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14. August 2013

Länderspiel gegen Paraguay: Wer macht den Abwasch?

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Die Mauer des Lächelns: Mats Hummels und Per Mertesacker. Foto: imago sportfotodienst

Seine Liebe zum schönen Spiel will Joachim Löw trotz der Tatsache, dass es in der Nationalmannschaft in der Verteidigung ein wenig kriselt, „kein bisschen“ aufgeben.

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Seine Liebe zum schönen Spiel will Joachim Löw trotz der Tatsache, dass es in der Nationalmannschaft in der Verteidigung ein wenig kriselt, „kein bisschen“ aufgeben.

Aus Anlass des Testspiels gegen Paraguay in Kaiserslautern ist Joachim Löw gefragt worden, warum es ihm wichtig ist, im Vorfeld der WM in Brasilien gegen eine südamerikanische Mannschaft zu üben. Da hat der Bundestrainer das hohe Lied auf den südamerikanischen Fußball gesungen. Liebe Leute, „das ist nicht immer Samba-Fußball“, hat er in den dunklen Raum im Mainzer Teamhotel gerufen, „da gibt es Mannschaften, die weder sich noch den Gegner schonen, die wahnsinnig gut verteidigen und rigoros in die Zweikämpfe gehen“. Da hörte sich der hochgebildete Fußballlehrer an wie ein Übungsleiter längst vergangene Tage. Er selbst sieht es überhaupt nicht gern, wenn seine feingliedrigen Auserwählten „rigoros in Zweikämpfe gehen“ und dabei „weder sich noch den Gegner schonen“. Löw gehört jener Konfession an, die die gemeine Blutgrätsche, die vermutlich in den 70ern auf dem Betzenberg erfunden wurde, aus tiefstem Herzen verpönt.

Das Dumme ist nur: Deutsche Abwehrreihen, einst weltweit wegen ihrer Gnadenlosigkeit gefürchtet, laden inzwischen herbeilaufende Angreifer mit offenen Armen zum Toreschießen ein. Die Zeiten, da Männer vom Schlage eines Katsche Schwarzenbeck, Berti Vogts, Horst Höttges, Karlheinz Förster oder Jürgen Kohler am Mann klebten wie ein lästiges Kaugummi, sind längst vorbei. Der moderne Fußball fordert anderes, strategischeres Können im Defensivverhalten, aber in der deutschen Nationalmannschaft ist dieses Verhalten noch nicht ausreichend tief implementiert.

Löw hat am Dienstag noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er „das Spiel nach vorn über alles liebt“. Die Offensive ist die Geliebte, aber natürlich weiß Löw auch, dass es die Schwiegermutter braucht, die zuverlässig den Abwasch tätigt. Davon, Druck zu machen und Tore zu schießen, will er „kein bisschen abweichen“, gleichwohl sieht er ein: „Wir haben zu viele Tore hinnehmen müssen.“ Das Fachblatt Kicker hat es vorgerechnet: Mit einer Gegentrefferquote von 1,55 pro Spiel in der vergangenen Saison ist der Weltranglistenzweite unter den Top 20 nur auf Platz 18. Zum Vergleich: Weltmarktführer Spanien kassierte nur 0,54 Tore pro Begegnung.

Hummels warnt

Der Dortmunder Abwehrspieler Mats Hummels ist ein meinungsstarker Mensch, der Dortmunder Innenverteidiger hat das am Dienstag zum wiederholten Mal bewiesen. Er sagte nämlich klipp und klar: „Es ist wichtig, dass die komplette Mannschaft im Defensivverhalten eine Grundidee hat.“ Man kann daraus getrost ableiten: Diese Grundidee fehlt Deutschland noch. Wie wichtig dieses in Dortmund längst verinnerlichte Verhalten im Bemühen um Balleroberung jedoch ist, habe man, so Hummels, beim FC Bayern sehr eindrucksvoll betrachten können: „Durch neu gewonnenen Willen und Taktik haben sie drei Titel gewonnen.“ Man habe da „gesehen, dass die Defensive noch einen Ticken wichtiger ist“, denn: „Wenn man nichts zulässt, verliert der Gegner auch den Glauben, dass was geht.“

Joachim Löws Job ist es nun, die richtige Balance zu finden. Er sagt, das sei im Fußball „das Schwierigste überhaupt: defensiv sensationell zu stehen und trotzdem die Luft zu haben, vier Tore zu schießen“. Und dann zählt der Bundestrainer alle Offensivspieler auf, die furchtbar gerne Tore schießen und erwähnt keinen einzigen Abwehrspieler. Löw hat keine Lust, sich den Einzug ins Finale zu ermauern wie dereinst Franz Beckenbauer 1986 mit dem von den sechs Betonpfeilern Norbert Eder, Karlheinz Förster, Peter Briegel, Ditmar Jakobs, Andreas Brehme und Thomas Berthold gestützten Schutzwall.

Ohnehin ist die Auswahl an gut ausgebildeten deutschen Abwehrspielern für Löw gering. In der Bundesliga fiel der Anteil deutscher Verteidiger laut Kicker auf unter 40 Prozent, so gering war er seit Einführung der Viererkette unter Jürgen Klinsmann 2004 noch nie. Da Löws Lieblings-Innenverteidiger Holger Badstuber die WM verletzt verpassen wird, verbleiben lediglich Hummels, Per Mertesacker, Jerome Boateng und Benedikt Höwedes als letzte Instanz vor Torwart Manuel Neuer. Der Bundestrainer hat eingesehen, dass er denen die Arbeit künftig leichter machen muss: „Wir müssen Organisation und Aggressivität in der ganzen Mannschaft erreichen.“ Dem Naturell des einst eleganten Offensivspielers mit wehenden Haaren und heruntergestülpten Stutzen wird dieses professionelle Ansinnen freilich nie entsprechen.

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