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28. Januar 2009

Kommentar: Päpstlich

 Von JÜRGEN AHÄUSER
Jürgen Ahäuser ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.  Foto: FR

Recht hat er der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Eine Amnestie ohne Gegenleistung für dopingbelastete Trainer soll es nicht geben. Sünder sollen Taten

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Recht hat er der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Eine Amnestie ohne Gegenleistung für dopingbelastete Trainer soll es nicht geben. Sünder sollen Taten bekennen, sie sollen sich reuig zeigen und sie sollen die richtigen Lehren aus der Vergangenheit gezogen haben. So viel Einsicht kann der deutsche Sport tatsächlich von seinen Übungsleitern verlangen, auch wenn deren Fehlverhalten meist mehr als 20 Jahre zurückliegt. Auf der anderen Seite müssten die Funktionäre aber auch reuig in die Knie gehen und sich ihrerseits zu ihrer ebenfalls 20 Jahre währenden Amnesie bekennen. Die Vergesslichkeit bei denen, die sich das DDR-Sportsystem mitsamt des unbewältigten Staatsplanthemas 14.25 einverleibt haben, hat nämlich unmittelbar nach der Wende eingesetzt. Niemand, angefangen bei DOSB-Präsident Thomas Bach, der ja nun nicht erst seit gestern ganz vorne mitturnt, nahm es mit dem Ausmisten allzu ernst.

Anschaulichstes Beispiel für die bigotte Mentalität ist der Aufstieg von Franziska van Almsick zur deutschen Sportikone. Die badende Berlinerin, mittlerweile stellvertretende Vorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe, ist während ihrer gesamten Karriere von Trainern betreut worden, die mehr oder minder tief in das Dopingsystem der DDR verstrickt waren. Groß gestört hat das noch nicht einmal, als alle drei Trainer sich 1997 nach Ermittlungen der Zentralstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität (ZERV) vor Gericht verantworten mussten. Die Verfahren sind in der Regel wegen geringer Schuld gegen eine Geldbuße eingestellt worden.

Noch vor wenigen Wochen haben Bach und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper der doppelgoldigen Britta Steffen in Peking zugejubelt. Die zweifache Olympiasiegerin wird dummerweise von Norbert Warnatzsch trainiert, jenem Coach, der van Almsick zum viel bewunderten zweiten Weltrekord führte. Wenn es nach dem extrem päpstlichen, vorolympischen Dekret der DOSB-Oberen gegangen wäre, dann hätte Warnatzsch nicht mit nach China gedurft.


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Jetzt allerdings bauen die Funktionäre Brücken. Werner Goldmann wollte nicht darüber gehen, die Trainer, gegen die auch noch ermittelt wird, sollten seinem Beispiel nicht folgen.

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