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21. Januar 2013

Lance Armstrong: Im Dschungelcamp mit Lance Armstrong

 Von Wolfgang Hettfleisch
Schuld und Kalkül: Lance Armstrong.  Foto: Reuters/George Burns

Armstrong nutzt Interviewteil zwei zur großen Tränenshow. Namen gibt er nicht preis, dafür gerät das Interview zur Sternstunde für Voyeure.

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Armstrong nutzt Interviewteil zwei zur großen Tränenshow. Namen gibt er nicht preis, dafür gerät das Interview zur Sternstunde für Voyeure.

Doping bei Rabobank

Flächendeckend: Die früheren Profis des Rabobank-Teams, Thomas Dekker und Danny Nelissen, haben erklärt, dass beim niederländischen Radteam flächendeckend gedopt wurde – meist mit Epo und Bluttransfusionen. Dekker will 2006 mit Epo und 2007 mit Transfusionen begonnen haben. Er sagte: „Fast jeder Topfahrer hat sie bekommen.“
Bis in die Gegenwart: Interessant an den Aussagen ist der Zeitraum, in dem das Doping stattgefunden haben soll. Und zwar von 1996 bis zum Ausstieg des Sponsors 2012. Das heißt, selbst mit Blutpass wurde weiter gedopt. Dekker, der 2009 des Epo-Dopings überführt wurde, sagte: „Die Transfusionen waren der Schlüssel zum Erfolg.“
Unter Aufsicht: Teamdoping hieß bei Rabobank: Ärztedoping. Nelissen, der 1999 wegen Herzproblemen vom Rad stieg, sagte: „Team-Arzt Geert Leinders hat mich gespritzt. Ich habe bei der Tour 1996 und 1997 Epo genommen.“ Leinders arbeitete zuletzt auf Teilzeit-Basis im britischen Sky-Team des Toursiegers 2012, Bradley Wiggins.

Betsy Andreu brauchte nur drei Minuten, um ein vernichtendes Urteil zu fällen. „Das ist nicht gut genug“, sagte die Frau des ehemaligen Lance-Armstrong-Teamkollegen Frankie Andreu per Liveschalte bei CNN-Journalist Anderson Cooper. Sie sprach vom gerade ausgestrahlten ersten Teils von Armstrongs Dopinggeständnis bei US-Talkmasterin Oprah Winfrey.

Für Andreu, die ein Dopinggeständnis des Texaners während dessen Krankenhausaufenthalt wegen seiner Krebserkrankung im Herbst 1996 bezeugen kann, war die Beichte vielmehr „ein Haufen Mist“. Auch die Interviewkonstellation ging der empörten Betsy Andreu („Er hätte reinen Tisch machen können, er war mir das schuldig“) gewaltig gegen den Strich. „Er hätte nicht zu Oprah gehen sollen.“

Seelen-Striptease

Das sollte sich als ziemlich treffendes Resümee für den zweiten Teils der Bekenntnisse eines radelnden Hochstaplers erweisen. Denn da riss Oprah Winfrey als mitfühlende Seelsorgerin das journalistische Gebäude achtlos wieder ein, das sie in Teil eins dank solider Recherchearbeit ihrer Redaktion mühsam errichtet hatte. Nun ging es um den Seelen-Striptease. Winfrey fragte: „Stellen Sie sich Ihren Dämonen?“ Und Armstrong antwortete: „Absolut.“

In diesem Duktus ging es weiter, eine Sternstunde für Voyeure, eine Qual für alle Zuschauer, die sich weitere Erkenntnisse über Armstrongs finsteren Machenschaften erhofft hatten. Genüsslich dehnte Winfrey die Pausen, wenn sein Redefluss stockte, beugte sich leicht nach vorn, spannte den Oberkörper, fixierte ihre Beute. Nun hatte sie Lance Armstrong, wo sie ihn haben wollte. Tränen kullerten, als Armstrong schilderte, wie er seinem ältesten Sohn die Wahrheit gestand und ihn aufforderte, ihn nicht länger gegen Mitschüler zu verteidigen.

Der Täter wurde zum Opfer, das bekannte, in therapeutischer Behandlung zu sein. Offenbar ein schwerer Fall. Er sei jemand, so Armstrong, „der das nicht nur sporadisch tun kann“. Das war nicht erhellend, bloß peinlich. Und Oprah Winfrey, das fleischgewordene Sorgentelefon, konnte einfach nicht genug davon kriegen, fragte tatsächlich: „Sind Sie ein besserer Mensch wegen dem, was passiert ist?“ Armstrong wusste, was das US-Publikum erwartete: „Zweifellos. Das ist mir zwei Mal im Leben passiert, das erste Mal bei der Krebsdiagnose. Das hat mich klüger gemacht, aber dann bin ich vom Weg abgekommen.“ Zeit für Winfrey, auch noch das letzte gammelige Kaninchen an den Ohren aus dem Zylinder zu ziehen. „Wissen Sie, was hoffentlich die Moral dieser Geschichte ist?“ Nein, er wusste es nicht, sie aber: „Die Wahrheit wird Sie befreien.“

Vorhang bitte! Am Ende der griechischen Tragödie, die bei Winfrey als Dschungelcamp-Format geboten wurde, meinte Lance Armstrong, der jetzt unbedingt bessere Mensch, er wolle trotz lebenslanger Sperre zurück in den Sport. „Ich weiß nicht“, sagte er zu Winfrey, „ob ich die Todesstrafe verdient habe.“ Sie ließ das mal so stehen. That’s entertainment.

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