Ablehnung auf das große Abschiedsfeuer der Krawallbrüder „Hugos“ reagierten, von denen viele wegen Ausschreitungen beim Derby vor einigen Wochen in Dortmund mit Stadionverboten belegt worden waren. „Wir sind Schalker und Ihr nicht“ war ein lautstarkes und in dieser Form auch neues Statement der großen Mehrzahl gegen eine selbstgerechte Minderheit, die sich durch repressive Maßnahmenkataloge nur noch mehr herausgefordert fühlt.

Als unübersehbare Gefahr des DFL-Papiers bleibt, dass auch diejenigen, die sich am Samstag so vehement und mutig gegen die Unverbesserlichen gestellt haben, sich drangsaliert und bevormundet fühlen. Für den bevorstehenden Wochenspieltag haben deshalb Fans in allen Stadien zu einem zwölfminütigen plus zwölfsekündigen kollektiven Schweigen aufgerufen. Die Aktion soll so lange fortgeführt werden, bis am 12. 12., bei der Versammlung von 36 Lizenzvereinen der ersten und zweiten Liga, über das umstrittene DFL-Positionspapier abgestimmt wird. Je deutlicher sich diese bedeutende Gruppe nicht nur stumm gegen die immerhin bereits überarbeiteten Pläne positioniert, sondern auch couragiert gegen eine aggressive Minderheit, desto eher dürfte das Stadionerlebnis auch in Zukunft so sicher bleiben, wie es derzeit fast ausnahmslos noch ist.

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