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18. Januar 2013

Lance Armstrong gesteht Doping: Anerkennung und Kritik

Das Armstrong-Interview wurde weltweit beachtet. Foto: AFP

Nach dem Doping-Geständnis von Ex-Radprofi Lance Armstrong äußern sich Kollegen und Verantwortliche aus dem Radsport. Die Reaktionen reichen von Zustimmung bis hin zu Enttäuschung und Unverständnis. Der USADA-Chef fordert eine Aussage unter Eid.

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Nach dem Doping-Geständnis von Ex-Radprofi Lance Armstrong äußern sich Kollegen und Verantwortliche aus dem Radsport. Die Reaktionen reichen von Zustimmung bis hin zu Enttäuschung und Unverständnis. Der USADA-Chef fordert eine Aussage unter Eid.

Das Doping-Geständnis des früheren Radprofis Lance Armstrong hat unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Der Radsport-Weltverband UCI hat die Erklärungen Armstrongs im TV-Interview mit Oprah Winfrey begrüßt. „Armstrongs Entscheidung, sich der Vergangenheit zu stellen, ist ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg zur Wiederherstellung des Vertrauens in den Sport“, erklärte der selbst heftig umstrittene und mehrfach zum Rücktritt aufgeforderte UCI-Chef Pat McQuaid am Freitag.

Armstrong hatte den Dachverband vom Verdacht der Korruption und Einflussnahme bei den Doping-Kontrollen ausdrücklich freigesprochen und die Effektivität der heutigen Anti-Doping-Maßnahmen gelobt. „Armstrong hat bestätigt, dass es keine Verschwörung und keine Absprachen zwischen ihm und der UCI gegeben hat“, meinte McQuaid weiter.

Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur USADA, nannte die Beichte einen „kleinen Schritt in die richtige Richtung“. Armstrong habe „endlich zugegeben, dass seine Radsport-Karriere aus einer kraftvollen Kombination aus Doping und Betrug“ bestanden habe. Erledigt sei die Affäre für den Ex-Profi aber noch nicht. Wenn es Armstrong ernst damit sei, „seine Fehler zu korrigieren, muss er unter Eid ein vollständiges Geständnis seiner Doping-Aktivitäten“ ablegen. Tygart hatte durch seine Ermittlungen maßgeblich zum Sturz des einstigen Radsport-Helden beigetragen.

Beim Präsidenten der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hat das Armstrong-Interview hingegen für Verstimmung gesorgt. John Fahey übte vor allem heftige Kritik an der Aussage, durch den jahrelangen Dopingkonsum lediglich faire Voraussetzungen schaffen zu wollen. Dieser Kommentar sei „ein bequemer Weg zu rechtfertigen, was er getan hat - nämlich betrügen“, sagte Fahey am Freitag. Durch solche Aussagen werde Armstrong „völlig unglaubwürdig“, ergänzte er.
Der WADA-Boss war von dem Auftritt enttäuscht. „Er hat keine Namen genannt, hat nicht verraten, wer ihn (mit Dopingmitteln) versorgt hatte, welche Funktionäre involviert waren“, bemängelte Fahey und ergänzte: „Falls er auf Erlösung aus war, war er nicht erfolgreich.“

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat Lance Armstrong aufgefordert, die Strukturen hinter dem Dopingskandal offenzulegen. „Wir erwarten von Armstrong, dass er alle Beweise den Anti-Doping-Gremien vorlegt, damit wir diese dunkle Episode beenden und vorankommen können - stärker und sauberer“, hieß es in einer Stellungnahme des IOC. „Dies ist ein trauriger Tag für den Sport, der jedoch auch eine positive Seite haben kann, wenn diese Ausführungen dazu führen, einen Schlussstrich unter die früheren Praktiken zu ziehen“, ließ das IOC verlauten.

Die deutschen Radprofis Marcel Kittel und Jens Voigt haben sich am Freitag wenig überrascht über die TV-Doping-Beichte gezeigt. Nach den Anklagen der US-Anti-Doping-Agentur USADA sei „klar gewesen, in welche Richtung das Gespräch gehen würde“, sagte Voigt. Er habe das Interview nicht live gesehen, weil er zur Vorbereitung auf die Tour Down Under im australischen Adelaide beim Training war.
„Die Leute mögen Geständnisse, aber es wird für Lance sicher noch ein langer Weg“, meinte der RadioShack-Fahrer. Dem Team gehörte zuletzt auch Armstrong an. „Um es auf den Punkt zu bringen: Eigentlich ist nichts Neues rausgekommen“, sagte Kittel der dpa. „und außerdem ist immer noch nicht ersichtlich, was sein Ziel ist.“

Voigt monierte eine gewisse Laxheit Armstrongs bei seinen angebotenen Entschuldigungen. „Ich habe gegen ihn nur ein, zwei Rennen verloren. Das war nicht schlimm. Aber es gibt sicher andere, die haben viel mehr unter ihm gelitten. Da wird noch mehr nötig sein, als ein kurzes Sorry über den Bildschirm“, meinte der 42-jährige Berliner.

Auch Tennis-Profi Novak Djokovic äußerte sich zu Armstrongs Doping-Geständnis. Der Weltranglistenerste, der zurzeit bei den Australien Open in Melbourne antritt, forderte, dass der frühere Radprofi für seine Lügen büßen müsse. „Ich finde, es ist eine Schande für den Sport, einen solchen Athleten zu haben“, sagte Djokovic. „Er hat den Sport betrogen. Er hat viele Menschen auf der ganzen Welt mit seiner Karriere und seiner Lebensgeschichte betrogen.“ (dpa)

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