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27. März 2016

Länderspiel: Gomez meldet sich zurück

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Mario Gomez bejubelt sein Tor zum 2:0.  Foto: dpa

Trotz der Niederlage gegen England zählt Mario Gomez zu den Gewinnern in der Nationalmannschaft. Der Stürmer überzeugt gegen England als einer der wenigen Spieler mit einem Treffer.

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Mittelstürmer können, anders als gemeinhin Abwehrspieler oder gar Torhüter, auch im Angesicht der Niederlage Glück erfahren. Mario Gomez liefert dafür in den Tagen zwischen den Länderspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen England am Samstag in Berlin und Italien am Dienstag (20.45 Uhr, ARD) in München ein wunderbares Anschauungsbeispiel. Ein Tor, dem irrtümlicherweise wegen vermeintlicher Abseitsstellung die Anerkennung verwehrt wurde, hat er beim 2:3 gegen England geschossen, und eines, welches dann sogar zählte, später noch zur zwischenzeitlichen 2:0-Führung per Kopf erzielt. Da war es der deutschen Mannschaft noch recht gut gegangen, später dann nicht mehr, mit Ausnahme von Mario Gomez.

Dem ging es trotzdem noch gut.

Man kann das verstehen. Seit seinen beiden Treffern bei der EM 2012 gegen die Niederlande, als er sogar zum „Player of the match“ gewählt wurde, hat der 30-Jährige nicht mehr für sein Land getroffen. Und als er im Mai 2014 von Bundestrainer Joachim Löw nach einer wahren Verletzungsorgie nicht einmal für den erweiterten WM-Kader nominiert wurde, glaubten manche schon, das könnte es gewesen sein für den sensiblen Gomez im Trikot mit dem Adler auf der Brust. Denn unüberhörbar war ja Löws Rhetorik, dass er nämlich lieber auf wendigere, spielstärkere, listigere zentrale Angreifer setze, Kerle wie Mario Götze, Marco Reus oder Mesut Özil. Gomez kam in der öffentlichen Wahrnehmung wie ein ungelenker Dino daher, und Löw tat nicht unbedingt alles, um diesen Eindruck des baldigen Aussterbens dieser Stürmergattung überzeugend beiseite zu schieben.  

Kein Chancentod mehr

Eigentlich hatte Mario Gomez gehofft, der Wechsel vom FC Bayern zum AC Florenz im Sommer 2013, bald nach der Ankunft von Pep Guardiola in München, würde ihn wieder in die Spur zurückbringen. Aber das war ein Trugschluss. Auch deshalb, weil der Angreifer so oft unpässlich war und sich für sein Spiel physisch ganz bestimmt keine Nachlässigkeiten leisten darf. Aber weil Mario Gomez zwar äußerlich wie einer daherkommt, dem niemand was antun kann, tatsächlich aber einen sehr weichen Kern innehat, fing er an zu grübeln. Das ist nicht gut für einen Mittelstürmer seines Schlags. Einer wie Gomez braucht Selbstvertrauen noch mehr als andere Spieler, und wenn dann auch noch deutsche Fans schon pfeifen, dann wirft ihn das glatt um. Wie nach der WM beim 2:4 gegen Argentinien, als er in Düsseldorf zum Chancentod wurde.

Die Nationalmannschaftsabstinenz hat dem Schwaben mit spanischen Wurzeln vielleicht sogar ganz gut getan, dass er seinerzeit nicht für die WM nominiert wurde, hat ihn zwar enttäuscht, er hat es aber auch nachvollziehen können, dazu war der Fitnessrückstand zu groß, und jetzt ist er wieder da. Als Stürmer von Besiktas Istanbul, wo er plötzlich wieder Wege zum Tor findet, ein bisschen deshalb, weil die türkische erste Liga nicht so stark ist wie die in Italien und Deutschland, ein bisschen auch deshalb, weil er wieder spritziger geworden ist. Die Zeit in München hängt ihm noch nach, das ist im Gespräch mit Mario Gomez zu spüren: „Bei den Bayern musste ich mein Spiel umstellen, weil wir sehr offensiv gespielt haben und ich eigentlich nur im Sechszehner rumgestanden habe und dadurch auch so ein bisschen meine Stärken verloren habe. Nämlich auf den Verteidiger drauf zu gehen, wie ich es jahrelang in Stuttgart getan habe.“

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Und wie er es auch jetzt gegen England gut gemacht hat. „Ich merke, dass ich dem Abwehrspieler wieder wehtun kann, ich habe jetzt wieder mehr Körner im Hintern“,  sagt er selbstbewusst, „dementsprechend habe ich wieder Spaß am Fußball. Das war zwischenzeitlich sicher nicht mehr so.“ Das haben auch die Mannschaftskollegen gespürt. Sami Khedira zum Beispiel, der 2007 mit Gomez gemeinsam Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart wurde. Flanke Khedira, Kopfball Gomez, Tor: „Das war wie bei den jungen Wilden beim VfB“, hat Gomez lächelnd berichtet, und auch Khedira hat sich für den alten Kumpel mitgefreut, und natürlich auch fürs ganze Team: „Wir hatten, seit Miro Klose weg ist, keinen richtigen Mittelfstürmer mehr.“ Man spüre, ergänzte der Kapitän, „dass Mario befreit wirkt. Dass er Spaß am Fußball hat. Das hatte zuletzt nicht so gewirkt.“ Und nicht nur für den Fußballplatz findet Khedira die Anwesenheit von Gomez förderlich: „Er ist ein top Stürmer und top Mensch.“

Für Joachim Löw jedenfalls bringt ein gesunder und selbstbewusster Mario Gomez alte, neue Möglichkeiten für die Offensive. Es kann nicht schaden, einen robusten Mann im Kader zu wissen, der weiß, wo das Tor steht, der auch mal eine hohe Flanke verwerten kann oder einen Lupfer wie den gegen England von Khedira, weil Gomez über die nötige Athletik und Spannkraft verfügt, einem solchen Ball per Kopf neuen Speed zu geben. Löw kann in Zukunft mit Mario Götze oder Mario Gomez vorn agieren oder mit beiden gemeinsam in einem 4-4-2-System, das die deutsche Nationalmannschaft schon lange nicht mehr praktiziert hat, vom Bundestrainer aber ausdrücklich erwähnt wurde, als er nach dem WM-Sieg in Brasilien grundsätzliche Überlegungen über Zukunftsfragen des deutschen Fußballs formulierte.

Mario Gomez jedenfalls will sich künftig nicht mehr nur an Toren messen lassen, sondern auch an seinem Wert als Arbeiter für das ganze Team. Über eine gewisse Untätigkeit im Laufen gegen den Ball hatte sich Löw in der Vergangenheit wiederholt geärgert. Gomez hat verstanden: „Ich bin ja jetzt schon 30. Und ich bin davon ein bisschen weggekommen, nur meine Tore zu sehen“, sagt er. Die Partie gegen Italien in München, wo er als 30-Millionen-Euro-Mann sein Glück nie fand, würde er mit Blick auf die EM nur allzu gern nicht bloß als persönliche Genugtuung erleben. „Italien ist eine Turnierbestie. Und traditionell stark gegen Deutschland. Das wird kein einfaches Spiel. Ich glaube aber, dass es wichtig ist, mit einem Sieg in die Turniervorbereitung zu gehen.“ An ihm soll es nicht scheitern.  

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