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16. Dezember 2012

Kommentar zu Huub Stevens: Zerfall auf Schalke

 Von Jan Christian Müller
Trainer Jens Keller und Sportchef Horst Heldt (r.) bei der Pressekonferenz am Sonntag.  Foto: Bongarts/Getty Images

Der Schalke-Trainer Huub Stevens, den die Fans zum „Jahrhunderttrainer“ wählten, musste am Sonntag gehen. Warum Sportchef Horst Heldt sich wohl auch in Frankfurt nach einem Nachfolger umsehen wird.

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Am Ende haben sie es bei Schalke Huub Stevens nicht einmal mehr zugetraut, das Pokalheimspiel gegen Mainz 05 am Dienstag zu gewinnen. Denn der verdiente, aber zusehends kraft- und ratloser wirkende Trainer hatte zuletzt nicht mehr den Eindruck vermittelt, der Mannschaft noch helfen zu können. Die Mannschaft ihrerseits war zu schwach, um sich selbst zu helfen. Es gab niemanden, einschließlich Sportchef Horst Heldt, der in der Lage gewesen wäre, Zusammenhalt zu schaffen.

Christoph Metzelder hätte es Kraft seiner Persönlichkeit gemeinsam mit dem integrativen Kapitän Benedikt Höwedes vielleicht erreichen können, aber nicht mehr Kraft seiner Leistungsstärke. Lewis Holtby, anerkannter Anführer bei der
U 21-Nationalmannschaft, erwies sich als zu unstet und wohl auch noch zu unreif, um in dieser schwierigen Phase wegweisend zu wirken. Jermaine Jones verlor die Nerven, Klaas Jan Huntelaar wirkte weitgehend unbeteiligt. So zerfiel die Mannschaft zunehmend, begleitet von immer schlechterer Laune ihres nun geschassten Vorgesetzten.

Team braucht Impuls von außen


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Das Team, das zuletzt nicht mehr wie ein Team auftrat, benötigt also tatsächlich dringend einen Impuls von außen. Wobei Zweifel angebracht erscheinen, ob der beim VfB Stuttgart vor zwei Jahren als Cheftrainer bereits nach zwei Monaten durchgefallenen bisherige Schalker B-Jugendcoach Jens Keller dafür der richtige Mann sein kann. Dass Horst Heldt es den mit den Jugendlichen durchaus erfolgreichen Keller tatsächlich zutraut, die verunsicherte Profimannschaft zumindest bis zum Ende der Saison zu führen, ist kühn. Als Profi entwickelte sich Keller vor allem bei seiner letzten Station in Frankfurt zur Führungspersönlichkeit, als Kurzzeit-Cheftrainer in Stuttgart war er allerdings weit entfernt davon, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Es ist derweil erstaunlich, in welch rasantem Tempo der erfahrene Stevens den Zugriff auf sein Team verlor, und man ist geneigt anzunehmen: Die medial grell ausgeleuchtete Bundesligabranche neigt offenbar dazu, ihre Protagonisten beim kleinsten Anzeichen von Schwäche im Abnutzungskampf schneller denn je zu verbrauchen. Bis Anfang November hatte der knorrige Fahrensmann Schalke 04 in Tuchfühlung zu den Bayern auf Rang zwei geführt, noch dazu bald darauf ins Achtelfinale der Champions League. Er wurde nach Amtsantritt im September 2011 allseits gelobt für sein Krisenmanagement, nachdem Ralf Rangnick sich erschöpft zurückgezogen hatte, er fand in einer feinherben Mischung aus Lockerheit und Strenge schnell Zugang zu den Profis, ließ sie überraschend mutig nach vorn spielen und erreichte alle gesteckten Ziele. Vergessen. Vorbei.

Armin Veh und Thomas Tuchel

Vom passionierten Golfspieler Horst Heldt weiß man, dass er sein Netzwerk aufmerksam pflegt. So ist Keller zu Schalke 04 gekommen, so könnte, glauben Branchenkenner, Armin Veh in der kommenden Saison zu Schalke 04 kommen. Mit dem Frankfurter Erfolgscoach hat Heldt 2007 den größten gemeinsamen Triumph erlebt und praktisch aus dem Nichts ein Meisterteam gebastelt. Der deutsche Trainermarkt ist derart leer gefegt, dass es niemanden verwundern darf, wenn Heldt sowohl Veh als auch den Mainzer Thomas Tuchel ganz oben auf seiner Shortlist stehen hat. Er wird bei beiden Kandidaten aber Überzeugungsarbeit leisten müssten, dass Schalke 04 zu einem Klub werden kann, in dem ein Trainer nicht in atemberaubenden Tempo zum schwächsten Glied der Fehlerkette wird.

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