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19. Dezember 2012

Mainz 05: Tuchels Martyrium auf Schalke

 Von J. C. Müller und D. Theweleit
Mainz-Trainer Thomas Tuchel jubelt nach dem Schlusspfiff mit Eugen Polanski. Foto: dapd

Wie der Mainzer Trainer Thomas Tuchel in den Katakomben der Schalker Arena den Pokalsieg seines Teams erlebt hat.

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Wie der Mainzer Trainer Thomas Tuchel in den Katakomben der Schalker Arena den Pokalsieg seines Teams erlebt hat.

Gelsenkirchen/Mainz –  

Bei Mainz 05 haben sich die Verantwortlichen am Mittwochnachmittag mit einem Gläschen sprudelnden Schaumwein von den Pressevertretern verabschiedet. Trainer Thomas Tuchel, der ansonsten nur Mineralwasser ohne Kohlensäure zu trinken pflegt, hat nur kurz genippt und das Gesicht verzogen. Alkohol ist nicht Sache des 39-Jährigen. Ansonsten war der Fußballlehrer aber bester Dinge. Erstens wegen des 2:1-Erfolgs im Pokal-Achtelfinale bei Schalke 04, und zweitens wegen der acht Siege und Platz sechs in der Bundesliga. Der Trainer sprach in seinem Jahresabschluss-Statement von der „mental brutalen Anstrengung“, in der abgelaufenen Vorrunde stets am obersten Limit agiert zu haben, „wir gewinnen unsere Spiele auch darüber, unsere Abläufe immer pedantisch einzuhalten. Das kostet Energie.“ Eines ist Tuchel jedenfalls klar: „Mit diesem Stil könnten wir nicht drei Mal die Woche spielen.“

Wobei die Angelegenheit auf Schalke sich als besonders nervenaufreibend gestalten sollte. Tuchel war noch am Tag danach sichtbar aufgewühlt, als er auf die 66. Minute angesprochen wurde. Da war er nach einem üblen Foul von Jermaine Jones an Marco Caligiuri aufs Spielfeld gestürmt. Er habe sich angesichts der schlimmen Grätsche „fürchterlich erschrocken“. Weil das Betreten des Platzes Trainern jedoch untersagt ist, wurde er aus dem Innenraum verbannt. Nach dem heftigen Disput mit Jones traute Tuchel sich dann nicht auf die mit emotionalisierten Schalkern reich bestückte Tribüne: „Die Leute dachten ja, ich hätte den Jones geschlagen.“

Später, als er das Foul noch einmal im Fernsehen gesehen habe, berichtete Tuchel am Mittwoch, sei er mit sich dennoch im Reinen gewesen: „Dass ich auf den Platz gelaufen bin, tut mir gar nicht leid. Ich habe mich eher noch gewundert, dass ich so ruhig geblieben bin.“ Caligiuri könne „froh sein, dass er zu seinen Eltern in den Urlaub fahren konnte“. Der Tag, „an dem ich ein solches Foul auf der Bank sitzend ertrage“, sagte der Trainer, sei „weit entfernt.“

Verzögertes Fernsehbild

Statt auf die Tribüne hatte er sich am Vorabend lieber in die Stadionkatakomben begeben, wo er die Partie auf einem Bildschirm zu Ende schauen wollte. Aber das hatte so seine Tücken. Das Fernsehbild kam dort nämlich immer mit zehn Sekunden Verzögerung an, „man hört die ganze Zeit draußen das Stadion, und weiß praktisch immer schon: Das wird jetzt eine Großchance“, erzählte Tuchel. „Beim 1:1 habe ich gerade erst gesehen, wie Baumgartlinger außen Farfán angreift, da wusste ich wegen des Jubels schon: Das wird jetzt ein Tor. Das war furchtbar, schlimmer geht es nicht.“

Wenig später ahnte der Trainer anhand des Sounds nach dem erneutem Führungstreffer, dass vielleicht wieder ein Tor gefallen war, „oder war das jetzt nur eine Großchance? Oder ein Elfmeter?“ Gewissheit gab es erst quälende zehn Sekunden später, und als es das nächste Mal richtig laut wurde da draußen, weil das Publikum einen Handelfmeter forderte, und Tuchel keine Ahnung hatte, was vorgefallen war, flüchtete er. Weg von den Bildschirmen, hinein in die Kabine. „Ich habe alle Wasserhähne aufgedreht, damit ich nichts mehr höre.“

Dort war er dann auf und ab gegangen. Der Caterer habe ein Buffet aufgebaut und „mich informiert, wo wir später noch Steaks bekommen“, erzählte Tuchel. Irgendwann war dann Zeugwart Walter Notter aufgetaucht, hat seelenruhig Mützen und Decken eingepackt und dabei geraunt: „Da draußen geht’s zu, hey.“ Tuchel war fast verrückt geworden und hatte so ein ziemlich skurriles Vorrundenfinale erlebt.

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