Für diese Woche bescheren die Terminplaner der Deutschen Fußball-Liga den Fans einen Wochenspieltag. Eintracht Frankfurt spielt dabei im Derby gegen Mainz 05. Weil aber eine Menge Anhänger des keine 50 Kilometer entfernt beheimateten Ligakonkurrenten keine Lust auf Scharmützel mit Unterstützern des ungeliebten Nachbarn haben, bleiben viele lieber zu Hause.
Die Schalker Krawallbrüder "Hugos" fackeln im Spiel gegen Frankfurt Bengalos ab. Die anderen Fans verurteilen die Aktion und reagieren mit Sprechchören: „Wir sind Schalker und Ihr nicht". (Fotos: S. Krieger)
Derlei vorsorglich konfliktvermeidende Zurückhaltung bildet nach wie vor die Ausnahme. Dass es überhaupt so weit kommen musste, ist bedauerlich. Doch die überwiegende Mehrheit der vergangene Saison 18,8 Millionen Besucher von Erst- und Zweitligaspielen fühlt sich nicht bedroht. Denn tatsächlich ist die Chance, in oder vor den Stadien unversehens zum Gewaltopfer zu werden, extrem gering.
Dennoch kommt es immer wieder zu Exzessen, die, gemessen an der Gesamtzuschauerzahl, aber selten sind. Ihre Ursachen sind derart komplex, dass die Macher des Diskussionspapiers „Sicheres Stadionerlebnis“ der Deutschen Fußball Liga derzeit die Grenzen ihrer Handlungsmöglichkeiten unbehaglich zu spüren bekommen: Es gibt kein Handbuch für brave Fußballfans und es wird niemals eines geben können.
Gegen etwa 60 Ultra-Fans des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 werden wegen Abbrennens von bengalischen Fackeln im Spiel gegen Eintracht Frankfurt Strafverfahren eingeleitet. Das bestätigte die Gelsenkirchener Polizei am Samstag kurz nach Spielende. „Das war eine traurige Angelegenheit. Wir haben von etwa 60 Personen die Personalien festgestellt und werden gegen diese auch Strafverfahren einleiten“, sagte Polizeisprecher Konrad Kordts: „Wir haben die Aktion videografiert und die Personen identifiziert. Dann haben wir sie nach dem Spiel abgefangen.“
Aber es gibt die Möglichkeit zu handeln. Fans von Schalke 04 haben das am Samstag vorbildhaft demonstriert, indem sie mit unüberhörbarer Ablehnung auf das große Abschiedsfeuer der Krawallbrüder „Hugos“ reagierten, von denen viele wegen Ausschreitungen beim Derby vor einigen Wochen in Dortmund mit Stadionverboten belegt worden waren. „Wir sind Schalker und Ihr nicht“ war ein lautstarkes und in dieser Form auch neues Statement der großen Mehrzahl gegen eine selbstgerechte Minderheit, die sich durch repressive Maßnahmenkataloge nur noch mehr herausgefordert fühlt.
Polizisten begleiten die Fans des Europa League Fußballspieles Hannover 96 - Twente Enschede in Hannover Richtung Stadion. Nach Polizeiangaben kommt es zu Randale, die Beamten nehmen 26 Personen fest.
Foto: dpaAls unübersehbare Gefahr des DFL-Papiers bleibt, dass auch diejenigen, die sich am Samstag so vehement und mutig gegen die Unverbesserlichen gestellt haben, sich drangsaliert und bevormundet fühlen. Für den bevorstehenden Wochenspieltag haben deshalb Fans in allen Stadien zu einem zwölfminütigen plus zwölfsekündigen kollektiven Schweigen aufgerufen. Die Aktion soll so lange fortgeführt werden, bis am 12. 12., bei der Versammlung von 36 Lizenzvereinen der ersten und zweiten Liga, über das umstrittene DFL-Positionspapier abgestimmt wird. Je deutlicher sich diese bedeutende Gruppe nicht nur stumm gegen die immerhin bereits überarbeiteten Pläne positioniert, sondern auch couragiert gegen eine aggressive Minderheit, desto eher dürfte das Stadionerlebnis auch in Zukunft so sicher bleiben, wie es derzeit fast ausnahmslos noch ist.
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