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09. Januar 2016

Kommentar zu Platini: Halber Schritt

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Michel Platini war schon lange kein geeigneter Kandidat, um den Fußball glaubwürdiger in die Zukunft zu führen als sein Vorgänger Blatter.  Foto: dpa

Michel Platini gibt auf: Der frühere Fußballkünstler will nicht mehr Fifa-Präsident werden. Doch das ist nur ein halber Schritt: Platini muss auch beim europäischen Verband zurücktreten. Ein Kommentar.

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Michel Platini hat einmal gesagt, er mache selten Fehler, weil er sich auf seinen Instinkt verlassen könne. Aber am Ende hat er einen Mann unterschätzt, der noch listiger war als er selbst: Sepp Blatter. Als dieser fiel, hat er den vormals geliebten Feind mit in den Abgrund gerissen. So hat Blatter, wenn auch aus niederen Beweggründen, der Fußballwelt Gutes getan.

Diese von Grund auf verruchte Parallelwelt schickt sich nun an, genau jene beiden Protagonisten loszuwerden, die in dem System der gegenseitigen Korrumpierbarkeit die größte Macht erwarben. Das ist eine Zukunftschance, aber auch Chancen können ungenutzt liegen bleiben. Denn als Favorit für die bald anstehende Wahl gilt Salman bin Ibrahim Al Chalifa, ein Scheich aus Bahrain, dem Menschenrechtsorganisationen alles andere als einen einwandfreien Leumund bescheinigen.


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Michel Platini war schon lange, bevor die dubiose Zwei-Millionen-Franken-Zahlung bekannt wurde, über die er letztlich gestolpert ist, kein geeigneter Kandidat, um den Fußball glaubwürdiger in die Zukunft zu führen als sein Vorgänger. Dafür hat er allzu offensichtlich und nonchalant zugelassen, dass Berufliches (seine Wahl für Katar 2022) mit Privatem (die Festanstellung seines Sohnes Laurent bei einer katarischen Regierungsorganisation) vermengt wird. In der Fußballwelt mit den Gesetzen, die bis vor kurzem galten, erfüllte das noch nicht einmal das Strafmaß eines Bagatelldelikts. Der DFB etwa hat den begnadeten Charmeur Platini lange Zeit vorbehaltlos unterstützt. Gewachsene Männerfreundschaften hatten mehr Stellenwert als eine Haltung.

DFB und FA müssen sich zu Wort melden

Nachdem der Franzose nun, bedauerlicherweise nicht aus Einsicht, seine Kandidatur für den höchsten Posten im Weltfußball aufgibt, bleibt eine zentrale Frage offen: Wie soll dieser Mann – der mal ein großer Fußballspieler war, aber danach ein allzu hemdsärmliger Funktionär, dem good covernance zwei Fremdwörter sind – auch nur ansatzweise glaubwürdig den europäischen Verband weiterführen? Und wie lange kann die Uefa führungslos warten?

Nie und nimmer so lange, bis Monsieur Platini sich mit seiner Klage gegen die achtjährige Sperre durch alle Instanzen geklagt hat. Es ist also an der Zeit, dass führende europäische Verbände wie der DFB oder die englische Football Association sich eindringlich zu Wort melden und ihm klarmachen, dass der Rückzug von der Fifa-Kandidatur nur ein halber Schritt gewesen sein kann. Der nächste halbe Schritt muss folgen, und zwar zeitnah: der Rücktritt als Chefchen der Europäischen Fußball-Union.

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